Gewalt an der Copacabana

Sicher durch Brasilien – 10 Tipps von Einheimischen

Kurz vor dem WM schaut die ganze Welt nach Brasilien und, natürlich, Rio de Janeiro. Die Bilder von kriegsähnlichen Zuständen in den Favelas und von Protesten mit Ausschreitungen auf den Straßen machen vielen Urlaubern Angst. TRAVELBOOK erklärt, was Urlauber beachten müssen.

Nuno Alves Von Nuno Alves

Als ich 2002 das erste Mal nach Brasilien reiste, hörte ich von allen Seiten vor allem: Vorsicht! Berichte von Überfällen, Morden, Entführungen bestimmten damals das Bild über das südamerikanische Land. Oder es wurden allerorts die Klischees bedient, wonach der Brasilianer ständig Fußball spielt (oder schaut), die Brasilianerin ihr Leben beim Samba und/oder im Bikini verbringt und sich das ganze Land nach dem Karneval vor allem auf eins konzentriert: den nächsten.

Seitdem ist die Wahrnehmung von Brasilien um ein paar Facetten ergänzt worden. Vom Boom-Land war die Rede, von einer neuen Supermacht des Südens. Viele Brasilianer, dank der wachsenden Wirtschaft und eines verbesserten Wechselkurses mit mehr Mitteln ausgestattet, fingen an, die Welt zu bereisen und widerlegten das Vorurteil, ein Brasilianer sei entweder superreich oder superarm. Eine neue Mittelschicht entdeckte die Welt, aber an der Tatsache, dass sie überall auf die Gewalt in ihrem Land angesprochen wurde, änderte auch der Boom nichts.

Fast jeder Brasilianer hat eine Geschichte über Gewalt zu erzählen

Ich reise jedes Jahr nach Brasilien , habe dort Familie und Freunde. Immer wenn das Thema Gewalt zur Sprache kommt, hat jeder etwas zu berichten. Entweder kennt er jemanden, der Opfer eines Überfalls wurde oder eines Einbruchs. Oder er wurde selbst bereits ausgeraubt. Es gibt die vermeintlich harmlosen Geschichten von Dieben, die Frauen die Handtasche wegreißen und flüchten, und die, bei denen mit Schusswaffen Familien in ihren Wohnungen bedroht werden, bis sie alles herausrücken.

Und dann sind da die jüngsten Bilder von Plünderungen am WM-Spielort Salvador da Bahia und von Schießereien zwischen Spezialeinheiten und Mitgliedern von Drogenbanden in den Armenvierteln Rio de Janeiros, wo die Polizei für den Tod eines aus dem TV bekannten Tänzers, Douglas Rafael da Silva Pereira, in einer Favela verantwortlich gemacht wird und sich nun Proteste entzündet haben. Gegen die Befriedungseinheiten, die in den Armenvierteln die Kontrolle übernommen haben und die aus Sicht der Bewohner keine Verbesserung zur Herrschaft der Drogenbanden darstellen. Die Polizei gilt als korrupt und ihr Verhalten wird oftmals als Willkür empfunden.

Befriedungseinheiten lösen keine sozialen Grundprobleme

Es scheint, als sei Rio de Janeiro und das ganze Land außer Kontrolle, jetzt, so kurz vor der WM. Dabei, so traurig das auch klingen mag, bestimmt Gewalt seit Jahrzehnten den Alltag in Rio, vorwiegend in den von Drogengangs dominierten Armenvierteln. Die vermeintliche Befriedung von ein paar Dutzend Favelas dient letztlich vor allem dem Ziel, der Welt ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, wohl wissend, dass die grundlegenden sozialen Probleme nicht in wenigen Monaten von ein paar Tausenden Polizisten gelöst werden können. Mehr als 1000 solcher Armenviertel hat Rio. Aus Sicht der Behörden sind vor allem die in den touristischen Gebieten „befriedenswert“.

Ich hatte bislang das Glück, noch nie direkt mit Gewalt konfrontiert worden oder in einer bedrohlichen Situation gewesen zu sein. Ich gebe aber auch zu, dass ich mich an viele der Tipps halte, die an mich herangetragen werden von den Brasilianern, die aufgrund der umfangreichen Berichterstattung, der selbst kleinsten Delikten im TV eingeräumt wird, eine mehr oder weniger gesunde Art von Paranoia entwickelt haben. Diese Tipps der Brasilianer möchte ich hier gern weitergeben.

1. Bescheiden kleiden. Ganz einfach aus dem Grund, weil sich die meisten Brasilianer so anziehen. Wer in Rio an den Strand geht, trägt in der Regel Sandalen, T-Shirt, (kurze) Hose, ein einfaches Kleid. Wer overdressed ist, wird schnell als „naiver“ Tourist erkannt. Und gerade die Naivität lockt Diebe an.

2. Lassen Sie auffällige Wertgegenstände im Hotel. Auch wenn einige Urlauber unbedingt jede Sehenswürdigkeit mit der Spiegelreflexkamera festhalten wollen, Diebe sehen zunächst nur die einfach aus der Hand zu reißende Beute. Dazu gehören eben Handtaschen, Kameras, aber auch wertvoll aussehender Halsschmuck.

3. Ziehen Sie in Städten Metros den Bussen vor. Rio de Janeiro oder São Paulo haben ein gut funktionierendes Metro-Netz, das ausreichend bewacht wird und als sehr sicher gilt. Sollten Sie einen Ort besuchen wollen, der außerhalb des Netzes liegt, empfiehlt sich das Taxi. Hier sollten Sie darauf achten, dass der Fahrer einen seriösen Eindruck macht. Fragen Sie im Hotel oder in Restaurants nach Taxifahrern, denen das Haus vertraut. Sollten Sie zufrieden gewesen sein, können Sie den Fahrer auch darauf ansprechen, dass er Ihnen seine Nummer für etwaige weitere Fahrten gibt.

4. Meiden Sie unbelebte Straßen und Bezirke. Zwar kann Ihnen auch an der hell erleuchteten Copacabana passieren, dass Sie überfallen werden, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit größer, wenn Sie durch vereinsamte Gassen spazieren gehen.

5. Informieren Sie sich über die Gegend Ihrer Unterkunft. Lesen Sie Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet. Favelas befinden sich in Rio zwar meist irgendwo in der Nähe, aber das bedeutet nicht gleichzeitig Gefahr. Gäste, die bereits in Ihrer Unterkunft übernachtet haben, können anschließend meist gut einschätzen, ob das Viertel empfehlenswert ist.

6. Haben Sie immer etwas Bargeld dabei. Als ich das erste Mal in Brasilien war, hieß es, ich solle immer zwischen 50 und 100 Real, also in etwa 16 bis 32 Euro, dabei haben. Grund: Sollte ich einmal überfallen werden und nichts dabei haben, könnten die Gangster aus Frust oder weil sie es nicht glauben, gewalttätig werden.

7. Seien Sie beim Zahlen diskret. Bündelweise Bargeld sollte ohnehin nicht mitgenommen werden. Wenn Sie größere Summen bei sich haben, sollte es beim Zahlen von Souvenirs oder in Keipen nicht jedem gezeigt werden. Wer Geld bei der Bank holt, sollte es anschließend ins Hotel bringen und nur das Nötigste bei sich tragen.

8. Spielen Sie nicht den Helden. Sollten Sie jemals überfallen werden, verhalten Sie sich ruhig und tun Sie das, was von Ihnen verlangt wird. Ebenso gilt: Wenn Sie merken, dass jemand anderes überfallen oder gerade ausgeraubt wird, mischen Sie sich nicht ein. Ein paar Wertsachen sind es nicht wert, dafür einen Konflikt mit jemanden zu riskieren, der unter Umständen zum Äußersten bereit ist.

9. Sorgen Sie für eine nüchterne Begleitung, wenn Sie betrunken sind. Alkoholisiert verliert man sein Gespür für bedrohliche Orte, Menschen und Situationen. Wie beim Autofahren gilt: Wenn Sie betrunken sind, sorgen Sie dafür, dass jemand dabei ist, der noch klare Entscheidungen treffen kann und den Weg zurück zu Ihrer Unterkunft findet.

10. Meiden Sie Armenviertel. Nicht jeder Besuch einer „Favela“ bedeutet zwar, dass man sofort überfallen wird. Dennoch gilt: Ein Armenviertel ist keine Touri-Attraktion. Und keiner will begafft werden, nur weil er in einer „Favela“ wohnt. Wer dennoch eine besuchen möchte, sollte sich im Hotel informieren. Es gibt, so seltsam das auch anmuten mag, geführte Touren. In einigen „Favelas“, in denen die Situation unter Kontrolle ist, gibt es zudem Unterkünfte, die durchaus eine Alternative zu den oft teuren Hotels der Stadt sind.

Wenn man diese Tipps liest, möchte man fast glauben, ein Urlaub in Brasilien sei nur mit erheblichen Gefahren verbunden. Ich will die Tatsache nicht herunterspielen, dass Gewalt ein großes Problem ist, allerdings habe ich in Brasilien immer und überall hilfsbereite Menschen getroffen, die Ausländer offen empfangen und vor allem wollen, dass sie einen angenehmen Aufenthalt haben. Vertrauen Sie letztlich auch Ihrem Instinkt und fragen Sie die Menschen, wenn Sie Zweifel haben, unsicher sind oder sich so fühlen. Ihnen wird garantiert geholfen.

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