Ungewöhnliches Aussteigerpaar (30 und 62)

Wie aus einer Weltreise ein Geschäft wurde

Ellen Kuhn und Joachim Materna leben das, wovon viele träumen: Sie reisen an die schönsten Orte der Welt, und das nun schon seit mehr als drei Jahren. Wo es ihnen besonders gut gefällt, werden sie eine Weile sesshaft, mal ein paar Monate, mal deutlich länger, bis es sie zu neuen Zielen zieht. Wieso der Arzt und die Managerin ihre gut bezahlten Jobs in Deutschland aufgaben und wie sie heute auch für andere den Traum von der Weltreise wahr werden lassen, haben sie TRAVELBOOK im Interview verraten.

Bevor sich Ellen Kuhn und Joachim Materna kannten, hat keiner von beiden ernsthaft über eine Weltreise nachgedacht, geschweige denn, dafür in Deutschland alles aufzugeben. Aber manchmal trifft man im Leben jemanden, mit dem sich ein gemeinsamer Traum erst entwickelt, und mit dem man sich plötzlich alles vorstellen kann.

Bei dem Paar aus Baden-Württemberg war es vor allem die fehlende gemeinsame Zeit, bedingt durch ihre stressigen Berufe, die sie erkennen ließ, dass sie etwas ändern wollten. „Wir kamen jeden Abend erst um 22 oder 23 Uhr nach Hause, waren beide total erschöpft und hatten nur noch eine halbe Stunde zum Reden. Und am nächsten Tag ging es genauso weiter“, erinnert sich Ellen Kuhn im Gespräch mit TRAVELBOOK an diese erste gemeinsame Zeit. „Das wollten wir nicht mehr, wir wollten einfach mehr Zeit miteinander verbringen.“

Eine Rolle bei ihren Überlegungen habe auch der Altersunterschied gespielt. Ellen Kuhn ist heute 30, Joachim Kuhn 62, zwischen ihnen liegen 32 Jahre. „Wir wussten, dass wir vielleicht nicht so viel Zeit zusammen haben werden wie andere Paare, und die wollten wir bewusst nutzen“, sagt Kuhn.

Joachim Materna und Ellen Kuhn planten ihre Weltreise ein Jahr lang

Foto: Joachim Materna, Ellen Kuhn

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„Wir wussten irgendwann: Wir wollen diese Jobs nicht mehr, wir wollen diese Umgebung nicht mehr, und wir wollen Zeit für uns“, sagt Joachim Materna.

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Beide kündigen ihre Jobs

Hinzu kommt, dass Ellen Kuhn durch den Versuch, den stressigen Beruf mit dem Privatleben zu vereinen, die Diagnose Burnout bekommt. „Das war keine schöne Zeit. Aber als ich mich wieder aufgerappelt hatte und wieder ein bisschen Kraft gesammelt hatte, war plötzlich auch die Energie da zu sagen: Okay, es muss sich jetzt was verändern.“ Statt des ursprünglich mit ihrem Arbeitgeber vereinbarten Sabbaticals kündigt Kuhn ganz. Joachim Materna gibt seinen Beruf ebenfalls auf. Er habe seinen Job als Herz-Spezialist zwar geliebt, so Materna, aber irgendwann, nach so vielen Berufsjahren, sei eben Zeit für etwas Neues. „Das Leben hat so viele bunte Facetten, und es wäre so schade, irgendwann in einen Trott zu verfallen, in dem man nicht mehr mit Begeisterung jeden Tag zur Arbeit geht.“

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Mit jedem Tag wurde der Kopf freier

Am 15. November 2013 starten Ellen Kuhn und Joachim Materna schließlich in das wohl größte Abenteuer ihres Lebens. Sie reisen 4,5 Monate mit dem Rucksack um die Welt, besuchen unter anderem Nepal, Bali, Australien, Fidschi, Französisch-Polynesien, Chile, Argentinien, Bolivien und Curaçao. „Mit jedem Tag der Reise ist der Kopf freier geworden“, sagt Joachim Materna. Sie hätten stundenlang geredet, über ihre Eindrücke und die Landschaft, und über das, was noch alles möglich wäre. „Es war einfach eine Wohltat zu spüren, dass die Fantasie wieder da ist.“

Glücklich auf Bora Bora

Foto: Joachim Materna, Ellen Kuhn

Weil ihnen Bali besonders gut gefallen hat, beschließen sie, dorthin zurückzukehren und sich eine Weile auf der zu Indonesien gehörenden Insel niederzulassen. Es werden schließlich zwei Jahre daraus. In dieser Zeit schreiben sie ein Buch, das auf den Tagebuchaufzeichnungen zu ihrer Weltreise basiert. „Keine Angst vorm Fliegen“ ist der Titel. Und es entsteht die Idee zu dem, wovon sie heute vorwiegend leben: Sie gründen eine Online-Reiseagentur für Weltreisen. Darüber planen sie individuelle Langzeitreisen für Menschen, die den gleichen Traum haben wie sie, organisieren alles bis ins kleinste Detail, von den Flügen und Unterkünften über Transporte, Events und Touren bis hin zu Restaurant-Reservierungen an allen Stationen der jeweiligen Weltreise. 

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Rom, Miami, Rio, Buenos Aires

Inzwischen sind sie erneut auf Weltreise, aber dieses Mal ganz anders. Sie reisen nicht mehr, wie anfangs noch, als klassische Backpacker von Land zu Land und übernachten in Hostels, sondern suchen sich jeweils private Unterkünfte und leben mit Einheimischen. Dank des Internets können sie ihre Kunden von überall auf der Welt betreuen. „Im Vergleich zu unserer ersten Erdumrundung ist das eine ganz neue Art der Weltreise“, sagt Materna. Nach drei Wochen in Rom, drei Monaten in Miami Beach, einer Woche in Panama City und fast vier Wochen in Rio ist das Paar nun in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires wieder so etwas wie „sesshaft“ geworden, zumindest für die nächsten drei Monate, bevor es dann weiter nach Kapstadt geht.

Bali ist inzwischen eine Art Base für beide geworden

Foto: Joachim Materna, Ellen Kuhn

„Unsere Heimat ist die Welt“

Nochmal in Deutschland zu leben, können sie sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen. Allerdings, so betonen beide, lehnen sie bei Weitem nicht alles an ihrer alten Heimat ab. „Es gibt viele deutsche Eigenschaften, die wundervoll sind und die einem viel helfen auf der Welt, und sehr oft besinnen wir uns auf die Stärken der Deutschen“, sagt Ellen Kuhn. Aber dann gäbe es wiederum Dinge, die in anderen Kulturen sehr viel leichter gehandhabt würden und viel angenehmer seien.

In der Salar de Uyuni in Bolivien

Foto: Joachim Materna, Ellen Kuhn

Und noch etwas hat das Paar im Laufe der Weltreise festgestellt: Auf Bali zum Beispiel seien sie viel ruhiger, ausgeglichener gewesen als an manch anderen Orten. „Auf Bali sind wir andere Menschen geworden, die uns manchmal fehlen.“

Deshalb wollen Ellen Kuhn und Joachim Materna Mitte nächsten Jahres nach Bali zurückkehren. Für wie lange es diesmal sein wird, wissen sie noch nicht, vielleicht zieht es sie schon bald weiter. „Das klingt vielleicht etwas plakativ, aber unsere Heimat ist mittlerweile die Welt“, sagt Joachim Materna.

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