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„Midnight Trains“

Französisches Start-up plant „rollende Boutique-Hotels“

„Midnight Trains“ wollen die Nachtzüge der Zukunft auf die Gleise schicken. Foto: Midnight Trains

Dass es besser für die Umwelt ist, mit dem Zug zu fahren, anstatt zu fliegen, ist mittlerweile in der Breite der Gesellschaft angekommen. Leicht ist der Umstieg von Flugzeug nach Bahn vielerorts trotzdem nicht. Oft sind vor allem Nachtzüge ungemütlich und teuer. „Midnight Trains“ will das jetzt ändern und ein Hotel auf Rädern anbieten.

Nachtzüge erlebten in den letzten Jahren ein Comeback, mit dem viele Anbieter nicht gerechnet haben. Denn ein Großteil der Menschen ist für den Klimaschutz durchaus bereit, überholte Gewohnheiten zu ändern und auch beim Transport auf nachhaltigere Alternativen umzusteigen. Doch die Tickets sind teuer und liegen in den meisten Fällen sogar weit über den Preisen für Flugtickets. Und: Teilweise sind die Strecken für internationale Verbindungen noch nicht einmal gebaut, auch Hochgeschwindigkeitszüge fehlen.

Ein französisches Start-up will das ändern und den Transport innerhalb Europas revolutionieren. „Midnight Trains“ bietet Schlafwagen an, in denen man wie in einem Boutique-Hotel nächtigen soll. Luxus auf Bahnschienen – auch Privatsuiten mit eigenem Bad, Zimmerservice und Cocktails soll es in den Nachtzügen geben.

Wie sollen die Nachtzüge der „Midnight Trains“ aussehen?

Die Idee dazu stammt aus den Köpfen von Adrien Aumont und Romain Payet. Vielen werden bei der Beschreibung der „Midnight Trains“ Bilder des berühmten Orient-Express im Kopf haben. Ein Nachtzug, der im 19. Jahrhundert Reisende von Paris nach Istanbul brachte und zuletzt auch wegen des 2017 erschienenen Film „Mord im Orient-Express“ wieder in Erinnerung gerufen wurde. Mit dem Orient-Express aber sollten die „Midnight Trains“ nicht verglichen werden. Denn während im Nachtzug auf der Strecke Paris-Istanbul Kronleuchter von der Decke baumelten und nur die Wohlhabendsten einsteigen konnten, soll die französische Variante modern daherkommen und für alle erschwinglich sein. „Wir wollen keinen Luxus schaffen“, sagt CEO Romain Payet im TRAVELBOOK-Interview.

Um die Menschen vom Fliegen abzuhalten, so Payet, müsse einfach ein neuer Maßstab für Nachtzüge her. So ist in den Nachtzügen der „Midnight Trains“ etwa eine Bar mit Craft-Bier und Weinen geplant. Serviert wird im Restaurant, in der Bar oder im Abteil. Auch ein Concierge-Service, der über eine App gesteuert wird, sollen Gäste erwarten dürfen. Für Unterhaltung ist ein On-Demand Videoservice geplant.

Die Kabinen werden so gestaltet, dass sie sowohl für einzelne Reisende, Paare, Familien und größere Gruppen geeignet sind. CEO Romain Payet erzählt im TRAVELBOOK-Interview, was die „Midnight Trains“ so besonders macht: „Wir wollen einen neuen Standard für Schlafwagen schaffen. Wir glauben, dass einfache Schlafwagen mit drei Hauptproblemen konfrontiert sind: mangelnde Privatsphäre, wenn Sie ein Abteil mit Fremden teilen, schlechte Catering-Services, während die meisten Reisenden planen, an Bord zu Abend zu essen, und wenige digitale Dienste, um das Erlebnis zu verbessern. Mit unseren „Hotels auf Schienen“ wollen wir diese Probleme lösen.“

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Welche Städte sollen von den Nachtzügen angefahren werden?

Die Nachtzüge von „Midnight Trains“ starten alle in Paris und sollen von dort aus ganz Europa anfahren. Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Budapest, Prag, Wien, Rom, Florenz, Venedig, Mailand, Madrid, Porto und Lissabon stehen auf der Liste der Gründer. 2024 könnte es so weit sein, so der Plan von Romain Payet und Adrien Aumont. Dann wollen sie eine erste Strecke mit zwei Schlafwagenzügen betreiben. Welche es sein wird, ist noch nicht klar, der Startpunkt aber schon: Paris. Von dort dürfte es nach Italien oder Spanien gehen. 2030 sollen dann vier weitere Strecken eröffnet werden. Details zu Ticketpreisen gibt es allerdings noch nicht, auch über Abfahrtszeiten ist noch nichts bekannt.

Tickets für „Midnight Trains“ wohl auf ähnlichem Niveau wie Flugpreise

Allzu teuer dürften Tickets für die neuen Nachtzüge aber nicht werden. Um die Menschen wirklich vom Fliegen abzuhalten, sollten die Preise der „Midnight Trains“ konkurrenzfähig mit denen der Fluglinien sein, erzählt und CEO Payet im Gespräch. Außerdem, so Payet, verstecken sich beim Fliegen immer auch zusätzliche Kosten wie Fahrten zum und vom Flughafen, Übernachtungen, Extrakosten für Gepäck – all das soll bei den „Midnight Trains“ wegfallen.

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