Ausnahmezustand in der Hansestadt

Schadet die Sperrzone dem Hamburg-Tourismus?

Anfang Januar wurden zentrale Gebiete Hamburgs zur Sperrzone erklärt, in denen auch Touristen damit rechnen müssen, ohne Grund von der Polizei kontrolliert zu werden. Die Amerikanische Botschaft warnt seit Tagen vor Reisen nach Hamburg, der Branchenverband Dehoga fürchtet einen Einbruch im Tourismus. Wie schlimm ist der Imageschaden für die Hansestadt?

Seit 2005 darf die Hamburger Polizei sogenannte Gefahrengebiete definieren und dort sämtliche Passanten „kurzfristig anhalten, befragen, ihre Identität feststellen und mitgeführte Sachen in Augenschein nehmen“. Und zwar ohne einen konkreten Verdacht. Vierzig solcher Gefahrengebiete hat die Polizei seitdem eingerichtet: meist nur für einige Stunden (etwa bei Fußballspielen oder Demonstrationen), einige auch auf Dauer (zum Beispiel in den Stadtteilen St. Georg und St. Pauli, um Drogen- und Gewaltkriminalität entgegenzuwirken).

Anfang des Jahres wurde nun ein weiteres geschaffen, das allerdings selbst zur Gefahr werden könnte: nämlich für das Image der Stadt.

Nach der Straßenschlacht am 21. Dezember, die sich aus den Protesten gegen die Schließung des Kulturzentrums Rote Flora entwickelt hatten, wurden am 4. Januar größere Gebiete in den Stadtteilen Altona, St. Pauli und Sternschanze zum Gefahrengebiet. Am ersten Wochenende kontrollierten 200 Polizisten große Teile der Innenstadt, prüften 400 Personen und sprachen 90 Aufenthaltsverbote aus.

Polizeiaufmarsch vor dem Kulturzentrum Rote Flora bei der Demonstration am 21. Dezember 2013.

Foto: dpa Picture Alliance

Das Vorgehen der Polizei sorgte für Kritik im ganzen Land. Hamburger, die sich in ihrer Freiheit beschränkt fühlten, unterschrieben Petitionen, gingen auf die Straße und lieferten sich demonstrativ Kissenschlachten. Die US-amerikanische Botschaft warnte per E-Mail Reisende nach Hamburg. Und der Branchenverband Dehoga fürchtet einen Imageschaden der Stadt. Touristen, so glaubt der Verband der Hoteliers, blieben Hamburg fern.

Dass die Polizei die Gefahrenzone am Donnerstag reduzierte – nämlich in verschiedene kleinere Gebiete, die man euphemistisch „Inseln” nennt – hilft da wohl wenig. Denn nach wie vor ist die Polizei präsent, die Gefahr nicht gebannt, müssen Touristen mit Taschenkontrollen rechnen oder damit, in eine Demonstration zu geraten.

Nicht ohne Klobürste vor die Tür

Dabei ist der Tourismus in Hamburg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Für 2014 hat die Tourismus-Zentrale mindestens 12 Millionen Übernachtungen in der Stadt prognostiziert. Für 2013 rechnete sie mit dem Rekordwert von rund 11,5 Millionen Übernachtungen, abschließende Zahlen liegen noch nicht vor. Bis Ende Oktober 2013 buchten ausländische Gäste rund ein Fünftel der Übernachtungen in der Hansestadt.

Ob die Krawalle und das Polizeiverhalten dem Tourismus tatsächlich langfristig schaden, darf allerdings bezweifelt werden. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Denn die Hamburger haben ihre ganz eigene Art gefunden, mit den Restriktionen umzugehen – und dabei viel Humor bewiesen. So gehen zum Beispiel viele Leute nicht mehr ohne Klobürste aus dem Haus, nachdem eine solche bei einem Passanten von Polizisten konfisziert wurde. „Das Klo zur Welt“ nennen die Hamburger in Anlehnung an den alten Werbespruch nun auch gern mal ihre Stadt.

Und um das Image der Hansestadt ist es ohnehin nicht mehr so gut bestellt – zumindest, seitdem der Neubau der Elbphilharmonie regelmäßig für Schlagzeilen und Witzsalven sorgt. Allerdings: Dem Tourismus schadet das nicht. Vielmehr ist die millionenschwere Dauerbaustelle inzwischen eine Sehenswürdigkeit, die jeder Hamburg-Besucher gesehen haben muss. Und wer weiß, vielleicht kommt der eine oder andere sogar nur deswegen her?


dpa/jes

Hinweise für Hamburg-Touristen

Derzeit reduziert sich das Gefahrengebiet um Bereiche rund um drei Polizeiwachen. Dort wird zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens kontrolliert, das heißt: Hier müssen Passanten damit rechnen, dass sie ohne konkreten Anlass von Polizisten kontrolliert werden, dass ihre Taschen durchsucht werden oder ihren Ausweis vorzeigen müssen. (Stand: 9.1.2014)

Die Gefahrengebiete werden rund um die Davidwache an der Reeperbahn, die Wache in der Mörkenstraße in Altona und die Wache in der Lerchenstraße auf St. Pauli aufrechterhalten.

Umfeld des Polizeikommissariates 15 (Davidwache):

  • nördliche Begrenzung
    Simon-von-Utrecht-Straße, Budapester Straße
  • östliche Begrenzung
    Millerntorplatz, Zirkusweg
  • südliche Begrenzung
    Bernhard-Nocht-Straße
  • westliche Begrenzung
    Balduinstraße, Silbersackstraße,  Talstraße

    Umfeld des Polizeikommissariates 16:

  • nördliche Begrenzung
    Max-Brauer-Allee
  • östliche Begrenzung
    Schulterblatt, Neuer Pferdemarkt, Budapester Straße
  • südliche Begrenzung
    Paulinenstraße, Paulinenplatz, Gilbertstraße
  • westliche Begrenzung
    Scheplerstraße, Wohlers Allee

    Umfeld des Polizeikommissariates 21:

  • nördliche Begrenzung
    Ehrenbergstraße, Jessenstraße, Louise-Schröder-Straße
  • östliche Begrenzung
    Holstenstraße
  • südliche Begrenzung
    Königstraße, Alte Königstraße, Klopstockstraße
  • westliche Begrenzung
    Betty-Levi-Passage, Museumsstraße


Aktuelle Informationen über die Gefahrengebiete gibt die Hamburger Polizei auf ihrer Internetseite.

Travel-Tipps von

Travel-Tipps von

Restaurants in Hamburg

Reise planen

  1. Hotel
  2. Mietwagen
  3. Bahn
  • Hotelsuche
    powered by
    Hotel-Suche
    Reisetermin
    Formular absenden
  • Suche Mietwagen
    powered by
    Mietwagen-Suche
    Abholort
    Rückgabeort
    Abholdatum
    Rückgabedatum
    Formular absenden Weitere Optionen
  • Suche Bahn
    powered by
    Bahn-Suche
    Von
    Nach
    Hinfahrt
    Rückfahrt
    Formular absenden Weitere Optionen