Ähm, kurze Frage…

Ist es schlimm, in den Badesee zu pinkeln?

An heißen Tagen zieht es Tausende an Deutschlands Seen. Aber längst nicht an allen Badestellen gibt es öffentliche Toiletten. Was also tun, wenn man mal muss? Einfach in den See pinkeln? TRAVELBOOK hat einen Experten gefragt, ob das schlimm ist. Außerdem: Warum man nicht in einen Pool, aber unbedingt ins Meer urinieren sollte.

Am auffälligsten sind die eigentlich Wasserscheuen. Die, die sich sonst kaum einen Meter vom Ufer wegtrauen. Aber wenn die Blase drückt, werden sie mutig: Dann gehen sie gerade so tief ins Wasser, dass die Badehose bedeckt ist, schauen sich verstohlen nach allen Seiten um – und bekommen schließlich einen Gesichtsausdruck, der sie eindeutig verrät: Sie lächeln erleichtert. Andere wiederum schwimmen möglichst weit raus oder suchen sich ein unbeobachtetes Plätzchen in der nächsten Bucht, um ihr kleines Geschäft zu verrichten.

Klammheimlich in den Badesee gepinkelt hat wohl so ziemlich jeder schon mal, auch wenn es niemand offen zugibt. Es ist aber auch zu verlockend, sich in den Weiten des Sees entleeren zu können, wenn gerade sonst kein Klo in der Nähe ist – oder zumindest dichtes Gebüsch oder Bäume. Nur: Ist es eigentlich schlimm, in den Badesee zu pinkeln? Schadet man damit dem Gewässer oder den anderen Badegästen?

Je größer der See, desto harmloser ist es

„Alles, was dazu beiträgt, in den See Nährstoffe einzutragen, sollte man vermeiden“, sagt Matthias Oloew, Pressesprecher der Berliner Bäder-Betriebe, auf Nachfrage von TRAVELBOOK. Denn durch den Harnstoff, das Hauptabfallprodukt unseres Urins, würden Algen ernährt. „Die sind zwar harmlos, manche Besucher finden das allerdings nicht sonderlich ästhetisch“, sagt Oloew. Generell gilt: je größer der See, desto harmloser der Eintrag von Urin ins Wasser. „Der Wannsee etwa ist groß, wenn da nun ein paar Hundert Menschen reinmachen, ist das nicht so schlimm“, erklärt der Gewässer-Experte.

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Gerade in Jahren mit hohem Badeaufkommen, wie in diesem Jahr, sei der Beitrag des Algenwachstums durch Urin aber gerade in kleineren Seen nicht unerheblich, ergänzt Michael Häckl vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie. „Hierbei ist im Wesentlichen das Verhältnis von Gesamteintrag und Gewässergröße entscheidend.“ Einzig Fischer und Angler hätten vereinzelt Interesse an höheren Nährstoff-Gehalten, da damit schneller eine höhere Fischmasse produziert werden könne. „Im Sinne des Naturschutzes und auch der Badegäste ist dies jedoch in keinem Fall von Vorteil“, sagt der Gewässerökologie-Experte.

Der Große Wannsee ist zudem eigentlich eine Bucht der Havel und wird von deren Wasser durchströmt. „Hier wird der Urineintrag weiter getragen und verliert sich“, sagt Matthias Rehfeld-Klein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin. Vor allem bei kleineren Seen, die nicht durchströmt würden, sei der Eintrag von Urin durch die Badegäste aber durchaus relevant. „Der See hat keinen Abfluss, es werden die Nährstoffe sukzessive angereichert und es kommt zur Eutrophierung mit gravierenden ökologischen Folgen.“ Neben Phosphor im Urin würden auch Keime ins Wasser gelangen, die Verunreinigungen hervorrufen könnten und je nach Wasseraustausch und Badenutzungsintensität auch hygienisch relevant sein könnten.

Egal wie ein See nun beschaffen ist – Matthias Oloew von den Berlinern Bäder Betrieben hat zu dem Thema ein klares Statement: „Man sollte grundsätzlich nicht in den See pinkeln. Es gehört sich einfach nicht.“

Der Pool ist tabu

Chlor killt ja bekanntlich Bakterien. Dennoch sollte man in einem Pool nicht mal dran denken, seine Blase zu erleichtern. Nicht nur, weil es in dem vergleichsweise kleinen Becken einfach schlichtweg eklig für alle Mitbadenden ist, sondern auch, weil es unter Umständen gesundheitsschädliche Folgen haben kann. So haben US-Wissenschaftler im vergangenen Jahr im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ eine Studie veröffentlicht, wonach sich bei der Mischung von Chlor und Harnsäure sogenannte „flüchtige Desinfektionsnebenprodukte“ bilden können. Zu diesen Nebenprodukten zählt den Wissenschaftlern zufolge Trichloramin, welches die Atemwege schädigen und zu Reizungen der Augen und der Haut führen kann. Ebenfalls gebildet werde Chlorcyan, ein Stoff, der in der Vergangenheit auch als chemischer Kampfstoff verwendet wurde. Zwar sind die Mengen der unerwünschten Nebenprodukte sehr gering, ihren Weg in den Körper finden sie aber dennoch.

In Kinderbecken kann man davon ausgehen, dass auch Pippi im Wasser ist

Foto: Getty Images

Bitte unbedingt ins Meer pinkeln!

Während man sich also im Pool und idealerweise auch im See beherrschen sollte, darf im Meer nach Herzenslust gepinkelt werden. Eine Studie der American Chemical Society zeigt nämlich, dass die verschwindend kleinen Mengen menschlichen Urins den Ozeanen nichts anhaben können – und der im Harnstoff enthaltene Stickstoff sogar dem Wachstum der Wasserpflanzen zugute kommt. Was man zudem nicht vergessen sollte: Jedes noch so kleine Tier im Meer pinkelt ebenfalls tagtäglich in seinen Lebensraum. Ein Wal zum Beispiel lässt bis zu 970 Liter Urin ins Meer ab – und das jeden Tag! „Wenn dadurch also kein Schaden angerichtet wird, dann richten Sie erst recht keinen an“, heißt es einem Video, das die  American Chemical Society zu dem Thema veröffentlicht hat.

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