Airline fliegt 55-km-Strecke von Wien nach Bratislava

Ist das der überflüssigste Flug Europas?

Der Bus ist schneller, günstiger, unkomplizierter – trotzdem bietet die österreichische Airline Fly Niki nun einen Flug zwischen Wien und Bratislava an. Warum, fragt man sich? Es gibt tatsächlich einen Grund.

Zunächst einmal hört es sich ganz gut an: ein Flug, der zwei Hauptstädte miteinander verbindet – und das in gerade mal 25 Minuten. Doch bei Bratislava in der Slowakei und Wien in Österreich handelt es sich um zwei Hauptstädte, die so nah beieinander liegen wie keine anderen in Europa. Gerade mal 55 Kilometer Luftlinie trennen die beiden Metropolen, was eine Luftverbindung um so überflüssiger macht.

Ab dem 1. April jedoch, so berichtet der österreichische Sender ORF, bietet die Air-Berlin-Tochter-Airline Fly Niki diese Strecke an. Und was klingt wie ein verfrühter Aprilscherz, ist durchaus ernst gemeint: Auf der Website der Fluglinie lässt sich der Flug tatsächlich buchen. Am 1. April von Wien nach Bratislava und tags darauf zurück kostet rund 80 Euro (Stand: 7. Januar).

80,30 Euro kostet der Flug von Wien nach Bratislava und zurück

Foto: Fly Niki

„Es ist der kürzeste Linienflug zwischen zwei Ländern“, schreibt denn auch ORF auf seiner Website und nennt Details: So müssten Passagiere während des gesamten 25-minütigen Flugs angeschnallt bleiben, und Toilettenbesuche seien nur auf eigene Gefahr erlaubt.

Von einer wirklichen Reiseflughöhe kann man angesichts der kurzen Strecke kaum sprechen, aber es gibt sie: 1500 Meter. Zum Vergleich: Auf längeren Flügen liegt die Flughöhe normalerweise bei um die 10.000 bis 12.000 Meter.

Bus braucht nur 1 Stunde und kostet 12 Euro

Allerdings fragt man sich schon, warum eine Airline überhaupt einen solchen Linienflug anbietet. Schließlich dauert die Reise mit dem Bus (oder Auto) gerade mal rund eine Stunde. Die Flugvariante ist, addiert man An- und Abreise zum Airport, Boardingzeit und Flugdauer, immer die schlechtere, wie ein recht optimistisch gerechnetes Beispiel zeigt, bei dem eine Reise von Wien Zentrum nach Bratislava Zentrum angenommen wird:

Die Fahrt von Wien Zentrum zum Flughafen dauert mit dem City Airport Train (CAT) 16 Minuten. Angenommen, man reist ohne Gepäck und hat vorher bereits online eingecheckt, so könnte es unter Umständen reichen, 30 Minuten vorher am Gate zu sein. Hinzu kommt der 25-minütige Flug, ein mit circa 5 Minuten bereits sehr sportlich bemessener Ausstieg aus dem Flugzeug und die etwa 25-minütige Reise ins Zentrum von Bratislava. Insgesamt würde die Reise netto 101 Minuten dauern.

Wien ist natürlich immer einen Besuch wert. Aber muss man von Bratislava dafür die 50 Kilometer fliegen?

Foto: Getty Images

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Neben der Reisezeit spricht auch der Preis gegen eine solche Verbindung. Rund 80 Euro (Hin- und Rückflug) stehen hier 12 Euro für eine Busfahrt (inkl. Retour) mit zum Beispiel Eurolines gegenüber.

Warum also dieser Flug, wenn fast alle Argumente dagegen sprechen? Der Flug „sei interessant für die 150.000 slowakischen Passagiere, die auf dem Flughafen Wien-Schwechat jährlich abgefertigt werden“, schreibt der ORF unter Berufung auf die Airline . Die Passagiere könnten nun mit dem Flugzeug in Wien ankommen und einfach umsteigen.

Auf TRAVELBOOK-Anfrage erklärt Aage Dünhaupt, Leiter Kommunikation bei Air Berlin, Niki wolle zukünftig die Strecke Bratislava-Brüssel bedienen. Da die Maschine für diese Verbindung jedoch in Wien geparkt sei, finde ein sogenannter Ferry Flight, ein Überführungsflug, der Maschine statt, der normalerweise ohne Passagiere stattfinden würde. „Niki hat sich entschlossen, den Kunden diesen Flug anzubieten.“ Dies würde die Kosten für die Überstellung der Maschine senken. Ein großes Passagier-Volumen erwarte man jedoch nicht.

Großes Interesse an Direktverbindung Bratislava – Brüssel

Hintergrund sei, dass die Slowakei 2016 die EU-Ratspräsidentschaft übernehme und es daher ein verstärktes Interesse daran gebe, eine direkte Verbindung zwischen Brüssel und Bratislava anzubieten. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Slowakei Staatsgäste am liebsten auf dem landeseigenen Airport empfangen möchte. Warum man die Niki-Maschine aber dann nicht direkt in Bratislava parke? Weil sich das bislang noch nicht rechne, erklärt Dünhaupt.

Einem Bericht der österreichischen Zeitung „Kurier“ zufolge möchte der Flughafen Bratislava  zukünftig stärker als Drehkreuz in Europa fungieren. Neben Niki, die von Bratislava ab April auch Palma de Mallorca anfliegen wird, zeigt auch Ryanair ein verstärktes Interesse an dem slowakischen Airport und kündigte im Herbst an, ihn als Basis für Europastrecken zu nutzen und dafür vor Ort zwei Flugzeuge zu stationieren.

Der Flughafen Bratislava

Foto: Getty Images

Es gibt in Europa durchaus auch andere Linienflüge auf kurzen Strecken. So bietet Luxair etwa die 80-Kilometer-Strecke zwischen Luxemburg und Saarbrücken an. Der Bus braucht hier gerade mal etwa 75 Minuten.

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