Zum Schlafen, Ausstrecken, Kuscheln...

Wie man im Flugzeug den besten Platz findet

Der eine möchte im Flugzeug am liebsten ungestört lesen und die Aussicht genießen, der andere braucht maximale Beinfreiheit. Menschen mit Flugangst wollen wiederum nur eines: das Gefühl maximal Sicherheit haben. Für jedes Bedürfnis gibt es im Flugzeug einen geeigneten Platz. Doch wie findet man den? Mit gesundem Menschenverstand – und ein paar kleinen Tricks.

Lieber vorne sitzen oder ganz hinten, am Gang oder am Fenster? Wer einen Flug bucht, kann seinen Sitzplatz meist selbst wählen. Und wie bei Hotels oder Airlines gibt es mittlerweile auch für Sitzplätze im Flugzeug spezielle Webseiten, auf denen sich Passagiere austauschen und ihren Platz bewerten können. So können Reisende checken, wie der jeweilige Platz von der Community bewertet wird.

Die an das Reiseportal Tripadvisor angeschlossene Seite Seatguru, die auch auf TRAVELBOOK eingebunden ist, zeigt zum Beispiel in Grün gute und in Rot schlechte Sitze an – und zudem, wo Bordküche, Toiletten, Kleiderschränke, Babykörbchen und teurere Premiumsitze zu finden sind. Ähnlich gehen Seiten wie Seatexpert, Seatmaestro und Skytrax vor. Alles, was der Passagier tun muss, ist Fluggesellschaft, -nummer und -datum angeben. Anhand der Angaben wird die Maschine identifiziert, ein Plan zeigt an, welche Plätze gut bzw. schlecht bewertet sind.

Zwar sind solche Bewertungen hilfreich, dennoch hängt die Beurteilung eines Sitzplatzes nicht zuletzt auch davon ab, welche Erwartungen man an seinen Flug hat: Für Passagiere mit Flugangst ist es oft schon hilfreich zu wissen, wo man im Flieger wenig Geräusche hört – oder wo es vermeintlich am sichersten ist.

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Der unbeliebteste Platz

Das dürfte verschiedenen Airlines zufolge der Mittelsitz bzw. die Sitze in einer Dreier- oder Viererreihe sein. Wer hier neben einem schlafenden Nachbarn sitzt, läuft nach erfolglosen Weckversuchen Gefahr, über diesen hinweg in den Gang klettern zu müssen, um etwa zur Toilette zu gelangen oder sich die Beine zu vertreten. Vom Streit um die Armlehne und einer geeigneten Schlafposition mal ganz abgesehen. Doppelt schlimm haben es da Eltern mit Kleinkindern: Sie müssen die Turnübungen des Nachwuchses auf den eigenen Raum beschränken. Und das notorische Genervtsein des Sitznachbarn ertragen. In beiden Fällen bedeutet das: Der Flug ist anstrengend – und eine eigene Sitzreihe für sich und Anhang wäre wesentlich komfortabler.

Es gibt übrigens tatsächlich einen konkreten Platz, der am unbeliebtesten ist. Ermittelt hat ihn die Airline Easyjet mit einer Umfrage und dem Vergleich mit den tatsächlichen Verkaufszahlen. In den Easyjet-Maschinen (Airbus-Modelle 319 und 320, zwischen 26 und 31 Sitzreihen) ist der am wenigsten attraktive Platz der Gangplatz im hinteren Drittel: 19C.

Die unbeliebtesten Sitzplätze sind die mittleren in einer Dreier- oder Viererreihe

Foto: Getty Images

der beliebteste Platz

Laut der Easyjet-Untersuchung ist der angesagteste Platz im Airbus 319 und 320 die Nummer 7F. Er liegt im vorderen ruhigen Drittel des Fliegers am Fenster, nahe genug am Ausstieg, den Toiletten und der Bordküche, um optimal versorgt zu sein und den Flieger flink verlassen zu können.

Und wie sieht es bei anderen Airlines aus? Die Fluggäste von Germanwings sitzen gern „am Notausgang und in den ersten zehn bis zwölf Reihen, da sie dort die meiste Beinfreiheit haben“, verrät Pressesprecherin Gaby Drawe auf TRAVELBOOK-Anfrage. Lufthansa-Passagiere buchen bzw. reservieren am liebsten möglichst weit vorn im Flieger, aber auch am Gang oder Fenster, so Pressesprecher Klaus Gorny zu TRAVELBOOK. Doch da gibt es Unterschiede: „Menschen, die häufig fliegen, sitzen lieber am Gang, um sich unter anderem die Beine vertreten zu können. Menschen, die nicht so häufig fliegen, nehmen eher den Fensterplatz, um hinausschauen und das Geschehen vor dem Start beobachten zu können“, erläutert Gorny.

Der (vermeintlich) sicherste Platz

Eines vorweg: Den sichersten Sitzplatz im Flugzeug gibt es nicht. Allenfalls kann man von Plätzen sprechen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, tödlich zu verunglücken, geringer ist als bei anderen. Markus Wahl, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit und seit 13 Jahren Pilot, erklärte auf Nachfrage von TRAVELBOOK, es hänge von der Situation ab, wo der sicherste Platz im Flugzeug sei. „Im Falle eines Absturzes besagen Statistiken, dass es im hinteren Teil des Fliegers am sichersten ist, da dieser im Falle eines Crashs meist in einem ganzen Stück bleibt.“ Das sei, so Wahl, auch auch einer der Gründe dafür, „warum die Blackbox im hinteren Teil untergebracht ist“.

Anders verhält es sich im Fall einer Notlandung, dann sei der Platz direkt am Notausgang der beste, erklärt Markus Wahl. Und zwar „einfach deshalb, weil man darüber das Flugzeug am schnellsten verlassen kann“. Hinzu komme, dass „durch die Bruchlandung einzelne Koffer aus den Gepäckablagen fallen können, und diese die Gänge womöglich verstopfen“.

Die Einschätzung deckt sich teils mit einer Untersuchung der Universität Greenwich, die mehr als 100 Unfälle überprüfte und zu dem Ergebnis kam, dass der Sitz am Gang vorn neben dem Notausgang mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 65 Prozent der sicherste sei.

Auch Sicherheit ist Definitionssache, denn bei manchen Ernstfällen gilt es, schnell aus dem Flugzeug zu gelangen. Und das kann unter Umständen am ehesten ein Platz in der Nähe eines Notausgangs gewährleisten

Foto: Getty Images

Der ruhigste Platz

Laut „Skytrax“ hat man im vorderen Teil der Economy Class, also vor den Triebwerken, am wenigsten Maschinengeräusche zu erwarten, wohingegen Passagiere im hinteren Teil am meisten Triebwerkslärm ausgesetzt sind.

Allerdings gibt es natürlich noch mehr Geräuschquellen an Bord: etwa die Flugzeugküche, Toiletten oder schreiende Babys. Wer also ein Nickerchen im Flugzeug plant oder einfach nur seine Ruhe haben möchte, der sollte auf den oben genannten Seiten checken, wo Bordküche und -Klos zu finden sind – und wo in den Kabinen die Kinderkörbchen befestigt werden. Plätze in der Nähe zu solchen Lärmquellen sind bei Seatguru & Co. ohnehin meist rot markiert.

Einer der besten Plätze für Passagiere, die schlafen wollen, ist der am Fenster – sofern er weit genug von Bordküche und Toilette entfernt ist

Foto: Getty Images

Der bequemste Platz

Auch beim Komfort hat jeder Passagier eigene Vorstellungen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Wer beim Schlafen gern seinen Kopf anlehnt, dem ist ein Fensterplatz zu empfehlen. Wer groß ist, sollte eher den Gangplatz wählen, da er seine Beine hier ausstrecken kann. Letztlich ist vielen Reisenden die Beinfreiheit am wichtigsten. Auf Seiten wie Seatexpert sind Plätze mit Extra-Raum im Beinbereich mit leuchtendem Grün gekennzeichnet. Sie liegen oft hinter den Notausgängen oder der Business Class. Allerdings kann auch ein solcher Platz Nachteile haben: Zusätzliches Gepäck kann oft nicht unter dem Vordersitz verstaut werden. Und in diesem Bereich können sich manchmal auch die Haltevorrichtungen für Babykörbe befinden, was wiederum Lärm bedeutet.

Der Pärchenplatz

Viele Paare nutzen einen Trick, um eine Dreierreihe für sich allein zu haben: Sie buchen im hinteren Teil der Maschine die beiden äußeren Plätze. Ist das Flugzeug nicht voll besetzt, genießt das Pärchen eine ungestörte Flugzeit. Funktioniert der Trick nicht und füllt ein Dritter die Reihe auf, ist dieser möglicherweise zu einem Platztausch bereit.

Der Platz mit der besten Aussicht

Klar, am Fenster, denken viele. Doch nicht jeder Platz garantiert den uneingeschränkten Blick nach draußen. Denn an den Tragflächen ist die Sicht eingeschränkt, auf der linken Seite einer Maschine sind die Fenster oft versetzt angeordnet, und an ganz bestimmten Plätzen gibt es überhaupt keinen Ausblick. Ergo: Am besten Fensterplatz auf der rechten Seite buchen und auf Sitzplatz-Bewertungsseiten prüfen, ob es hier Einschränkungen gibt. Außerdem ratsam: die Tageszeit und Flugrichtung in die Buchungsüberlegungen einbeziehen. Je nachdem, auf welcher Seite die Sonne aufgeht, können grelle Sonnenstrahlen den Ausblick stören und Sie veranlassen, die Rollos herunter zu ziehen.

Der beste Platz für Hungrige

Wer seinen Sitzplatz weit vorn oder hinten bucht, hat beste Chancen, sein Essen schneller zu bekommen und noch aus der Bandbreite des Angebots wählen zu können. Denn zumeist startet die Menüausgabe an den äußeren Enden. Am schnellsten bekommt sein Essen jedoch, wer im Voraus Sondergerichte (zum Beispiel laktose- oder glutenfrei) bestellt.

Viele dieser Kriterien fließen ganz individuell nach den Ansprüchen und Vorlieben eines Buchenden in seine Sitzplatzwahl ein. Allgemein kann man festhalten: Die Fenster- und Gangplätze auf der rechten Seite in den ersten Reihen eines Flugzeugs sind generell empfehlenswert. Sie liegen vor den Triebwerken und sind ruhig, bieten im Gang Beinfreiheit und am Fenster Ruhe. Zudem profitiert von einer in der Nähe gelegenen Küche schnell von der ganzen Bandbreite der Bordverpflegung. Ein weiterer Vorteil: Man kann das Flugzeug schnell verlassen – auch in einem Ernstfall –, statt sich lange für den Ausstieg anstellen zu müssen.

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