Bademäntel, Handtücher, Kosmetik

Das passiert, wenn man im Hotel was mitgehen lässt

Mal ehrlich: Fast jeder von uns hat im Hotel doch schon mal ein Handtuch stibitzt oder kennt zumindest jemanden, der damit kein Problem hat. Aber wussten Sie, dass Sie eigentlich nicht mal die Hygieneartikel aus dem Hotelbad mitnehmen dürften? TRAVELBOOK verrät, was erlaubt ist – und wofür man Sie des Diebstahls bezichtigen kann.

Handtücher und Bademäntel sind mit Abstand die am meisten geklauten Gegenstände in Hotels. Das hat eine Umfrage des Wellness-Guides „Wellness Heaven“ unter mehr als 700 Hoteliers ergeben. Danach folgen Kleiderbügel, Stifte, Besteck und Kosmetik. Erschreckend: Manche Gäste sind sogar so dreist, dass sie ganze TV-Geräte, Klaviere, Musikanlagen und Geschirr-Service aus dem Zimmer schleppen.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) schätzt, dass den Betreibern durch den Diebstahl ein Schaden in Millionenhöhe entsteht. „Gestohlen wurde wohl schon so ziemlich alles, von duftenden Seifen, exklusiven Shampoos, bequemen Hausschuhen, über Kissen und Bettwäsche bis hin zum Toilettensitz und Fernseher, Lampen und Pflanzen, Wandgemälden oder Glühbirnen“, sagt IHA-Sprecher Christopher Lück zu TRAVELBOOK.

Dass zum Diebesgut immer wertvollere Gegenstände aus dem Hotelzimmer gehören, zeigen auch die Aussagen der Manager mehrerer großer Hotelketten wie Marriott, Hyatt, Novotel, Mövenpick und Ramada, die jetzt in der „Economic Times“ veröffentlicht wurden. Im Ramada Powai Hotel in Mumbai etwa waren nach der Abreise eines Gastes vier Kissen, ein Ölgemälde und ein Besteckset verschwunden. In einem Marriott Hotel, ebenfalls in Indien, fehlten vier Bügeleisen, sechs Haartrockner und zwei Wasserkocher in Zimmern, die für eine Konferenz gebucht worden waren. In beiden Fällen waren die Diebe längst über alle Berge.

Und nicht nur immer Wertvolleres wird entwendet, auch die Häufigkeit der Diebstähle nimmt offenbar zu, wie die Umfrage der „Economic Times“ zeigt. Zwei der für die Studie befragten Hoteliers gaben sogar an, dass im Durchschnitt 30 bis 35 Prozent der Gegenstände in Hotelzimmern gestohlen würden, im Vergleich zu 10 bis 15 Prozent im Vorjahr. 

Darf ich überhaupt etwas mitnehmen?

„Genau genommen darf man aus dem Hotelzimmer gar nichts mitnehmen“, sagt Christopher Lück, Sprecher des Hotelverbands Deutschland (IHA). Selbst Kleinigkeiten wie Seifen, Shampoos und Cremes gehören laut IHA zur Hotelausstattung und sind zur Benutzung während des Aufenthaltes vorgesehen – nicht als kostenlose Souvenirs. „Fakt ist: Hoteldiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung“, betont der IHA-Sprecher.

Die meisten Hotels unterscheiden zwischen Gebrauchsartikeln und Gegenständen, die zum Hotelbetrieb gehören. „Kugelschreiber, Notizblock, Bade-Amenities und auch die Badeschuhe sind Dinge, die der Gast mitnehmen kann“, sagt Anne Heußner, die mit ihrer PR-Agentur Primo viele Hotels an der Nord- und Ostseeküste betreut. Der IHA empfiehlt allerdings, auch bei diesen Gegenständen besser vorher nachzufragen, ob sie zum Mitnehmen gedacht sind.

„Gegenstände des Hotelbetriebs wie zum Beispiel Handtücher, Bademäntel, Bettwäsche, Fernseher oder Fernbedienungen sind dagegen selbstverständlich nie zur Mitnahme durch den Gast gedacht. Packt er sie dennoch ein, macht er sich in der Regel des Diebstahls strafbar“, sagt Hotelverbandssprecher Christopher Lück.

Diebstahl schwierig nachzuweisen

Bei Handtüchern und Bademänteln drücken viele Hoteliers in der Regel noch ein Auge zu. Gerade in Wellnesshotels, wo zusätzliche Handtücher und Bademäntel im Spa-Bereich ausgegeben werden, ist die Lage ohnehin unübersichtlich. So nehmen manche Gäste die Spa-Handtücher mit aufs Zimmer, andere lassen sie im Wellnessbereich zurück oder nutzen auf Nachfrage noch ein zweites.

Im Nachhinein lässt sich also kaum noch feststellen, durch wen und wann genau ein Gegenstand tatsächlich entwendet wurde. Auch lassen etwa viele Gäste beim Check-out die Zimmertür offen stehen, sodass bis zur nächsten Kontrolle jederzeit jemand das Zimmer betreten und etwas herausnehmen könnte. „Die Frage ist: Wer war es wirklich? Wie wollen Sie beweisen, ob der Gast es wirklich war?“, sagt der Sprecher eines großen deutschen Hotelunternehmens, das nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit TRAVELBOOK. Früher habe man den einen oder anderen Gast noch angeschrieben, wenn etwas fehlte. „Aber der Aufwand lohnt sich nicht.“

Und es gibt noch einen Grund, warum Langfinger oft verschont bleiben: „Meistens drücken die Hoteliers beide Augen zu, sie möchten ja, dass der Gast wiederkommt“, sagt Primo-Geschäftsführerin Anne Heußner. Generell habe sich aber gezeigt: „Je kleiner das Hotel, umso familiärer, umso weniger werden Gegenstände entwendet.“

Verschont bleiben jedoch auch die kleineren Hotels nicht, die ohnehin nur schwer die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebs gewährleisten können. Das regelmäßige Ersetzen von Bademänteln kann dann durchaus ein erheblicher Kostenfaktor sein. Folge: Viele Unterkünfte stellen sie ihren Gästen gar nicht mehr zur Verfügung.

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Keine Polizei

Wird ein Gast jedoch erwischt, oder man kann ihm die Mitnahme eines Gegenstands zweifelsfrei nachweisen, dann steht es dem Hotel frei, Anzeige zu erstatten. „Egal, was der Gast mitnimmt – im schlimmsten Fall betrachtet es ein Hotel als Diebstahl, wenn man, ohne zu fragen, einfach einpackt, was einem gefällt“, sagt IHA-Sprecher Lück. Zu einer Anzeige kommt es allerdings äußerst selten. Meist würden Fälle von Diebstahl eher diskret behandelt, wie Maximilian Bosse, Chef des Hotels Essener Hof, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ verriet. „Da wird nicht die Polizei gerufen, sondern ein Brief geschrieben mit dem Inhalt: Sie haben den Bademantel vermutlich irrtümlich eingesteckt und können ihn zurückschicken oder auch kaufen.“

Apropos kaufen: Um Langfingern vorzubeugen, bieten viele namhafte Hotels inzwischen die Möglichkeit, ihre Produkte käuflich zu erwerben, etwa im hoteleigenen Shop oder online.

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