Auf dem Gruselanwesen McKamey Manor

Die Horror-Tour, die noch niemand durchgestanden hat

Auf dem Gruselanwesen McKamey Manor in Südkalifornien werden schon seit 14 Jahren die krassesten Horrorfans an die Grenze des Erträglichen gebracht. Folter, Beklemmungsgefühl, Angstzustände – die Tour auf McKamey Manor zwingt jeden in die Knie, und sogar Verletzungen sind keine Seltenheit. Wir haben mit dem Gründer der zweifelhaften Attraktion gesprochen.

Von Louisa Wittek

Vor jeder Tour durch das Horror-Anwesen McKamey Manor weist der Besitzer Russ McKamey die angehenden Teilnehmer mehrfach eindringlich darauf hin, besser nicht teilzunehmen. Wer es dennoch wagen möchte, die vermutlich schlimmsten Stunden seines Lebens zu durchstehen, muss zuvor diverse Formulare unterzeichnen, die bestätigen, dass die Teilnahme freiwillig ist und man es akzeptiert, brutal angefasst zu werden. Auch eventuelle Knochenbrüche und andere Verletzungen nimmt man mit seiner Unterschrift ausdrücklich in Kauf.

Die Kandidaten müssen zudem in einer sehr guten körperlichen Verfassung sein. McKamey verlangt hierüber einen Nachweis in Form eines ärztlichen Schreibens über den gesundheitlichen und psychischen Zustand der Person – denn es gab schon mal einen Herzinfarkt. Ein Rettungssanitäter ist immer anwesend.

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Höllenjagd mit Folter-accessoires

Welches Grauen die Teilnehmer der „survival horror bootcamp experience“, frei übersetzt Überlebenscamp mit Horrorerfahrung, dann tatsächlich erwartet, wissen sie im Vorfeld nicht. Die Touren an der Grenze des Zumutbaren bestehen aus kleinen Gruppen von zwei bis drei Leuten und werden individuell von speziellen Schaustellern in Kostümen gestaltet, die den Teilnehmern die Stunden auf McKamey Manor zur Hölle machen.

Die Szenarien, durch die alle Teilnehmer durch müssen, gleichen einer Hetzjagd. Zu den Folter-Accessoires zählen Knebel, Seile, Särge und jede Menge Kunstblut. Besitzer Russ McKamey ist die gesamte Zeit über anwesend und filmt das grenzwertige Geschehen. Um sich einen Eindruck vom Kabinett des Grauens zu verschaffen, kann man sich bei Youtube Videos von den teilweise deutlich verstörten „Überlebenden“ ansehen.

Christina, eine Teilnehmerin, die sich das zweite Mal auf McKameys Anwesen wagte, antwortet auf die Frage, warum sie erneut bei der Horrortour mitmache: „Ich weiß es nicht. Vielleicht um meinen Körper noch weiter zu pushen als beim ersten Mal.“ Als sie daraufhin gefragt wird, ob sie glaubt, dies sei eine gute Idee, antwortet sie nur kurz: „vermutlich nicht“. Nach der Tour sieht man Christina mit abgeschnittenen Haaren, Kunstblut im Gesicht und kleineren und größeren Verletzungen an ihrem Körper. Ihr ganzer Leib zittert.

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Gefangen im eigenen Horrorfilm

„Ich glaube, ich habe alles schon gesehen – vom Banalen bis hin zum Extremen. Aber etwas wie McKamey Manor habe ich noch nie erlebt“, beschreibt Brady McDonald in der US-amerikanischen Tageszeitung „Los Angeles Times“ seine Erfahrung. „Das gesamte Szenario, obwohl offensichtlich gespielt, fühlt sich sehr real an. Und absolut nicht wie ein paar Typen in Halloween-Kostümen, die versuchen, dich zu gruseln.“

McKamey Manor: Inside America's most extreme haunted house from Guardian News & Media Ltd on Vimeo.

Ryan Lawrence, ein großer, tätowierter Bartträger, sagt in einem Video auf Vimeo: „Dein Verstand beginnt, dich auszutricksen. Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe: Ich kenne diese Leute überhaupt nicht. Da ist irgendein Kerl, den ich im Internet getroffen habe. Was ist, wenn er mich berechtigterweise umbringt?“ Weiter erzählt er, dass es kein Sicherheitswort gibt und damit auch keine Möglichkeit, sich aus dem Wahnsinn zu befreien. Lawrence zählt inzwischen selbst zu den Darstellern und foltert am Wochenende die Teilnehmer auf seine Weise.

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Drei Wege zu entkommen

McKamey erklärte auf Nachfrage von TRAVELBOOK, es habe noch niemanden gegeben, der die Tour vollständig beendet habe. Der Rekord liege aktuell bei sechs Stunden.

Das neueste Projekt: „The Chamber“ – und das soll noch mal um einiges härter sein. Länger als 15 Minuten hat es bis heute niemand dort ausgehalten. Unter anderem werden die Teilnehmer dort in einem fast vier Meter tief eingegrabenen Sarg gefangen und müssen sich dann selbst befreien. „Sobald du in Panik verfällst, haben wir dich“, so McKamey zu TRAVELBOOK. Ab dann gebe es keinen Weg zurück zu einem klaren Kopf.

Warum sich manche Menschen einen solchen Albtraum bewusst antun, ist kaum nachvollziehbar. Doch eine Faszination scheint das Anwesen auf viele auszuüben. Im vergangenen Jahr standen immerhin 27.000 Menschen auf der Warteliste für das Gruselkabinett. „Das sind Adrenalinjunkies, die nach einem besonderen Kick zu suchen“, sagt McKamey über seine Klientel. „Es ist aber heutzutage wirklich schwer, noch jemanden zu erschrecken und Emotionen hervorzurufen.“ Es gehe ihm deshalb darum, auf seinem Anwesen eine filmgleiche Erfahrung zu erschaffen und den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie ihren eignen Horrorfilm lebten.

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Kritiker werfen McKamey vor, verantwortungslos zu handeln

Doch das Projekt McKamey Manor hat, zurecht, auch viele Kritiker. Unter anderem gibt es bei Facebook eine Gruppe namens „The Truth about McKamey Manor“ (z. Dt.: Die Wahrheit über  McKamey Manor), die mehr als 3400 Likes hat und McKameys Gruselkabinett aufs schärfste kritisiert. Die Gruppe wirft dem Gründer unter anderem vor, dass die Schauspieler nicht gut genug ausgebildet seien, um etwa mit Menschen in Schocksituationen umzugehen oder einschätzen zu können, wann die Lunge des Teilnehmers bleibende Schäden davontrage, während sein Kopf unter Wasser gedrückt werde.

Als TRAVELBOOK McKamey nach den Kritikern fragt, antwortet seine lapidare Antwort: „Ich liebe die Kritiker.“ Sein Anwesen sei überhaupt erst wegen der Kritiker so berühmt geworden. Zudem habe er ihnen vielfach angeboten, mit ihm zu skypen oder zu telefonieren, um auf ihre Vorwürfe und Fragen einzugehen. Jedoch habe sich nie jemand bei ihm gemeldet.

Wer neugierig geworden ist und seinen persönlichen Horrorfilm erleben möchte, hat immer freitags und samstags die Chance dazu. Der Eintritt ist kostenlos – man muss lediglich einige Dosen Hundefutter mitbringen, das McKamey anschließend der Tierschutzorganisation Operation Greyhound spendet.

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