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Algarve und Azoren jetzt Risikogebiet

Corona-Lage in Portugal – alles zu Einreise, Maßnahmen, Inzidenzen

Algarve,Portugal
Die portugiesische Algarve gehört laut RKI jetzt wieder zu den Corona-Risikogebieten. Im Bild: Der Weg zum Praia da Bordeira.Foto: Getty Images

Im Januar stand das Gesundheitssystem des Landes kurz vor dem Kollaps, nun zählt Portugal zu den Ländern mit den niedrigsten Corona-Neuinfektionszahlen in Europa. Für kurze Zeit galt das gesamte portugiesische Festland laut Robert-Koch-Institut (RKI) nicht einmal mehr als Risikogebiet. Das änderte sich jetzt, zumindest für eine Region.

Aktuelles zur Corona-Lage in Portugal

Seit Wochen weist Portugal konstant niedrige Infektionsraten auf. Derzeit liegt die 7-Tagesinzidenz für das Land laut TRAVELBOOK-Berechnungen bei 35,31 und somit weit unter dem Niveau von Deutschland. Im Januar hatte der Wert in Portugal noch mehr als 800 betragen, in manchen Regionen überstieg er sogar die Schwelle von 1000. (Die 7-Tages-Inzidenzen der einzelnen Regionen finden Sie weiter unten.)

In der Folge hatte das RKI seine Einstufung angepasst und das gesamte portugiesische Festland von seiner Risikoliste gestrichen. Seit dem 19. April 2021 steht eine Region jedoch wieder darauf: die bei Touristen besonders beliebte Algarve im Süden des Landes. Hier liegt die Inzidenz aktuell bei 53,6 (Stand: 19. April 2021). Neben ihr stehen auch die Azoren jetzt wieder auf der Liste und auch die Inselgruppe Madeira bleibt weiter als Risikogebiet eingestuft. Damit besteht eine Warnung des Auswärtigen Amts (AA) vor Reisen in diese portugiesischen Regionen. Von nicht notwendigen Reisen in die anderen Landesteile wird abgeraten.

Trotz der vergleichsweise niedrigen Infektionsraten bleibt das Land vorsichtig, stiegen die Ansteckungen zuletzt wieder leicht. Der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen eine erkrankte Person im Schnitt ansteckt, überstieg die Schwelle von 1.

Gesundheitsnotstand in Portugal gilt weiterhin

Seit dem 15. Januar befindet sich Portugal in einem harten Lockdown. Über die Verlängerung des Gesundheitsnotstands wird alle 15 Tage entschieden. Der sogenannte „estado de emergência“ war bereits im Frühjahr ausgerufen worden. Seine Folgen für die Bürger und Urlauber sind wesentliche Einschränkungen und Pflichten. Zudem ermöglicht er es der Regierung, zahlreiche weitere Maßnahmen zu verhängen. Dazu zählen u. a. die Möglichkeit zur verpflichtenden Messung der Körpertemperatur, etwa bei der Arbeit, im Personenverkehr, in Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren, Sport- und kulturellen Einrichtungen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Corona-Tests verpflichtend zu machen und einzufordern (etwa bei der Ein- und Ausreise, in Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und Pflegeheimen sowie Gefängnissen).

Des Weiteren kann die Regierung für Maßnahmen notwendige Ressourcen aus dem privaten und sozialen Bereich anfordern sowie bestimmte Personengruppen aktivieren, um bei der Kontaktverfolgung zu unterstützen. Zum Beispiel Lehrer, die aktuell nicht für Unterricht eingesetzt werden, oder Soldaten.

Portugals Öffnungsschritte aus dem Lockdown

Am 11. März hatte die Regierung um Premierminister António Costa ihre Lockerungspläne vorgestellt. Diese sehen eine stufenweise Rücknahme der Beschränkungen vor.

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Seit dem 15. März gilt

  • Kindertagesstätten und Vorschulen sind wieder offen und Erstklässler können wieder an Präsenzunterricht teilnehmen
  • Der Handel kann Türverkauf anbieten
  • Buchhandlungen, Bibliotheken, Friseursalons, Nagelstudios und Autohändler dürfen wieder eröffnen

Seit dem 5. April gilt

  • Schüler der zweiten und dritten Jahrgangsstufe können am Präsenzunterricht teilnehmen
  • Läden bis zu 200 Quadratmetern haben wieder geöffnet
  • Erlaubnis von Wochenmärkten und Öffnung von Kunstgalerien mit vorheriger Genehmigung der Kommune
  • Öffnung von Museen
  • Sport mit niedrigem Infektionsrisiko ist in Gruppen von bis zu vier Personen wieder erlaubt
  • Fitnessstudios dürfen wieder eröffnen, Gruppenkurse bleiben untersagt

Seit dem 19. April gilt

  • Höhere Jahrgangsstufen dürfen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen und Universitäten dürfen wieder eröffnen
  • Eröffnung von Kinos, Theatern und Veranstaltungszentren
  • Läden und Einkaufszentren dürfen wieder eröffnen
  • Restaurants, Cafés und Konditoreien dürfen wieder eröffnen, allerdings mit nur vier bzw. sechs Gästen (wenn ein Außenbereich existiert) und maximal bis 22 Uhr werktags bzw. 13 Uhr am Wochenende
  • Sport mit mittlerem Infektionsrisiko ist in Gruppen von bis zu sechs Personen wieder erlaubt

Was ab dem 3. Mai in Portugal gilt

  • Mit Wirkung vom 3. Mai entfallen die Einschränkungen bei den Öffnungszeiten für Restaurants, Cafés und Konditoreien. Die Begrenzung bei der Anzahl an Gästen erhöht sich auf sechs bzw. zehn Gäste (wenn ein Außenbereich existiert)
  • Sport ist draußen und drinnen (Fitnessstudios) ohne Einschränkungen wieder erlaubt
  • Größere Veranstaltungen drinnen und draußen sind mit begrenzten Teilnehmerzahlen wieder erlaubt

Die tatsächlichen Lockerungen entscheiden sich nach den Neuinfektionen in den einzelnen Gemeinden. Hier gibt es drei farbliche Stufen: Rot, Gelb und Grün. Gebiete mit mehr als 240 Neuinfektionen pro 100.000 in den letzten 14 Tagen werden als „Rot“ eingestuft und müssen zurück zur ersten Stufe, also den Maßnahmen ab 15. März. Das betrifft aktuell Moura, Odemira, Portimao und Rio Maior. Übersteigt die Rate der Neuinfektionen 120, wird eine Region als Gelb eingestuft und muss in der zweiten Stufe verharren. Aktuell gilt das für Alandroal, Albufeira, Carregal do Sal, Figueira da Foz, Marinha Grande und Penela. Die anderen (grünen) Gemeinden fahren wie geplant mit dem Stufenplan fort.

Keine Einreise für deutsche Urlauber

Trotz der positiven Entwicklung hat Portugal die Einreisebeschränkungen für Urlauber bis zum 30. April 2021 verlängert. So sind für Einreisende aus Deutschland aktuell ausschließlich notwendige, nicht touristische Reisen erlaubt. Wer zum Urlaub machen nach Portugal fliegen möchte, muss sich weiterhin gedulden. Auch eine Einreise auf dem Landweg ist nur möglich, wenn ein Wohnsitz in Portugal nachgewiesen werden kann, sowie zu beruflichen oder gewerblichen Zwecken. Darüberhinaus bleibt auch der grenzüberschreitende Verkehr mit Bussen und Zügen weiterhin eingestellt, ebenso bleiben die portugiesischen Häfen für Kreuzfahrtschiffe gesperrt. Eine Ausnahme bildet Madeira. Hier ist der Hafen in Funchal wieder geöffnet.

Die Corona-Infektionslage in Portugal

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal

Aktuell gibt es in Portugal insgesamt 441 neue Covid-19-Infektionen (Stand: 18. April 2021). Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal nach Regionen im Überblick laut TRAVELBOOK-Berechnungen:

Region7-Tagesinzidenz
Norden36,72
Großraum Lissabon31,23
Centro15,83
Alentejo31,79
Algarve53,60
Madeira62,18
Azoren81,54
Portugal gesamt35,31
Stand: 18. April 2021; Quelle: Direção-Geral da Saúde (Daten) / TRAVELBOOK (Inzidenzberechnung)

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Die Einstufung eines Landes oder einer Region als Risikogebiet erfolgt durch das RKI in einem zweistufigen Prozess. „Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab“, heißt es auf der RKI-Seite. In einem zweiten Schritt werde nach qualitativen Kriterien festgestellt, ob für Staaten/Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschritten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege. Kriterien sind:

  • Infektionszahlen
  • Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend)
  • Testkapazitäten und durchgeführte Tests pro Einwohner
  • ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
  • Verlässlichkeit der Informationen

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Was für Reise-Rückkehrer aus Portugal gilt

Der Großteil des portugiesischen Festlandes gilt nicht mehr als Risikogebiet. Allerdings müssen Rückkehrer bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Test vorweisen. Dazu schreibt das Bundesgesundheitsministerium: „Alle Einreisende, die per Flugzeug ab 30. März 0 Uhr in die Bundesrepublik Deutschland einreisen wollen, müssen sich verpflichtend vor Abreise testen lassen. Crews sind von dieser Verpflichtung nicht betroffen. Von der Testpflicht sind Personen ausgenommen, die das sechste Lebensjahr nicht vollendet haben.“ Die dem Test zugrundeliegende Abstrichnahme dürfe grundsätzlich höchstens 48 Stunden vor der Einreise vorgenommen worden sein.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen möchte, verpflichtet sich zu einer zehntägigen Quarantäne direkt im Anschluss an die Einreise. Diese kann frühstens nach fünf Tagen durch einen weiteren negativen Corona-Test beendet werden. Reiserückkehrer müssen sich vor ihrer Abreise außerdem digital anmelden.

Muss ich in Quarantäne, wenn ich aus Deutschland nach Portugal einreise?

Aktuell gibt es für Einreisende aus Deutschland keine Quarantänepflicht, wenn sie das portugiesische Festland besuchen.

Ausnahmen gelten für Reisende, die sich in den 14 Tagen vor Einreise in einem Schengen-Land mit einer 14-Tages-Inzidenz von mehr als 500 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Südafrika oder Brasilien aufgehalten haben. Sie müssen sich direkt nach der Einreise in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Was gilt bei der Einreise nach Portugal?

Bei der Einreise aus Deutschland auf dem Luftweg muss der Fluggesellschaft aktuell vor Abflug ein negativer PCR-Test vorgelegt werden, der maximal 72 Stunden alt ist. Ausnahme: Kinder unter zwei Jahren.

Um eine Kontaktverfolgung gewährleisten zu können, müssen über den Luftweg einreisende Passagiere anhand eines „Passenger Locator“-Formulars Angaben unter anderem zum Zielort und zur Erreichbarkeit während des Aufenthalts machen. Zudem wird am Flughafen per Infrarotkameras die Körpertemperatur gemessen. Übersteigt diese 38 Grad, müssen Reisende mit weiteren Untersuchungen und Quarantäne rechnen.

Für die Azoren und Madeira gelten andere Regelungen: So wird bei der Einreise ein negativer Corona-Test verlangt, der nicht älter als 72 Stunden ist. Wer keinen Test hat, kann ihn bei der Ankunft machen und muss bis zum Testergebnis in Quarantäne bleiben.

Corona-Versicherung für Portugal-Reisende

Was beinhaltet die Versicherung?

Da Portugal stark auf den Tourismus angewiesen ist, bietet das Land Reisenden gegen Gebühr nun auch eine Corona-Versicherung an – in Kooperation mit der Firma Bónus Seguros. Die Versicherung greift bei „unvorhergesehenen Ereignissen im Zusammenhang mit Covid-19“ und ermöglicht Rückerstattungen bei Flugstornierungen oder -unterbrechungen, heißt es auf der portugiesisch- bzw. englischsprachigen Webseite von Portugal Travel Insurance. Beim genaueren Blick auf die enthaltenen Leistungen fällt allerdings auf, dass diese recht allgemein gehalten sind. So wird beispielsweise eine Unterstützung bei Gepäckdiebstahl in Portugal zugesichert – was mit Covid-19 nichts zu tun hat.

Relevanter für Urlauber sind die unter dem Punkt „Vollständige Deckung bei unvorhersehbaren Situationen“ vermerkten Leistungen. Im Krankheitsfall bietet die Versicherung eine Deckung der…

  • … Arzt- und Krankenhauskosten in Portugal
  • … Kosten für die Nachsorge bei einem Krankenhausaufenthalt
  • … Rückreisekosten im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls

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Die Preise der Corona-Versicherung für Portugal

Die Kosten für die Versicherung richten sich nach der Dauer des Aufenthalts in Portugal.

  • bis zu 10 Tagen: 37,20 Euro pro Person
  • 10 bis 15 Tage: 43,20 Euro pro Person
  • 16 bis 30 Tage: 48,20 Euro pro Person
  • 30 bis 60 Tage: 65,20 Euro pro Person

„Die Situation in Portugal sollte jetzt entspannt bleiben“

„Die Algarve, Azoren und Madeira haben Inzidenzen von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, der Norden und Lissabon sind aber weiterhin stabil. Das ist für die meisten Menschen vor Ort viel relevanter, weil sich in diesen Ballungszentren auch ein Großteil des Wirtschaftsleben abspielt. Ich glaube auch, dass die Inzidenz selbst bei kompletter Öffnung nicht mehr lange auf 100 und höher steigen wird, u. a., weil ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung womöglich vor einer Infektion geschützt sein könnte. Seit Pandemie-Beginn gab es 831.001 offizielle Corona-Infektionen (Stand: 18. April 2021). Defensiv gerechnet könnte man eine Dunkelziffer von 1,66 Millionen annehmen. Dann sind wir schon bei knapp 2,5 Millionen. Hinzu kommen rund 2 Millionen Erstgeimpfte. Das bedeutet: Fast die Hälfte der Portugiesen könnte eine gewisse oder gar komplette Immunität gegen das Coronavirus aufweisen. Rechnet man mit rund 500.000 Impfungen pro Woche und raschen sowie effektiven Maßnahmen, wenn lokal wieder erhöhte Neuinfektionen registriert werden, dann könnte das zeitlich reichen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten, bis die Impfkampagne weitreichende Wirkung zeigt.“ – Nuno Alves, Editorial Director TRAVELBOOK

Mit Material von Reuters