Wer einreist, muss einen Eid ablegen

Philippinen führen strenge Maßnahmen gegen Sauftouristen auf Boracay ein

Diniwid Beach auf Boracay, Phillipines
Die Insel Boracay ist eines der beliebtesten Reiseziele auf den Philippinen
Foto: Getty Images

Seit dem 26. Oktober ist die philippinische Insel Boracay wieder für Touristen geöffnet. Von nun an gelten auf ihr allerdings strenge Regeln für den Umweltschutz. Weil die ersten Besucher gegen die aber schon verstoßen haben, wurde nun zu drastischen Mitteln gegriffen.

Vor dem Betreten der Insel müssen Urlauber und Unternehmer ab sofort an einen Eid ablegen, wie das „Philippinen Magazin“ berichtet. Damit würden sich Besucher verpflichten, Umweltgesetze und Vorschriften der Insel zu beachten.

Zuletzt hätten Unternehmen und Urlauber gegen die neuen Regeln und Vorschriften zum Schutz der natürlichen Umwelt verstoßen. Berichte, die diese Verstöße belegen sollen, sollen der philippinischen Tourismusministerin Bernadette Romulo-Puyat vorliegen. So hätte es beispielsweise wieder Parties an Stränden gegeben – eine Aktivität, der seit der Wiedereröffnung der Insel streng verboten ist.

Der Sprecher des philippinischen Präsidenten, Salvador Panelo, habe darauf bei einer Pressekonferenz am vergangenen Montag reagiert. Eine Missachtung der Bestimmungen solle zukünftig mit einer Klage bestraft werden.

Schließung der Insel zum Schutz der Umwelt

Die Regierung der Philippinen hatte die Insel Boracay im April für Urlauber geschlossen – für einen Zeitraum von sechs Monaten. Seit dem 26. Oktober ist ein völlig neues Boracay mit verschärften Regelungen und Beschränkungen wieder zugänglich für Touristen.

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Besucher der Insel erwarte jetzt eine andere Art Urlaub, wie Tourismusministerin Romulo-Puyat damals gegenüber dem philippinischen Online-Magazin „Rappler“ informierte., betonte sie. Das Ziel sei es, zukünftig weniger junge, partywütige Menschen anzusprechen und die Insel attraktiver für Familien und Paare zu machen.

Diese neuen Regelungen wurden außerdem eingeführt:
– Keine Strandparties
– Kein Wassersport (betrifft auch das Tauchen)
– Keine fliegenden Händler am Strand und generell eine Begrenzung von Händlern
– Keine Elektroleitungen an Palmen
– Keine Tische und Stühle am Strand (vor allem in Zusammenhang mit Verkäufen)
– Reguliertes Sandburgenbauen
– Keine Plastik-Einwegprodukte

Drei-Phasen-Plan für die Erholung der Insel läuft weiter

Der Drei-Phasen-Plan zur Regenerierung der Insel Boracay sei mit dem 26. Oktober nicht abgeschlossen. Mit der Wiedereröffnung würde nur die erste Phase enden und die zweite beginnen. Die dritte Phase soll bis Ende 2019 abgeschlossen werden. „Es ist ein langer und mühsamer Prozess, aber wenn es eins gibt, das wir unseren Partnern und Besuchern garantieren, dann, dass man auf jeden Fall ein besseres Boracay erleben wird“, so Romulo-Puyat. Welche Maßnahmen besagte Phasen genau beinhalten, wurde nicht offenbart.

Präsident Duterte nannte Boracay eine „Kloake“

Die Schließung der Insel war vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte persönlich angeordnet worden, der international bislang eher durch einen brutalen Anti-Drogen-Krieg als durch Umweltschutz bekannt wurde. Duterte hatte sich über ein Video vom Bolabog Beach empört, einem der drei wichtigsten Strände. Darauf war zu sehen, wie schwarze Brühe aus einem Abwasserrohr direkt ins Meer geleitet wurde. Dahinter konnte man Kite-Surfer übers Wasser rasen sehen.

Duterte nannte die Insel öffentlich eine „Kloake“. „Aus der Ferne ist Boracay sehr schön. Aber wenn man ins Wasser geht, stinkt es. Und nach was? Nach Scheiße.“ Mehr Rufschädigung geht eigentlich kaum, und so drastisch würde das von den 40.000 Inselbewohnern, die hauptsächlich vom Tourismus leben, wahrscheinlich nicht jeder ausdrücken.

, hatte der philippinische Regierungssprecher Harry Roque Wochen zuvor erklärt.

Müllberge auf Boracay

Boracay kämpft mit einer starken Müllverschmutzung
Foto: Getty Images

Schließung bedrohte Einheimische in ihrer Existenz

Andere hielten Dutertes Dekret trotz aller Probleme für übertrieben. Wie Rashdee Sultan, der seine siebenköpfige Familie mit dem Verkauf von Sonnenbrillen und Schmuck über Wasser hielt. „Es ist sehr traurig, was jetzt mit Boracay passiert. Die Insel war ein gutes Zuhause für uns.“ Einheimische wie Rashdee Sultan wussten nach der Schließung nicht, wie sie sich und ihre Familie weiter finanzieren sollten und mussten zu Teilen die Insel verlassen.

Manche meinen, dass es genügt hätte, statt eines totalen Besuchsverbots die Probleme nach und nach zu lösen. Geschätzt wird, dass den Insulanern mindestens 400 Millionen Euro an Einnahmen entgehen. Die Regierung hat etwa 40 Millionen Euro Finanzhilfen versprochen. Wie das Geld verteilt wird, weiß man allerdings noch nicht.

Jetzt wurde aufgeräumt – aber mit welchem Geld?

Das vergangene halbe Jahr sollte genutzt werden, um gründlich aufzuräumen. Hotels und Resorts würden überprüft werden, ob sie die Umweltschutz-Auflagen einhalten, hieß es. Zudem sollten neue Abwasserkanäle installiert werden. Wer dafür bezahlen sollte, blieb jedoch unklar. Aufgrund mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten gingen viele Arbeiten nur schleppend voran, was dazu führte, dass mittlerweile noch immer viel zu tun ist.

In den 80ern war Boracay noch ein Geheimtipp unter Backpackern

Boracay – 300 Kilometer im Süden der Hauptstadt Manila – hat in den letzten Jahren eine Entwicklung durchgemacht, wie sie in Südostasien auch viele andere Inseln hinter sich haben. Anfang der 1980er-Jahre war das gerade einmal zehn Quadratkilometer Eiland noch ein Geheimtipp für Rucksack-Urlauber aus aller Welt. Die Hütten wurden noch aus Bambus gebaut, mit Kokospalmblättern als Dach. Wer eine Pause vom Strand wollte, konnte im Wald auf der Nordseite Flughunde und Fruchtfledermäuse zu beobachten.

Heute gibt es mehr als 4500 Hotels, Gaststätten und sonstige Geschäfte, die vom Tourismus leben. Im letzten Jahr wurden mehr als zwei Millionen Besucher gezählt. Viele Bauten wurden illegal errichtet, schnell hochgezogen aus Beton. Auf den Straßen staut sich der Verkehr, am Rand liegt haufenweise Plastikmüll. Im Meereswasser finden sich extrem viele E.coli-Bakterien, die auch im menschlichen Darm vorkommen. So etwas wie eine funktionierende Kanalisation gibt es nicht.

Inzwischen verdienen die allermeisten Leute ihr Geld mit Urlaubern. Aber dass das so nicht weitergehen konnte, wissen sie auch. „Hier sind leider viele gierig geworden“, sagt Djila Winebrenner, die selbst ein kleines Hotel besitzt. „Dass die Insel jetzt geschlossen und aufgeräumt wird, ist letztlich eine gute Sache.“ Die gemeinnützige Boracay-Stiftung findet ebenfalls, dass die Schließung nicht mehr zu vermeiden war. „Die maximale Aufnahmefähigkeit war einfach erreicht“, sagt ihre Chefin Nenette Graf.