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Mehr als 5000 Menschen rutschten auf ihr aus!

Chaos-Brücke in Venedig soll endlich saniert werden

Ponte della Costituzione Venedig
Die Fußgängerbrücke Ponte della Costituzione in Venedig. Auf dem Glasbelag der Stufen rutschen immer wieder Menschen aus.Foto: Getty Images

Mehr als 400 Brücken durchziehen die Altstadt von Venedig, viele davon sind schon mehrere Jahrhunderte alt. Aber keine hat bisher für so viel Ärger gesorgt wie die erst 2008 eingeweihte Ponte della Costituzione. Was dahinter steckt und was die Stadt jetzt mit der Konstruktion des spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava vorhat – TRAVELBOOK hat die Infos.

Seit 14 Jahren verbindet die Fußgängerbrücke Ponte della Costituzione den Bahnhof von Venedig mit dem historischen Stadtzentrum. Das moderne Bauwerk, das den Canal Grande auf knapp 100 Metern überspannt, ist durchaus ansehnlich. Allerdings wenig alltagstauglich, vor allem im Winter. Das Problem: Der Belag der Treppenstufen der Ponte della Costuzione (z. Dt.: Verfassungsbrücke) besteht, bis auf einen schmalen Streifen in der Mitte, aus Glas. Und das kann bei Eis, Schnee und mitunter auch nur Regen zur tückischen Falle werden.

Tausende Menschen auf Ponte della Costituzione ausgerutscht

Wie die „New York Times“ berichtet, rutschten allein bis zum Jahr 2018 mehr als 5000 Touristen und Einheimische auf den nassen oder vereisten Platten aus und verletzten sich. Die Stadt musste Schadenersatzforderungen in Höhe von 60.000 Euro zahlen. Alle Versuche, die Glasstufen sicherer zu machen, scheiterten. Zunächst griff man zu Streusalz – doch das griff das empfindliche Glas an. Dann versuchte man es mit einer Anti-Rutsch-Beschichtung, die man aufklebte. Doch diese löste sich schnell wieder ab und wurde wiederum selbst zur Stolperfalle. Zeitweise musste der Übergang ganz gesperrt werden.

„Wir werden die Glasscheiben auf der Ponte della Costituzione entfernen“, erklärte die Stadtverwaltung daraufhin laut einem Bericht des „Corriere del Veneto“. Doch eine adäquate Lösung für das Problem hat man seither nicht gefunden. Nachdem es im vergangenen Dezember wieder Glatteis auf der Brücke gegeben hatte und sich User in sozialen Netzwerken über die sich erneut ablösenden Antirutsch-Streifen lustig gemacht hatten, soll nun endlich eine endgültige Lösung her.

Wie die Zeitung „Il Gazzettino“ schreibt, sollen die teuren Glasstufen, die sich alle voneinander unterscheiden und jeweils mindestens 7000 Euro gekostet haben, in diesem Jahr durch rutschfeste Trachytplatten ersetzt werden. Die Stadtverwaltung habe hierfür in ihrem Haushalt für 2022 eine halbe Million Euro für diesen Zweck vorgesehen. Zudem seien weitere Instandhaltungsarbeiten an der Ponte della Costituzione und Restaurierungsarbeiten an den Balustraden geplant.

Ponte della Costituzione Venedig
Bis 2020 gab es neben der Brücke eine Gondel (hier links im Bild), die zum Beispiel Rollstuhlfahrer oder Kinderwägen über den Canal Grande transportierteFoto: Getty Images
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Ponte della Costituzione treibt Kosten in die Höhe

Die Konstruktion der Ponte della Costituzione hat sich von Beginn an auch finanziell als problematisch für die Stadt erwiesen. So haben sich die Kosten in den zwanzig Jahren seit der Genehmigung des Ausführungsprojekts laut „Il Gazzettino“ mehr als verdoppelt, aus den ursprünglich veranschlagten knapp 6,7 Millionen Euro seien inzwischen 13,6 Millionen Euro geworden. Unter anderem habe man erst nach der Einweihung festgestellt, dass die Brücke gar nicht barrierefrei ist. Also baute man daneben für 1,8 Millionen eine Gondel, die Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen und Koffern schwebend über den Canal Grande transportierte. Doch diese Lösung erwies unter anderem sich wegen der langen Wartezeiten als unbrauchbar. Und so wurde die Gondel im Mai 2020 nach nur sechs Jahren in Betrieb wieder demontiert.

Ganz ohne Strafe ist Star-Architekt Santiago Calatrava wegen seiner Chaos-Brücke übrigens nicht davongekommen. Aufgrund von Problemen mit der Statik und der Benutzung der Brücke wurde er im Jahr 2019 zu einer Geldstrafe von 78.000 Euro verurteilt.

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