Geldstrafe von 100.000 Euro

Wegen Luftverschmutzung! Kreuzfahrt-Kapitän verurteilt

Kreuzfahrtschiff AZURA bei der Einfahrt in den Hafen von Venedig
Das Kreuzfahrtschiff AZURA überschritt die gesetzlichen Grenzwerte für Schwefel im Treibstoff
Foto: dpa Picture Alliance

Weil ein Kreuzfahrtkapitän vor Marseille besonders schadstoffreichen Treibstoff verwendete, verurteilte ihn ein französisches Gericht wegen Luftverschmutzung zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro. Es ist das erste Urteil dieser Art in Frankreich.

Mit Spa, Open-Air-Kino und drei Restaurants ist die „Azura“ ein Traum für Reisende. Für die Umwelt war das zweitgrößte Schiff der britischen Reederei P&O Cruises zumindest vorübergehend jedoch eine Zumutung, befand jetzt ein Gericht in der französischen Hafenstadt in Marseille, berichtet „Le Monde“.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Evans Hoyt, den 58-jährigen US-Kapitän des Schiffes, einen Treibstoff verwendet zu haben, dessen Schwefelanteil den europäischen Grenzwert von 1,5 Prozent überschritt. Schweröl mit einem höheren Schwefel-Anteil ist billiger als schwefelfreier Diesel. Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluss, dass sich der Angeklagte seines Tuns bewusst gewesen war und „auf Kosten der Lungen aller Menschen Geld verdienen wollte“.

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Schiff gehört zum größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt

Das Gericht verfügte, dass 80 Prozent der Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro von der Reederei getragen werden müssen. P&O Cruises gehört zur US-Firma Carnival Corporation, dem größten Kreuzfahrtveranstalter der Welt. Pro Jahr transportiert Carnival nach eigenen Angaben 11,5 Millionen Passagiere. Unter anderem gehören die Marken Cunard Line, Costa Cruises und Aida Cruises zum Unternehmen.

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Die „Azura“ wurde 2010 gebaut. Sie hat Platz für etwa 3.000 Passagiere und 1220 Besatzungsmitglieder. 2015 wurde das Schiff von der Hamburger Werft Blohm + Voss mit Gaswäschern ausgestattet, die die Abgasbelastung reduzieren sollen.

P&O Cruises geht in Berufung

In einem Statement gegenüber TRAVELBOOK äußerte sich P&O Cruises folgendermaßen: „Die Carnival-Gruppe (…) nimmt ihre rechtlichen und moralischen Verpflichtungen gegenüber dem Umweltschutz sehr ernst. Wir waren daher sehr enttäuscht über die strafrechtliche Verfolgung dieses Verstoßes, der auf einem europäischen Gesetz beruhte, von dem das französische Umweltministerium ausdrücklich die Kreuzfahrtindustrie und ihre Schiffe ausgenommen hatte, und das bis dato noch nicht ordnungsgemäß umgesetzt wurde. Der Kapitän benutzte den Treibstoff in gutem Glauben und (…) basierend auf unserem Verständnis des Gesetzes.“ P&O Cruises hat bereits Berufung eingelegt und wird die Entscheidung des Gerichts prüfen, sobald sie verfügbar ist.