Geniale Idee!

Wie der Name „Ballermann“ dieses deutsche Ehepaar zu Millionären machte

André Engelhardt und seine Frau Annette haben sich vor 18 Jahren am Ballermann kennengelernt. Seitdem fahren sie immer mal wieder zum Urlauben an den berühmten Party-Strand von Palma. Und obwohl sie weder auf Mallorca leben noch jemals eine Bar oder ein Restaurant dort betrieben haben, hat der Ballermann sie zu reichen Leuten gemacht. TRAVELBOOK sprach mit ihnen über ihre Idee, die so einfach wie genial ist.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Ballermann – diesen Begriff kennt in Deutschland jeder. Er steht für Strand, Sonne und Meer, für Schlager-Partys, Gegröle, Eimersaufen und Massentourismus. Der Ballermann gehört quasi zu Mallorca wie die Kasinos zu Las Vegas oder die Gondeln zu Venedig – zumindest aus deutscher Sicht. Dabei gibt es ihn eigentlich gar nicht, den Ballermann. Zwar eröffnete schon in den 1960er-Jahren an der Platja de Palma das bekannte Strandlokal „Ballermann 6“, das auch heute immer noch dort steht und nach wie vor die Massen anlockt. Den berühmten Namen trägt das Lokal jedoch schon lange nicht mehr. Es heißt heute schlicht: Balneario 6 – die spanische Bezeichnung für jenen Strandabschnitt in S'Arenal, an dem es zu finden ist.

Dass „Ballermann“ letztlich zum Inbegriff für die Feiermeile der Deutschen in Palma und einer ganzen Partykultur in Deutschland wurde, daran haben André Engelhardt und seine Frau Annette aus Hamm im Ruhrgebiet einen wesentlichen Anteil – davon zumindest ist das Ehepaar selbst fest überzeugt. Auf jeden Fall hat der Ballermann sie zu reichen Leuten gemacht.

Alles begann im Jahr 1994. André Engelhardt war damals Jurastudent im Ruhrgebiet und schrieb eine Hausarbeit über das neue Markenrecht in Deutschland. „Ich bekam eine super Note dafür und wollte das in den Semesterferien feiern“, erzählt der heute 52-Jährige im Gespräch mit TRAVELBOOK. Sein Vater empfiehlt ihm Mallorca, also bucht er mit einem Freund ein Hotel in S'Arenal. „Wir hatten gehört, dass es da irgendwo einen 'Ballermann' geben sollte. Ballern, das sagt man im Ruhrgebiet, wenn man sich betrinkt.“ Schließlich finden sie am Strand das Lokal mit Namen „Ballermann 6“ – und feiern zusammen mit Hunderten anderen deutschen Touristen die Nächte durch. Was Engelhardt damals sofort auffällt: Die Bar ist weitaus besser besucht als die fast baugleichen Strandlokale links und rechts davon.

Juli 1997: Deutsche Touristen trinken im Lokal „Ballermann 6“ Sangria

Foto: dpa Picture Alliance

In Deutschland selbst hat indes zu dieser Zeit noch kaum jemand vom Ballermann gehört. Aber André Engelhardt, der damals 34-jährige Jurastudent aus Hamm, ahnt, dass daraus was Größeres werden könnte. Weil er aufgrund seiner Hausarbeit weiß, dass das neue Markenrecht ab dem 1. Januar 1995 auch Privatpersonen erlauben würde, sich Namen schützen zu lassen, geht er gleich zu Beginn des neuen Jahres zum Patentamt. Tatsächlich ist „Ballermann 6“ noch frei. Engelhardt kauft sich für 800 DM die Rechte an dem Namen, so viel kostet der Antrag beim Patentamt.

Wie aus 800 DM Millionen wurden

Eigentlich will André Engelhardt unter dem Namen Ballermann 6 eine Kneipe in Hamm eröffnen. „Es sollte eine ganz einfache Kneipe werden, mit Plastikstühlen, Schlagermusik und Sangria“, sagt der Jurist zu TRAVELBOOK. Doch letztlich scheitert das Projekt an den hohen Kosten. Stattdessen hat Engelhardt eine neue Idee: Er lässt einen „Ballermann-Schnaps“ produzieren, in kleinen Fläschchen, wie man sie damals vom „Kleinen Feigling“ oder „Berentzen Saurer Apfel“ kannte. Zuerst habe niemand den Schnaps haben wollen, keine Kneipe und kein Supermarkt habe sich bereit erklärt, die „Ballermann Kurztrips“ ins Sortiment aufzunehmen.

Doch dann hat er Glück: Als Engelhardt mal wieder mal auf Promo-Tour durch die Kneipen des Ruhrgebiets tingelt, wird zufällig eine Journalistin von BILD Essen auf seine verrückte Schnapsidee aufmerksam – und berichtet groß darüber. „Da ging der Hype erst richtig los“, sagt Engelhardt lachend. Die „Ballermann Kurztrips“ stehen bald darauf in den Regalen von Edeka und weiteren Supermärkten. Mehr als 20.000 Partyfans kommen zu den ersten Ballermann-Partys, die Engelhardt in der Essener Grugahalle veranstaltet. Es erscheinen die ersten CDs mit „Bierstraßen-Hits“, auf denen André Engelhardt sogar selbst singt („Ich will heim zum Ballermann“). TV- und Radioteams stehen Schlange, um den findigen Studenten zu interviewen.

Und dann sind da ja noch die Lizenzen: Für jede Party, jede Veranstaltung, jede Bar oder Disko und jeden Artikel, der unter dem geschützten Namen vermarktet wird, müssen die Deutschen jetzt bezahlen. Das Geschäft läuft gut, der Noch-Jurastudent gründet die Ein-Mann-Firma „A. Engelhardt Markenkonzepte“. Zuerst kümmert sich der damals 34-Jährige noch selbst um den Verkauf von Lizenzen und alles Rechtliche. Weil immer mehr Anfragen kommen, engagiert er schließlich Anwälte, die Ballermann-Lizenzen für ihn verkaufen und auch recherchieren, wer den Namen „Ballermann 6“ ohne Lizenz benutzt. Weil Ballermann der Hauptbestandteil des geschützten Namens ist, müssen auch die zahlen, die ohne die „6“ damit werben. Die Kasse klingelt.

Gemeinsam für eine Marke

1996 lernt Engelhardt seine große Liebe Annette kennen – natürlich auf Mallorca. Nach nur vier Treffen beschließen die beiden, zu heiraten. Fortan stehen sie gemeinsam für die Marke Ballermann ein, kaufen nach und nach weitere Rechte dazu, unter anderem an „Ballermann's World”, „Ballermann Records”, den Slogan „...alle Mann am Ballermann” sowie Titelschutzrechte und geschäftliche Bezeichnungen an „Ballermann Radio” und „Ballermannparty”. Während anfangs hauptsächlich das Ruhrgebiet im Ballermannfieber ist, schwappt die Begeisterung 1996 mit der Ausstrahlung der RTL-Dokumentation „Der König vom Ballermann“ von Max Moosbauer auf die restliche Nation über.

Dieses Foto entstand 1997 im Lokal „Bierkönig“ in der Schinkenstraße

Foto: privat

Der endgültige Durchbruch kommt, als Tom Gerhardt auf Mallorca seine Film-Komödie „Ballermann 6“ dreht. Nicht nur, weil dafür ordentlich Lizenzgebühren in die Kasse der Engelhardts fließen – sondern auch, weil fast 2,5 Millionen Deutsche den Film sehen. Der Ballermann ist jetzt endgültig in Deutschland angekommen. Weniger Begeisterung über den Film, der die Deutschen beim Sauf- und Grölgelage am Strand von Palma zeigt, sind die Mallorquiner. Das Image, das ihrer schönen Insel dadurch verpasst wird, missfällt den Spaniern, sie führen erste Benimmregeln für die Touristen auf Schinken- und Bierstraße ein. Unter anderem wird Sangria vorübergehend nicht mehr in Eimern serviert und der Alkoholgehalt darin reduziert. Das deutschsprachige Schild „Ballermann 6“ wird vom berüchtigten Strandlokal entfernt, es heißt fortan nur noch schlicht „Balneario 6“.

Szene mit Hilmi Sözer und Tom Gerhardt aus dem Film „Ballermann 6“ (1997)

Foto: dpa Picture Alliance

Erfolg und Anfeindungen

Die Feierlaune der Deutschen wird dadurch nicht gemindert, im Gegenteil: Sie fliegen weiter nach Mallorca, und es sind mehr als je zuvor. Auch in Deutschland erreicht das Ballermannfieber seinen Höhepunkt. Das Ehepaar Engelhardt kann sich vor Lizenz-Anfragen kaum retten, das Geld fließt – bis heute. Allerdings stößt ihr Recht an der Marke nicht überall auf Verständnis, zum Teil gibt es Neid oder sogar Anfeindungen. Vor zwei Jahren musste eine Augsburger Diskothek 8000 Euro an die Firma A. Engelhardt Markenkonzepte zahlen, obwohl die Party letztlich nie stattfand. Die Veranstalter hatten einen Tag lang im Internet für die „Après-Ski meets Ballermann“-Party geworben, das reichte für eine Geld-Forderung aus. Die Sache landete vor Gericht, die Disko und die Rechteinhaber einigten sich letztlich auf einen Vergleich.

„Es ist nun mal eine Marke, und da hat man keine Chance“, sagt Annette Engelhardt zu TRAVELBOOK. „Vor allem bei jungen Leuten ist viel Unwissenheit dabei. Aber Unwissenheit schützt eben vor Strafe nicht“, ergänzt die 57-Jährige. Man könne immer mit ihnen reden und nachverhandeln, „aber wir müssen die Marke verteidigen. Man kann nicht jedes Mal sagen, es ist egal – die Marke verwässert sonst“. Die meisten sähen es am Ende aber ein, dass sie für die Lizenz eben zahlen müssten.

Für Partys, die unter dem Namen Ballermann laufen, nehmen die Engelhardts 1,50 Euro pro Besucher, mindestens aber 750 Euro. Die beiden Diskos „Ballermann 6“ in Düsseldorf und Mülheim a.d. Ruhr haben seit mehr als 15 Jahren eine Dauer-Lizenz. Die bisher lukrativste Einzel-Anfrage war die Kinofilm-Lizenz für „Ballermann 6“. Nicht zu vergessen die TV-Shows „Ballermann Hits“ (RTL2) und „Die erfolgreichsten Ballermann Hits aller Zeiten“ (RTL). Auch mit Ferrero gab es schon eine Kooperation: Das Unternehmen ließ für seine Kinder-Überraschungseier eine Ballermann-Wasserpistole produzieren. „Es gibt sogar eine lizenzierte Wurfbude ‘Ballermann 6‘, bei der man auf einer Kirmes auf Blechdosen werfen kann“, sagt Annette Engelhardt nicht ohne Stolz. „Eine Marke muss man leben“, sagen die Engelhardts einstimmig. „Man muss Begeisterung dafür haben, anders geht es nicht. Was wir verkaufen, ist ein Lebensgefühl.“

Neben den Lizenzen verdient das Ehepaar auch mit Eigenkreationen wie den Ballermann-Strohhalmen, Ballermann-Gagbags (Tüten, die per Knopfdruck Ballermann-Hits abspielen), Ballermann-Kleidung und diversen Ballermann-Tonträgern. Der jüngste Coup ist der neue Markenzweig „Ballermann-Country“ mit der Western-CD „Ballermann Country – Die Große Westernparty 2014”. Für die Engelhardts ist die Erfindung neuer Produkte, die unter ihrem Markennamen laufen, inzwischen nur noch ein schönes Hobby. Finanziell nötig haben sie das längst nicht mehr. Das Ehepaar lebt inzwischen in Blockwinkel bei Bremen auf einem alten Bauernhof, den sie zu einem Reiterhof umgebaut haben, die „Ballermann-Ranch“.

André und Annette Engelhardt im Jahr 2010 mit ihren Ballermann-Produkten

Foto: privat

Auf Mallorca, dort, wo alles seinen Anfang nahm, waren sie inzwischen schon seit sechs Jahren nicht mehr. Es gibt einfach zu viel zu tun, vor allem die Versorgung ihrer zehn Pferde und zwei Esel nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber irgendwann würde sie gerne mal wieder hin, sagt Annette Engelhardt, mal wieder richtig feiern am Ballermann, den es ja eigentlich gar nicht gebe. „Der Ballermann ist ja so ein Phänomen“, sagt sie. „Wenn man da ist, fragt man sich: 'Wieso tue ich mir das bloß an?'. Und wenn man zurückkommt, könnte man eigentlich gleich schon wieder losfahren.“ Hierin muss es wohl liegen, das Erfolgsgeheimnis eines Namens, der zu einer ganzen Partymentalität wurde.

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