Die neue Generation von Weltreisenden

Was sich hinter Flashpacking verbirgt

Backpacking bedeutet Abenteuer, Freiheit und Kontakt mit Menschen aus aller Welt. Es bedeutet aber auch: Schlafen auf der harten Isomatte im Zelt oder in Mehrbettzimmern mit schnarchenden Bettnachbarn, Duschen auf dem Gang und stundenlanges Reisen in klapprigen, unklimatisierten Bussen. Immer mehr junge Leute haben auf diese unangenehmen Seiten des Rucksacksreisens keine Lust mehr und entscheiden sich bewusst für ein bisschen mehr Luxus. Flashpacking nennt sich diese komfortablere Art des Abenteuerreisens.

Ein palmenumstandener Pool, ein großer Lounge-Bereich mit Flat-TV und diversen Filmen zur Auswahl, Klimaanlage, High-Speed-WLAN, zwei Kopfkissen pro Bett, Regendusche im Bad: Wer sich die Ausstattung des Noosa Flashpackers im australischen Queensland ansieht, könnte meinen, er sei in einem Vier-Sterne-Hotel gelandet. Tatsächlich ist die beliebte Unterkunft direkt an der Sunshine Coast ein Hostel – allerdings ein ziemlich komfortables.

Gäste haben die Wahl zwischen einem luxuriösen „King Room“ mit En-Suite-Bad, Doppel- und Einzelzimmern mit eigenem Bad oder Mehrbettzimmern, in denen maximal sechs Personen unterkommen. Auch einen „Girls Only Dorm“ für drei Damen gibt es, mit Föhn und Haarglätter. Und die Preise? Ein Bett im Mehrbettzimmer kostet umgerechnet maximal 26 Euro, der „King Room“ für zwei insgesamt 86 Euro pro Nacht. Also durchaus bezahlbar. Zwar ist die Nacht in manch anderem Hostel schon für 10 Euro zu haben, aber dort geht es meist auch wesentlich spartanischer zu.

Der Pool-Bereich im Hostel Flashpackers Noosa in Australien

Foto: http://www.flashpackersnoosa.com

Was sind Flashpacker?

Hostels wie das Noosa Flashpackers sprechen eine neue Generation von Backpackern an, die zwar auch – wie der Name schon sagt – mit Rucksack die Welt bereisen, denen das klassische Low-Budget-Backpacking aber zu anstrengend ist. Flashpacker sind meist zwischen 25 und 40 Jahre alt, haben schon eine Weile gearbeitet, sodass sie sich das gewisse Extra an Komfort leisten können. Trotzdem wollen Flashpacker nicht nur an einem Ort sein, Pauschalreisen sind nicht ihr Ding. Sie wollen Abenteuer, Kontakt zu Einheimischen und möglichst viel sehen vom Land.

Auch Reisebloggerin Carina Hermann, die den Reiseblog „Pink Compass“ betreibt, zählt sich zu dieser neuen Generation Weltreisender. „Ich würde mich als Flashpacker bezeichnen, weil ich mittlerweile auf die billigsten Busse, Flüge und Unterkünfte verzichte und stattdessen ein bisschen mehr Komfort wähle“, erklärt sie TRAVELBOOK. Statt ein Mehrbettzimmer mit Fremden zu teilen, gönnt sich Carina, die meistens alleine reist, inzwischen ein Einzelzimmer oder bucht eine Unterkunft über Airbnb. Statt in einen unklimatisierten Reisebus steigt sie lieber in einen komfortableren VIP-Bus. „Und wenn ich fliegen muss, dann buche ich nicht mehr den günstigsten Flug, bei dem ich um 4 Uhr aufstehen muss, sondern gönne mir den, der am besten zu meinem Biorhythmus passt.“

Kurzum: Flashpacker sind Individualreisende, die zwar auch preisbewusst sind, aber im Vergleich zu Backpackern ein größeres Budget zur Verfügung haben und auch bereit sind, dieses für etwas mehr Luxus auszugeben. Das kann im Rahmen eines längeren Urlaubs sein, oder auch während eines Sabbaticals.

Digital vernetzt

Während der Low-Budget-Backpacker möglichst wenig Gepäck und allenfalls ein Handy dabei hat, sind Flashpacker meist technisch gut ausgerüstet: Smartphone, Tablet-PC, Digitalkamera, vielleicht sogar eine GoPro kommen mit ins Gepäck, sodass man immer gut vernetzt mit der Außenwelt bleibt und Fotos oder Filme schon von unterwegs bearbeiten und hochladen kann. Deshalb ist der digitale Anschluss in der Unterkunft für den Flashpacker ein wichtiges Buchungskriterium. Auch geräumige Schließfächer sind von Vorteil, damit der wertvolle Technikkram nicht geklaut wird.

Würde man so ein Bett in einem Hostel erwarten? Im Travellers House in Portugals Hauptstadt Lissabon schlafen Gäste genauso. Studio ab 100 Euro für 2 Nächte.

Foto: www.travellershouse.com

Inzwischen stellen sich immer mehr Hostel-Betreiber auf die neue Generation Rucksackreisender ein. Auf dem Online-Portal HostelBookers kann man gezielt nach besonders gut ausgestatteten Hostels auf der ganzen Welt suchen. Die Preise beginnen schon ab 7 Euro.

Auch interessant: Bettwanzen, Plumpsklos, Sturzregen – Die Schattenseiten des Rucksackreisens

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