Auf den Spuren des gruseligen Mothman

Das Rätsel um das Monster von West Virginia

Im November 1966 wurde er zum ersten Mal gesichtet, seitdem erschreckt der Mothman regelmäßig Einheimische und Reisende und: beflügelt Fantasien. Die rätselhafte Geschichte des Monsters von Point Pleasant.

Es ist der 15. November 1966, 23.30 Uhr. In jener kalten, klaren Nacht fährt ein Auto mit vier Personen durch eine ziemlich abgelegene, unübersichtliche Ecke in West Virigina. Point Pleasant heißt der nächste Ort und „TNT Area“ nennen die Einheimischen das Gelände – nach dem Sprengstoff Trinitrotoluol, dessen Sprengkraft zum Maßstab wurde für die Explosionsstärke von Bomben und Granaten.

Denn hier steht die West Virginia Ordnance Works, eine still gelegte Munitionsfabrik aus dem Zweiten Weltkrieg. Um Waffen geht es hier aber irgendwie immer noch: Junge Leute aus der Hot-Rod-Szene treffen sich auf dem weitläufigen Gelände, also Anhänger jener schnellen Wagen aus den 20er- und 40er-Jahren, die so gefährlich gewesen sein sollen wie Waffen – womit sich wohl auch deren Name erklärt: Rod ist ein Slang-Wort für Pistole.

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Zeitungsartikel aus dem Mothman-Museum: Diese vier Menschen waren die ersten, die den Mothman sichteten.

Foto: The Mothman Museum

Die jungen Leute in ihren tollkühnen Kisten sind es aber nicht, die den Insassen des Fahrzeugs plötzlich einen gehörigen Schrecken einjagen. Sondern ein Wesen, das sie noch nie in ihrem Leben zuvor gesehen haben – und garantiert auch nie wieder sehen wollen.

Eine menschenähnliche Gestalt ist es: von mehr als zwei Metern Größe und mit engelsähnlichen Flügeln, deren Spannbreite wohl drei Meter misst. Doch nicht genug: Das Wesen, so berichtet eine der Zeuginnen später, hat große runde, rot leuchtende Augen, die Rücklichtern eines Autos ähneln und fast hypnotisierend wirken. Arme und Beine sind muskulös. Die Hände – auffallend lang.

Offenbar hat sich einer seiner Flügel in einem Draht verfangen, so wird berichtet, und das Wesen, auf einem Hügel hockend, versucht, sich daraus zu befreien. Als es ihm schließlich gelingt, steigt es flügelschlagend auf in die Luft, Staubwolken aufwirbelnd, und dem Auto hinterher, in dem die Zeugen des Monsters panisch flüchten. Sogar im Inneren des Fahrzeugs ist das Schlagen der gigantischen Flügel deutlich zu hören.

Noch in derselben Nacht melden die Zeugen den Vorfall dem örtlichen Sheriff, der gegen 2 Uhr das Gelände absucht, aber nichts Auffälliges finden kann. Und auch die Presse ist schnell informiert. Am Tag darauf erscheint in der örtlichen Zeitung „Point Pleasant Register“ ein Artikel: „Couples See Man-Sized Bird ... Creature ... Something”.

Dieses Etwas, das man anfangs auch „Vogelmann („birdman“) oder Vogelmonster („bird-monster“) nennt, soll schließlich als „Mothman“ zur Legende werden – in Anlehnung an Batman und dessen kriminellem Gegenspieler Killer Moth, mit denen die deutsche Übersetzung – Mottenmann – allerdings nichts mehr zu tun hat.

Schon nach der ersten Veröffentlichung wird das Monster von vielen Menschen gesichtet. Auch von Linda Scarberry, der Hauptzeugin. Einmal sitzt es sogar auf dem Dach ihres Apartmenthauses. Mit der Anzahl der Sichtungen wird das Bild vom Mothman konkreter. So soll er anstelle von Füßen scharfe Krallen haben und von tiefschwarzer Hautfarbe sein.

Für Mothman-Fans: das Mothman-Museum in Point Pleasant

Foto: Tripadvisor

Auch glaubt man, dass er sich plötzlich materialisieren und wieder verschwinden, also offenbar sich selbst beamen kann. Wir erinnern uns, wir befinden uns im genau in dem Jahr, in dem für die Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise“ die Teleportation erfunden wurde, schlicht, um die Produktionskosten aufwändiger Landesequenzen auf fremden Planeten zu umgehen.

Und natürlich rufen die Nachrichten vom Flugmonster auch Ghostbuster auf den Plan – ganze Truppen von Geisterjägern suchen mit Waffen, Scheinwerfern und Spürhunden nach dem Mothman. Und finden: nichts.

Richtig gruselig wird die Geschichte schließlich, als exakt 13 Monate nach der ersten Mothman-Sichtung, am Samstag, dem 15. Dezember 1967, die Silver Bridge zwischen den Orten Point Pleasant und Kanauga zusammenkracht. 31 Fahrzeuge stürzen in den Ohio River, 46 Menschen ertrinken.

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Der Brückeneinsturz in der Lokalpresse, Zeitungsartikel im Mothman-Museum

Foto: Tripadvisor

Zwar wird der Mothman nicht an der Brücke gesichtet, aber dennoch mit deren Kollabieren in Verbindung gebracht. Denn in einer Sage der indigenen Ureinwohner war das Erscheinen eines ähnlich beschriebenen Wesens Vorbote für Unglück und Not. Die Sichtung des Mothmans auf dem TNT-Gelände, so schlussfolgert man nun, habe den Brückeneinsturz angekündigt.

Vermutlich, so spekuliert man jetzt, ist das Erscheinen des Mothman auf einen Fluch zurückzuführen, den Häuptling Cornstal, der im Jahr 1777 zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, im Fort Randolph bei Point Pleasant ermordet worden war. Andere glauben, der Mothman sei ein Außerirdischer, ein Geist, oder die körperliche Manifestation eines Dämons aus dem Jenseits. Auch soll er oft genau dann aufgetaucht sein, wenn man auch die geheimnisvollen Men in Black sichtete.

All diese Spekulationen bringen zwar kein Licht in das Dunkel um den Mothman, sorgen aber für eine wachsende Bekanntheit des Flugmonsters. Es  scheint nur eine Frage der Zeit, bis Hollyood anklopfen würde – und 2002 ist es so weit. „The Mothman Prophecies“ heißt der Thriller mit Richard Gere in der Hauptrolle, der auf dem gleichnamigen Buch des Ufologen John A. Keel aus dem Jahr 1975  basiert. Aus dem zunächst regionalen wird ein landesweites Phänomen: In allen Teilen der USA kommt es plötzlich zu Mothman-Sichtungen.

Spielverderber führen dann häufig an, dass es sich bei den angeblichen Mothmans lediglich um eine große Eule oder einen Kanadakranich handeln würde. Und was die Brücke tatsächlich zum Einsturz brachte, kann jeder im Untersuchungsbericht nachlesen: Materialermüdung, Mikrorisse und nachfolgend Rost an einem tragenden Bauteil.

Und tatsächlich war es ein Virginia-Uhu, den jener schießfreudige Einwohner von Point Pleasant mit seiner Flinte erlegte, in der irrigen Annahme, den Mothman persönlich vor sich zu haben. Danach ebbten die Sichtungen spürbar ab.

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Doch die Legende lebt weiter. Dafür sorgt schon der kleine Ort Point Pleasant, dem – allen Unkenrufen zum Trotz – der Mothman nämlich kein Unglück, sondern eine herrliche Einkommensquelle bescherte: Als Touri-Attraktion macht sich der Mothman nämlich bestens. Es gibt ein Mothmann-Denkmal, ein Mothman-Museum und ein Mothman-Festival. Das findet jedes Jahr im September statt, dauert drei Tage und ist – so versprechen die Veranstalter – ein Spaß für die ganze Familie.

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Foto: Getty Images

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