Plantagen, Partys, Putin

Was Sotschi seinen Urlaubern zu bieten hat

Von Sotschi weiß man vor allem, dass man da jetzt am besten nicht hinfährt. Wegen der Terrorwarnungen, aus politischen Gründen oder weil Bundespräsident Gauck es auch nicht tut. Dabei wäre Sotschi an sich schon eine Reise wert – für die Russen ist der Ort am Schwarzen Meer sogar das beliebteste Reiseziel im Land. Allerdings eher: im Sommer.

„Russische Riviera” nennt man Sotschi und seine Strände auch – und in der Tat hat der Ort mit den Urlaubszielen am Mittelmeer so einiges gemein. So liegt Sotschi auf dem gleichen Breitengrad wie Nizza. Das Klima ist subtropisch. Und sogar Palmen wachsen hier problemlos am Strand.

Es war Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich Sotschi am Schwarzen Meer zum Kurort der russischen Oberschicht entwickelte. Wer es sich leisten konnte, setzte sich ein Sommerhaus an den Strand und wohnte hier samt Kind und Kegel, während es in Moskau oder Petersburg zu heiß war. 1909 wurden die ersten Hotels eröffnet, 1917 Sotschi zur Stadt.

Auch Stalin hatte hier eine Datsche

In der Sowjetuntion begann der Boom als Badeort für die breite Masse. Josef Stalin ließ sich hier im Ortsteil Dagomys eine seiner Datschen bauen, heute sitzt er in dem tannengrünen Gebäude als Wachspuppe hinter dem Schreibtisch. Zahlreiche Kurhotels, Ferienanlagen und Sanatorien entstanden in jener Zeit. Wer es mit den Atemwegen oder den Nerven hatte, war hier in guten Händen. Bis zu sechs Millionen Urlauber zählte Sotschi im Jahr.

Nach dem Ende der Sowjetunion zog es die Russen indes eher an andere Orte, etwa in die Türkei oder nach Ägypten. Sotschi geriet aus der Mode – und musste erst in Service und Infrastruktur investieren, um mit den internationalen Urlaubszielen mitzuhalten. Heute sind es immerhin etwa vier Millionen Urlauber pro Jahr. Und immer mehr kommen aus dem Ausland.

Die kuriosen Toiletten von Olympia

Die Olympischen Winterspiele sollten weitere anziehen. Das Großereignis, so hoffte man, wäre eine gute Werbung für den Ferienort am Schwarzen Meer. Doch ob die Rechnung aufgeht? Zum einen ist Sotschi vermutlich im Sommer spannender als im Winter, nur ahnt man das kaum, wenn man im Fernseher die Skifahrer über künstlichen Schnee flitzen sieht. Zudem werfen die politische Situation im Land und der Boykott durch Politiker und Sportler kein gutes Licht auf Russland. Und was die Journalisten, die in Sotschi gerade ihre Hotels bezogen, aus eben diesen berichteten, ist auch alles andere als Reklame.

Da werden Bilder aus Toiletten getwittert, in denen zwei Klos nebeneinander stehen – ohne Trennwand dazwischen – oder ein Hinweisschild warnt, dass man in der Schüssel weder Angeln sollte noch sich darin übergeben darf. In einem Hotelzimmer übt die Gardinenstange offenbar den Abwärtslauf. Und ein weiteres Bild zeigt zwei Gäste, die so gern die Heizung höher drehen würden, nur hängt diese selbst so hoch, dass nicht mal Baskettballspieler eine Chance haben, den Drehknopf zu erreichen.

Tipps für Sotschi und Umgebung

Doch wen solche Bilder eher neugierig machen statt abzuschrecken, dürfte in Sotschi einiges erleben. Hier ein paar Tipps für den Trip ans Schwarze Meer:

  • Architektur: Für die Winterspiele wurde einiges gebaut und in die Infrastruktur investiert. Der spektukulärste Neubau ist sicherlich der Iceberg Skating Palace. Doch auch sonst ist die Architekur des Ortes interessant, findet man hier neben den Jugendstilbauten aus der Anfangszeit des Kurortes auch beeindruckende Beispiele der stalinistischen Architektur.

  • Skifahren: Eine geschlossene Schneedecke stellt sich im unteren Teil der Pisten gewöhnlich Mitte Januar ein und erreicht im März Höhen von zwei Metern und mehr. Im höher gelegenen Bereich geht die Skisaison von November bis Anfang Juni. Und auf Wintersport jeder Art ist Sotschi ja spätestens nach den Spielen bestens eingestellt.

  • Kuren und Wellness: 1902 begann die Nutzung der Sulfid-Chlorid-Natrium-Heilquellen von Mazesta. Seitdem werden hier Bronchial-, Lungen- und Nervenerkrankungen behandelt. Inzwischen gibt es hier auch zahlreiche Wellness-Angebote und exklusive Hotels.

  • Badeurlaub: Dreißig Kilometer lang sind die Kieselstein-Strände von Sotschi und bieten reichlich Platz für Badegäste. Die Promenade wartet mit allem auf, was man für einen Badeurlaub braucht. Saison ist von April bis Oktober. Und dass es nicht langweilig wird, dafür sorgen auch die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten wie etwa Höhlenforschen, Flussrafting, Kanufahrten, Paragliding, Wasserski, Reiten oder Wandern.

  • Wandern im Kaukasus: In den Bergen östlich der Stadt liegt das Kaukasische Biosphären-Reservat, das zum UNESCO-Welnaturerbe Westlicher Kaukasus gehört. Ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen ist auch Krasnaja Poljana, 60 Kilometer vom Stadtzentrum Sotschi entfernt in einem 40.000 ha großen Naturpark am Fuße des Kaukasus gelegen. Hier befinden sich jetzt auch das olympische Dorf sowie Austragungsstätte verschiedener alpiner Wettbewerbe.

  • Formel 1: Nach Olympia geht’s sportlich weiter: Für die Jahre 2014 bis 2020 ist Sotschi als Austragungsort jeweils eines Grand-Prix-Rennens der Formel 1 vorgesehen. Dann ist der Ort für sportliche Großereignisse zumindest bestens gerüstet.

  • Plantagen, Partys, Putin: Fünf Kilometer nordwestlich der Stadtmitte Sotschis und direkt an der Küste liegt Dagomys, die Teehauptstadt Russlands. Doch neben den Plantagen und Teestuben hat sich der Stadtteil von Sotschi als Zentrum der Partyszene und des Nachtlebens etabliert und zieht besonders auch junge Menschen an. Hier, auf der Datscha Botscharom Rutschei, ist auch der Landsitz des russischen Präsidenten.

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