In Bogotá

Der eklige Grund, warum dieses Luxushotel verlassen wurde

Das Hotel del Salto war einst das berühmteste Gästehaus in ganz Kolumbien. Dann musste es schließen. Angeblich, weil es von Geistern heimgesucht wurde. Doch der wahre Grund für sein Ende war ein anderer. Ein viel dramatischerer...

Von Robin Hartmann

Besuchern der spektakulären Tequendama-Wasserfälle in der Nähe der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wird es sofort auffallen: ein Gebäude, das majestätisch über einem Hang thront. Neugierige werden bald herausfinden, dass es sich dabei um das Museum für Biodiversität und Kultur handelt – doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn fast 20 Jahre lang stand der riesige, einem Schloss ähnliche Komplex leer, scheinbar fluchtartig verlassen, erstarrt und von der von Natur langsam überwältigt. 

Noch heute ist das Hotel del Salto eine Attraktion

Foto: Wikipedia / Petruss / CC BY-SA 3.0

Nur wer nachfragt, wird die tragische Geschichte hinter dem heutigen Museum erfahren – die Geschichte eines Horror-Hotels, das einst als eines der besten in ganz Kolumbien galt.

Doch der Reihe nach. Im Jahr 1923 baut sich der Architekt Calos Arturo Tapias in den Bergen nahe Bogotá, gegenüber der 151 Meter hohen Tequendama-Wasserfälle, ein Haus, wie man es bis dato in Kolumbien noch nicht gesehen hatte: riesige verglaste Fensterfronten, luxuriöse Zimmer mit Balkon, fast jeder davon mit Blick auf die in die Tiefe rauschenden Kaskaden. Fest an den Hang geschmiegt, scheint das Gebäude der Natur trotzen zu wollen, als wäre es eine Manifestation des Sieges des Menschen über seine Umwelt.

Glamour und Geistergeschichten

Nur die Reichsten haben hier Zutritt, feiern hinter gut verschlossenen Türen pompöse Partys. Das Haus wird zum Treffpunkt der High Society, und so kommt Tapias 1928 auf die Idee, anzubauen und sein Zuhause in ein Hotel zu verwandeln. Das Gästehaus wird ein bombastischer Erfolg, immer mehr Menschen zieht es dorthin, jeder will ein bisschen von dem Luxus kosten. 60 Jahre lang ist das Hotel del Salto, wie Tapias es nennt, der Laufsteg der Elite des Landes, bis es in den frühen 1990er-Jahren scheinbar von einem Tag auf den anderen schließt.

Doch was ist hier passiert? Warum schloss das Hotel so plötzlich und offenbar überstürzt seine Pforten? Für einige Zeitungen war die Antwort schnell gefunden: Angeblich solle es im Hotel del Salto spuken, Geister hätten Besucher immer wieder heimgesucht und sie so in die Flucht getrieben. Einige ziemlich reale, tragische Begebenheiten, die sich in der Nähe des Gebäudes abspielten, nährten dieses Ammenmärchen.

Aus diesen Fenstern blickte einst die High Society herab

Foto: wikipedia / Pedro Felipe / CC-BY- SA-3.0

Todesfälle und verseuchtes Wasser

Über die Jahrzehnte stürzten hier einige Menschen von den Wasserfällen in den Tod, inspiriert von einer einer indianischen Legende: Demnach seien die Indios auf der Flucht vor den spanischen Eroberern über den Rand der Klippen bei Tequendama gesprungen und hätten sich bei ihrem Sprung in Adler verwandelt, sodass sie sicher und von den Feinden unbehelligt in die Freiheit gleiten konnten. Ein fataler Irrglaube.

Die Natur hat sich die Mauern zurückerobert

Foto: wikimedia /ArturoAparicio / CC-BY-SA-4.0,3.0,2.5,2.0,1.0

Ein anderes, ganz reales Drama, dürfte aber viel eher der Grund für die Schließung des Horror-Hotels gewesen sein: der unerträgliche Gestank. Denn die Tequendama-Wasserfälle werden vom Río Bogotá gespeist, der als einer der verseuchtesten Flüssen auf dem ganzen Planeten gilt.

Abfälle und Fäkalien der etwa acht Millionen Einwohner im Großraum Bogotá wie auch der dort ansässigen Industrie werden bis heute ungefiltert einfach in den Fluss geleitet. Es gibt zwar eine Kläranlage, doch die ist völlig überlastet. Es wird geschätzt, dass mehr als 300 Millionen Tonnen ungeklärter Abwässer im Río Bogotá landen. Die Folge ist eben jener nasenbetäubende Gestank, weshalb Tourismusseiten im Internet sogar bis heute empfehlen, sich vor dem Besuch der Tequendama-Wasserfälle mit Eukalyptus-Erkältungssalbe einzureiben.

Erst Verfall, dann neuer Glanz

So also verfiel das Hotel del Salto seit seiner Schließung Anfang der 90er-Jahre zusehends. Die Natur eroberte sich das Gebäude trotz des Gestanks zurück. Der Putz bröckelte von den Wänden, und Moos und andere Pflanzen wuchsen einfach wild in den einst so prunkvollen Räumen.

Doch 2011 nahm sich das Kolumbianische Institut für Naturwissenschaften gemeinsam mit der Ecological Farm Foundation von Porvenir des Gebäudes an. Man begann, das einstige Horror-Hotel in ein Museum zu verwandeln, das als ein nationales Symbol des kulturellen Erbes und der Renaturierung heute in neuem Glanz erstrahlt. Die einst rosafarbene Fassade wurde in einem makellosen Weiß gestrichen, die überwucherten Zimmer und Flure aufwendig renoviert.

Im Nebel verbirgt sich der einstige Schauplatz von Glamour-Partys

Foto: Flickr / Grace Lillo / CC BY 2.0

Und so kommen heute wieder gerne Menschen in das Museum, das einst das berühmteste Gästehaus Kolumbiens war, bevor es zum Horror(gestank)-Hotel wurde. Dennoch raten Tourismusseiten im Netz immer noch zur Vorsicht: Die Straße, die zum heutigen Tequendama Falls Museum führt, ist berüchtigt für unberechenbare Erdrutsche, und eine der Warnungen im Netz lautet denn auch: „Be sure you are back in town before night falls.“ („Sei vor Einbruch der Nacht wieder zurück in der Stadt”). Ein wenig von seinem Schrecken hat sich das ehemalige Hotel del Salto also bis heute bewahrt.

Weitere Artikel von Robin Hartmann finden Sie auch auf seinem Blog „Gipsytrips“.

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