Kritik nimmt zu

Beherbergungsverbot in Deutschland – was spricht dafür, was dagegen?

Immer mehr Regionen in Deutschland gelten als Corona-Risikogebiete
Immer mehr Regionen in Deutschland gelten als Corona-Risikogebiete
Foto: dpa picture alliance

Reisende aus Risikogebieten in Deutschland dürfen nicht mehr überall über Nacht bleiben, weil es das Beherbergungsverbot gibt. Aber genau das steht immer mehr in der Kritik. Was dafür und was dagegen spricht – und was für Urlauber mit bestehenden Buchungen gilt.

Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten haben es aktuell nicht leicht. Wer aus einem dieser Gebiete kommt, kann nur in vier Bundesländern Urlaub machen: Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Die Regelung soll die weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern. Doch nun mehrt sich die Kritik.

So sprach sich etwa der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach mehrfach gegen das Beherberungsverbot aus. „Keine Studie zeigt, dass das Reisen innerhalb Deutschlands ein Pandemietreiber ist. Ich löse mit diesen Regeln also kein Problem, weil es da kein Problem gibt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Auf Twitter riet er hingegen dazu, große Feiern und Veranstaltungen zu verbieten, weil diese ein höheres Risiko darstellen.

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Zuspruch bekommt Lauterbach unter anderem vom Deutschen Städtetag, dessen Präsident sagte, das Verbot sei nicht durchdacht und es gebe keine Hinweise darauf, dass Hotels oder der Verkehr mit Bus und Bahn Hotspots seien. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sagte gegenüber BILD sogar, dass er noch in dieser Woche Klagen gegen das Beherbergungsverbot erwarte.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) verteidigt das Verbot allerdings. Es sei eine „echte Notfallmaßnahme“ und er habe Verständnis dafür, wenn sich einzelne Länder schützen wollten, sagte er in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Braun: „Mecklenburg-Vorpommern hat als Ganzes eine Inzidenz von etwas um die 5, und Berlin über 60. Wenn es zu solchen Unterschieden im Infektionsgeschehen kommt, ist glaube ich ganz klar, dass jeder sich schützen will, und dann ist so was am Ende unvermeidlich.“

Nach Angaben von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sei die das Beherbergungsverbot eine „Sicherheitsmaßnahme, eine Notmaßnahme“, wie er in den ARD-Tagesthemen sagte. „Wir sind eigentlich zu früh zu hoch mit den Zahlen, und wir müssen jetzt die Situation sehr ernst nehmen, damit wir keine unkontrollierte Ausbreitung bekommen“. Und weiter: „Deshalb ist es gut, wenn wir jetzt gemeinschaftlich überlegen, wie wir einheitliche Regeln haben, die in der Tat für alle in Deutschland verständlich und anwendbar sind.“

Wann bekommen Urlauber Geld vom Hotel zurück?

Urlauber bekommen ihr Geld vom Hotel zurück, wenn sie aus einem Gebiet mit hohen Corona-Infektionszahlen kommen und wegen des bundesweiten Beherbergungsverbots jetzt Inlandsreisen absagen müssen. Eine Beherbergung sei aufgrund der Neuregelung nun nicht mehr möglich, sagte der Reiserechtler Paul Degott. Daher gebe es bereits angezahltes Geld in diesem Fall zurück, und es fielen auch keine Stornogebühren an.

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Dies gelte nicht nur für gebuchte Hotelübernachtungen, sondern auch bei Urlauben in Ferienwohnungen und Ferienhäusern, sagte Degott. Es ist also egal, ob Urlauber im Haus einer großen Hotelkette oder bei einem kleinen, privaten Vermieter von Ferienwohnungen gebucht haben. Anders sähe es aus, wenn eine Anreise und Unterbringung weiterhin möglich wären, weil es nur eine Quarantänevorschrift am Reiseziel gibt, aber kein Beherbergungsverbot. In einem solchen Fall müsste der Gast zahlen, sofern keine kostenlose Stornierung mehr möglich ist.