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Umweltkatastrophe vor der türkischen Küste

Forscher sicher: Der „Meeresrotz“ hat das Marmarameer nachhaltig zerstört

Schleimplage Türkei
Schleimplage in der Türkei: Eine dicke Schicht von Meeresschleim bedeckte noch bis August das Marmarameer am Fischerhafen von Kartal, auf der asiatischen Seite IstanbulsFoto: dpa picture Alliance

Meeresrotz, Meeresschleim: Die Namen sind so unappetitlich wie treffend. Das türkische Marmarameer wurde im Juni von der Plage befallen. Das Phänomen war menschengemacht – und hat nun fatale Konsequenzen.

Im Juni 2021 waberte eine dickflüssige Grütze an der Wasseroberfläche des Marmarameers. Das Binnenmeer in der Türkei war von einer durch Algen ausgelösten Schleimplage befallen. Der Schleim ist Ausscheidungsprodukt mancher Algen und treibt an der Meeresoberfläche, aber auch darunter. Die Plage war ein Zeichen dafür, dass das Meer unter hohem Stress stehe, sagte schon damals Bayram Öztürk, Biologe bei der Türkischen Stiftung für Meeresforschung und Professor an der Universität Istanbul. Er und weitere Experten forderten rasches Eingreifen und warnten vor dramatischen Konsequenzen – die nun eingetreten sind.

Denn durch den Schleim konnten weiche Korallen nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, nämlich das Wasser zu filtern. Das war vor allem für das Zooplankton, von dem sich viele Fische ernähren, fatal. Die Folge: Ein Massensterben der Meereslebewesen. „Insgesamt sind bereits 60 Prozent der Spezies verschwunden“, zitiert der Spiegel den Hydrobiologen Levent Artuz zur aktuellen Lage im Maramarmeer. Auch wenn der Schleim seit August nicht mehr sichtbar ist, sei er nicht verschwunden, sondern lediglich abgesunken. Nun zersetzt er sich am Meeresboden – ein Vorgang, der vor allem negative Folgen für alle Organismen hat, die auf dem Meeresboden leben. Dazu gehören etwa Muscheln, deren Wachstum verlangsamt wird, wenn sie unter einer Schleimschicht liegen, bestätigt auch Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Odtü-Universität. Doch es wird noch schlimmer. Denn das Zersetzen kann auch dazu führen, dass sich wieder neuer Meeresschleim bildet. Ein Teufelskreis.

Wie kam es überhaupt zu der Schleimplage in der Türkei?

Die Algen vermehren sich durch höhere Temperaturen, sagt Ekin Akoglu. Begünstigt wurde die Schleimbildung auch durch unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird. Die Küste des Binnenmeeres ist dicht besiedelt. An ihr liegen neben der 16-Millionen-Metropole Istanbul etwa Großstädte wie Bursa.

Auch im nordägäischen Meer und im westlichen Schwarzen Meer breitete sich der Schleim aus. Forscher wie Bayram Öztürk warnen übrigens schon seit den Achtziger Jahren vor dem Meeresschleim. Bewirkt habe das bisher nichts. Nun bleibt abzuwarten, ob das Massensterben im Marmarameer etwas daran ädnert.

Lage des Marmarameeres in der Türkei

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Quellen

mit Material der dpa

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