Beelitz-Heilstätten

Deutschlands gruseligstes Krankenhaus

Die Beelitz-Heilstätten waren einst Deutschlands Vorzeige-Tuberkuloseklinik – heute sind die verfallenen Gebäude nur noch ein Magnet für Fans verlassener Orte. Doch es gibt wieder Hoffnung dank einiger ungewöhnlicher Ideen. Was aus den Heilstätten werden soll.

Von Robin Hartmann

Wer die Beelitz-Heilstätten betritt, glaubt kaum, dass er sich in einem ehemaligen Vorzeige-Krankenhaus befindet. Die Gebäude verfallen, die Wände sind mit Graffiti überzogen, die Fenster entweder vernagelt oder eingeworfen. Regen tropft durch die Dächer, sodass bei Unwetter in den einst so prunkvollen Räumlichkeiten Pfützen von dreckigem Wasser stehen. An den Eingangsbereich der Notaufnahme hat jemand ein Pentagramm geschmiert, und von den Wänden bröckelt der Putz – die verlassenen, riesigen Räume und Hallen wirken, man kann es nicht anders sagen, wahrhaft gespenstisch. Und tatsächlich sind hier in der Vergangenheit teils gruselige Dinge geschehen.

In diesem Raum wollen Geisterjäger besonders starke Spuk-Aktivitäten gemessen haben

Foto: Getty Images

Dabei waren die Heilstätten einst ein mustergültiger Betrieb, in dem die Landesversicherungsanstalt Berlin von 1898 bis 1930 eine Tuberkulose-Klinik betrieb. Es war der Kampf gegen eine verheerende Krankheit, die vor allem aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände in den Berliner Mietskasernen immer mehr um sich griff und außer Kontrolle zu geraten drohte – allein im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ging bereits jeder dritte Todesfall auf Tuberkulose zurück. Und so entstand mit den Beelitz-Heilstätten im Laufe der Jahre ein moderner Klinik-Komplex mit bis zu 1200 Betten, eigenen Waschhäusern und einem Heizhaus, sogar ein Badehaus und eine klinik-eigene Kirche gab es.

Verwüstung und Zerstörung durch zwei Kriege

Dann brach der Erste Weltkrieg los, und das Militär zweckentfremdete die Einrichtungen als Lazarett für verwundetet Soldaten – mehr als 12.500 Mann sollen bis Kriegsende hier versorgt worden sein, die Dunkelziffer der Toten ist unbekannt. Auch Adolf Hitler wurde als Gefreiter hier behandelt.

Im Jahr 1920 war die Zahl der Behandlungsanfragen so groß, dass man nur noch Frauen und Kinder aufnehmen konnte. Eine Sensation war damals eine Art Klimaanlage, die saubere Luft aus dem Wald über Rohre direkt in die Krankenzimmer pusten konnte.

Doch dunklere Zeiten kündigten sich bereits an, als der Komplex nach dem Zweiten Weltkrieg zum militärischen Sperrgebiet erklärt und von der Sowjetarmee besetzt wurde. Er war damals das größte russische Militärhospital außerhalb der Sowjetunion. Auch hatte der Krieg Verwüstungen an den Heilstätten hinterlassen, so war die Kirche zerbombt und auch das ehemalige Ärzte-Wohnhaus nur noch eine Ruine (die übrigens bis heute steht).

Ein von den Sowjets hinterlassenes Denkmal

Foto: dpa picture alliance

Satanische Messen und zwei grausame Mordfälle

Seit 1994 liegt der Großteil des Geländes brach – und die Einrichtungen verfallen: Diebe haben bereits so viel Metall aus den denkmalgeschützen Wänden gerissen, dass die Gebäude bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet sind. Immer wieder finden illegale Partys statt, angeblich auch Geister-Séancen und satanische Messen.

Beklemmend und finster wirken die Heilstätten angesichts ihres Verfalls. Fast zwangsläufig glauben manche, Unheimliches zu vernehmen. Besucher berichten von Schritten in den Gängen, sich wie von Geisterhand öffnenden Türen und sogar von Schreien aus dem Chirurgie-Gebäude. In Internetforen werden diese Themen heiß diskutiert.

Investor Hans-Georg Hoffmann, Geschäftsführer der HPG Projektentwicklungs GmbH, verweist solche Geschichten aber energisch ins Reich der Märchen: „Natürlich hat es hier nie Geister gegeben, aber dadurch, dass die Zeitungen das Thema immer wieder hochschreiben, entsteht uns ein enormer wirtschaftlicher Schaden“, so Hoffmann zu TRAVELBOOK. Denn Sensationstouristen aus ganz Europa kämen auf das Gelände der Heilstätten, sogar illegale Führungen habe es hier schon gegeben. Dabei käme es auch immer wieder zu mutwilligem Vandalismus. Hoffmann fordert daher solche Leute vehement auf, den Heilstätten fernzubleiben, notfalls werde man auch die Polizei gegen Störenfriede einsetzen – ein firmeneigener Wachdienst patroulliert bereits.

Unbefugte dürfen die Anlage nicht betreten, dennoch kommen immer wieder sogenannte „Urban Explorer“ her, um den Klinik-Komplex zu fotografieren

Foto: dpa picture alliance

Ganz real, und daher umso grausamer sind zwei Mordfälle, die sich hier auf dem Gelände der Beelitz-Heilstätten ereignet haben. Der erste geschah 1991, als ein Serienmörder, der als „die Bestie von Beelitz“ schaurige Berühmtheit erlangte, in den Wäldern um die Klinik herum die Frau eines russischen Chefarztes und deren Baby ermordete. Die Mordserie des ehemaligen Polizisten wurde sogar in Dokumentarfilmen und Theaterstücken festgehalten. 2008 dann erwürgte ein Hobby-Fotograf in einem ehemaligen Pförtnerhaus ein Fotomodell, das er im Internet kennengelernt hatte.

Im Mai 2010 stürzte hier außerdem ein 25-jähriger Mann aus dem vierten Stock zu Tode, nur wenige Tage später wurde ein 32-Jähriger schwer verletzt geborgen, nachdem er in einen Schacht gefallen war.

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Hoffnung für Deutschlands unheimlichste Klinik

Trotz der düsteren Vergangenheit soll es für Deutschlands unheimlichste Klinik eine Zukunft geben: Der Immobilienentwickler Frank Duske hat sich des Komplexes angenommen und plant, den Quadrant D der ehemaligen Lungenheilanstalt zu einem „Creative Village“ umzubauen, mit 6200 Quadratmeter Nutzfläche und 46 Ateliers für Kreative. „Die Genehmigungsplanung ist abgeschlossen und die Vergabe voll im Gange. Die erste Baugenehmigung wurde mittlerweile erteilt, die ersten Atelierwohnungen sollen im Frühjahr 2017 bezugsfertig sein“, heißt es auf der Webseite zum Projekt „Refugium Beelitz-Heilstätten“. Das  Interesse sei groß, erklärte Frank Duske auf TRAVELBOOK-Nachfrage, und es gebe ein großes Feedback.

Im Spätsommer 2015 hat auch Hans-Georg Hoffmann hier für eine Millionensumme den Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ installiert – den ersten seiner Art in Brandenburg: 20 Meter hoch, mit einem noch einmal doppelt so hohen Aussichtsturm und einer Hängebrücke über der Ruine des ehemaligen Frauensanatoriums. Nach vollständiger Fertigstellung soll die Strecke stolze 1000 Meter umfassen. Das Projekt schließt die Sanierung der denkmalgeschützten Häuser im Quadrant A ein und widmet sich dem „sanften Tourismus“.

Es scheint also, als wäre nun endlich Leben in diesen verlassenen Ort gekommen – womit die Gruselgeschichten und die negative Publicity rund um die einstige Vorzeigeklinik auch ein Ende finden werden.

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