Deutschlands bizarrste Baustelle

Nazi-Ruine auf Rügen wird jetzt Luxus-Resort

Vor 79 Jahren begannen die Nazis auf der Insel Rügen mit dem Bau eines gigantischen Ferienkomplexes für 20.000 Menschen. Doch die „KdF“-Anlage wurde nie fertig, der „Koloss von Prora“ verfiel teils, wurde umgebaut oder verkauft. Vor einigen Jahren wurde hier eine Jugendherberge eröffnet. Nun entstehen in Block 2 Luxus-Ferienwohnungen mit Zugang zu einem riesigen Spa-Bereich.

1936 begann Hitlers Regierung mit dem Bau einer gigantomanischen Ferienanlage auf der Ostseeinsel Rügen. Es sollte ein „Kraft durch Freude“-Ferienparadies für 20.000 so genannte „Arier“ aus dem ganzen Deutschen Reich werden, damit sie sich im Urlaub entspannen, kennen lernen und – „reinrassig“ vermehren.

Für das „KdF“-Seebad Prora nahe dem historischen Ostseebad Binz wurden acht identische Häuserblocks gebaut, die sich auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern entlang der Küste mit traumhaftem Ostseeestrand aneinander reihen. 10.000 kleine Zimmer waren hier eingeplant, nur 2,5 mal 5 Meter groß und mit Lautsprechern versehen. Alle sollten Meerblick haben.

Gemeinschaftliche Liegehallen innerhalb der Bettentrakte, offen und beheizbar, sollten den Urlaub auch bei Wind und Regenwetter attraktiv machen. Geplant waren außerdem ein Kino, zwei Wellenschwimmbäder, etliche Gaststätten und zentrale Kaianlagen für Ausflugsboote. In der Mitte zwischen den Blocks sollte ein großer Aufmarschplatz entstehen.

Prora aus der Vogelperspektive: Die Nazi-Ruine erstreckt sich über 4,5 Kilometer

Foto: dpa Picture Alliance

Das größenwahnsinnige Projekt war ein Hingespinst eines Architekten mit dem passenden Namen Clemens Klotz (1886–1969), der schon vorher Nazi-Propagandagebäude entworfen hatte. Die Baukosten wurden 1938 auf 237,5 Mio. Reichsmark geschätzt (heutiger Gegenwert ca. 1 Mrd. Euro).

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Doch dann stürzte Nazi-Deutschland die Welt in den Krieg. Die Bauarbeiten wurden eingestellt. Die acht Ferienzimmer-Blöcke, die im Rohbau bereits fertig waren, blieben unbewohnbar. Ein Teil der späteren Wohnhäuser, die auch auf der Anlage standen, war im Krieg Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und Polizisten. 1943 wurden Teile des südlichen Blocks ausgebaut, um Unterkünfte für ausgebombte Hamburger zu schaffen. Später gab es in Prora ein kleines Lazarett und Notunterkünfte für Flüchtlinge aus den Ostgebieten.

NVA-Kasernen und Ferienheim

Als ab Mai 1945 die Sowjetunion Rügen kontrollierte, wurde Prora weiterhin zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt, außerdem zur Internierung von enteigneten Grundbesitzern aus Thüringen und als Unterkunft für sowjetische Soldaten. Teile wurden als Kriegsreparationen demontiert, von einheimischen Privatleuten für eigene Bauvorhaben abtransportiert  oder bei Sprengübungen der Roten Armee schwer beschädigt.

In der DDR-Zeit wurde Prora zum Sperrgebiet erklärt und in Teilen als Kaserne ausgebaut, vor allem für die NVA (Nationale Volksarmee). Auf diese Weise beherbergte die Anlage erstmals in ihrer Geschichte 10.000 Menschen. Der südlichste Teil (heute Block I) wurde als „Walter-Ulbricht-Heim“ seiner ursprünglichen Bestimmung als Feriendomizil zugeführt: Hier urlaubten Angehörige von NVA und Grenztruppen.

Verfall und Streit

Nach der Wende 1989 war Prora für zwei Jahre weiterhin Kaserne, diesmal für die Bundeswehr, und wurde dann 1993 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 1994 steht „Der Koloss von Prora“ als eine der größten Hinterlassenschaften des NS-Regimes unter Denkmalschutz.

Ewige Baustelle: Seit 79 Jahren ist Prora im Umbau oder Verfall

Foto: dpa Picture Alliance

Doch an dem Komplex nagen Verfall, Vandalismus und Streit: Bauherren wittern Proras Potenzial als Tourismus-Goldgrube, andere wollen die bewegte Vergangenheit des einzigartigen Baudenkmales und seine historische Bedeutung vermitteln. So die Initiatoren der „Museumsmeile Prora“, die von 1995 bis 2005 im Block 3 bestand, unter anderem mit KdF-Museum, Museum der NVA, Rügen-Museum und diversen Sonderausstellungen. Die Schließung der Museen im Zuge des Verkaufs an die Inselbogen GmbH, die dort Hotelanlagen plant, wurde von Protesten begleitet.

Neue Attraktionen

Heute können Urlauber in der neuen EU-Jugendherberge in Block 5 preiswert übernachten. Die 2011 eröffnete Herberge bietet 402 Betten in 96 Zimmern und einen zugehörigen Campingplatz. Am Zeltplatz steht auch der provisorische Raum des gemeinnützigen Vereins „Prora-Zentrum“, der mit Shows und Rundgängen durch das historische Gelände die bizarre Geschichte des Kolosses vermittelt. Erlebbar macht sie auch das „Dokumentationszentrum Prora“ am Festplatzgelände, das unter anderem eine Dauerausstellung zum „KdF-Seebad Rügen“ zeigt. Die Initiative Denk-MAL-Prora widmet sich ebenfalls der bewegten Vergangenheit des monströsen Komplexes.

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Luxus-Domizile mit Spa

In Block 2 entsteht derweil das 4-Sterne-„Prora Solitaire“ mit luxuriösen Ferienwohnungen, ausgestattet mit Parkett, Fußbodenheizung, Boxspringbetten, Flachbild-TV, edlen Bädern und schicken Küchen. „Die ersten 48 Ferienapartements werden schon im Oktober bezugsfertig und für Urlaubsgäste zu mieten sein“, sagt Manfred Hartwig von der Geschäftsleitung der Berliner Firma Metropole Marketing GmbH auf Anfrage zu TRAVELBOOK. „Von den insgesamt ca. 150 Ferienapartments im Block 2 sind bereits ca. 130 Apartments verkauft. Die Gesamtfertigstellung ist für Sommer 2016 geplant.“

Entwurf einer Maisonette: So luxuriös sollen die neuen Ferienwohnungen werden

Foto: Metropole Marketing GmbH

Dann soll auch der 1.000m² große Spa-Bereich mit Hallenbad, Fitness und mehr fertig sein, der den Gästen kostenlos zur Verfügung steht. Im „Haus Düne 07“ wird sich dann laut Plan „das größte Penthaus auf Rügen“ befinden, so Hartwig: Rund 350m² Wohnfläche wird es zählen, sowie fünf Schlafzimmer und eine eigene Sauna.

Klicken Sie sich auch oben durch unsere Bildergalerie und entdecken Sie Vergangenheit und Zukunft der gigantischen Anlage an der Ostsee!

(mgr)

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