Das dunkle Geheimnis von Daksa in Kroatien

Warum niemand diese Trauminsel will

Seit über einem Jahr wollen Privatbesitzer die kleine kroatische Insel im Adriatischen Meer nun schon verkaufen – vergeblich, denn niemand will hier wohnen. TRAVELBOOK hat in Dubrovnik nachgefragt, woran das liegt – und erfahren, was vor vielen Jahren auf der Insel wirklich vor sich ging.

Alles an Daksa klingt zunächst paradiesisch. Die kleine unbewohnte Insel inmitten der Adria – vor Dubrovniks Hafenstadtteil Gruž gelegen – besticht mit immergrünen Pinien, einem Orangenhain und traumhaftem Badestrand. Und das beste: Diese Naturschönheit steht zum Verkauf. Nur, niemand will sie haben.

Bereits vor über einem Jahr berichteten zahlreiche Medien, etwa das britische Nachrichtenportal „Daily Mail“, vom Verkauf der Insel. Die Privatbesitzer Nila Perica Dusilo Florshutz und Franica Dusilo Cavich bieten Daksa für rund 2 Millionen Euro an – bisher vergeblich. Das bestätigt das Tourismusbüro von Dubrovnik auf TRAVELBOOK-Nachfrage. Abgesehen von einigen Fischern und Touristen verirrt sich heute niemand für längere Zeit auf die kleinste Insel der Elaphiten (Hirschinseln).

Schaut man von oben, hat die Insel die Form eines Bumerangs

Foto: Dubrovnik Tourist Board

Nur wenige Gebäude zeugen überhaupt von einer Nutzung des Eilands vor der kroatischen Küste. Dazu gehören das Franziskanerkloster der Heiligen Sabina von 1281 – eines der ältesten in der Gegend um Dubrovnik und einst Treffpunkt für Gläubige aus ganz Europa. Daneben finden sich auch Ruinen eines Turms, der als Festung und Glockenturm diente, sowie ein Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert. Heute ist die Insel unbewohnt.

Doch warum lässt sich auf diesem kleinen Inselparadies niemand nieder? Grund dafür ist ein historischer Vorfall, der nun mehr als 70 Jahre zurückliegt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im Oktober 1944, wurde Dubrovnik – besetzt von deutschen Truppen – von jugoslawischen Partisanen befreit. Alle als Sympathisanten der Nationalsozialisten verdächtigten Personen wurden festgenommen und gefoltert, heißt es auch vom hiesigen Tourismusbüro.

Insgesamt wurden schließlich 53 von 300 Gefangenen nach Daksa gebracht und ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet, darunter auch Geistliche und der damalige Bürgermeister der Stadt. In einer Mitteilung an die Bevölkerung hieß es, die Exekution sei „im Namen des jugoslawischen Volkes“ durchgeführt worden. Ohne jegliche Bestattung wurden die Leichen auf der Insel zurückgelassen. 

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Ein einsames Segelboot vor Daksas Klippen

Foto: dpa Picture-Alliance

Damalige Bewohner berichteten vom nächtlichen Maschinenpistolenfeuer, das man bis nach Gruž hören konnte. Manche Gefangene wurden in den Zypressen erhängt oder nach Šipan, der größten der Elaphiteninseln, gebracht – und mussten sich dort ihrem Todesurteil ergeben. Einige wurden einfach die Klippen hinuntergestürzt, bis in den Hafen von Dubrovnik spülten die Wellen ihre Leichen.

Schließlich war es bis 1990 noch strikt verboten, die Insel zu besuchen. Noch heute sollen sich Dubrovniks Bewohner erzählen, dass die Geister der Exekutierten die Insel des Nachts heimsuchen würden, meldet das Nachrichtenportal Croatiantimes.com. „Bis heute ist es immer noch ein kontroverses Thema. Allerdings sind die Leichen 2010 exhumiert und beerdigt worden“, erzählt Mirna Bender, Marketing Managerin der Kroatischen Zentrale für Tourismus.

Interessierte Besucher können die Insel mit einer Bootstour erreichen. Laut Dubrovniks Touristenzentrum werden Ausflüge zur Insel etwa vom Hotel Petka und dem Hotel Lapad angeboten.

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