Türkei, Dubai, etc.: Reisen im Ramadan

13 Dinge, die Sie über die Fastenzeit der Moslems wissen sollten

Es ist wieder Ramadan – und wer in diesen Tagen in ein muslimisches Land fährt, erlebt dieses von einer ganz besonderen Seite. Allerdings gibt es einiges, was Touristen wissen sollten. TRAVELBOOK hat die wichtigsten Fakten und Tipps zusammengestellt.

Als hätte jemand das Tempo der Stadt gedrosselt. Alles bewegt sich etwas langsamer als sonst: die Fußgänger, die Taxis, die Busse, die Fähren. Es ist Ramadan in Istanbul und das Ziel an diesem Abend Sultanahmet. Hier, unterhalb der Blauen Moschee, treffen sich die Gläubigen zum Fastenbrechen. Und auch Touristen sind an den langen Tafeln willkommen.

Es erinnert ein wenig an einen Weihnachtsmarkt. Bunte Buden reihen sich aneinander. Es gibt Zuckerwatte und Kandiertes, bunte Lutscher und siruptriefendes Gebäck. Nippes wird verkauft und Handgemachtes. An einem der Stände kann man sich ein Sultansgewand umhängen, einen Turban auf das Haupt setzen und so verkleidet fotografieren lassen. Der Andrang ist groß.

Istanbuls Stadtteil Sultanahmet während des Ramadan

Foto: dpa

In großen Zelten sind die Tische schon für das Iftar-Menü gedeckt, das allabendliche Fastenbrechen. Wasser, Brot und Ayran stehen griffbereit in deren Mitte, Gläubige und Touristen sitzen auf Plastikstühlen und warten darauf, endlich essen zu dürfen. Der Kellner serviert schon mal die Suppe, obwohl der Muezzin noch lange nicht gerufen hat – es ist die typische Ramadan-Suppe, duftend dampft sie den Gläubigen entgegen.

Dann, endlich, geht es los. Der Muezzin ruft. Doch nicht nur er. Überall fangen die Handys an zu klingeln, zu piepen, zu zwitschern. Manche singen sogar wie der Muezzin. Die Iftar-Gäste greifen zu den Wasserflaschen und leeren sie in einem Zug. Sie greifen den Ayran und leeren ihn in einem Zug. Sie löffeln die Suppe aus, essen das Schälchen mit dem Kebap leer, das der Kellner ausgeteilt hat, nehmen vom Reis und vom Brot. Sie schaufeln, ohne zu reden.

Wer fertig ist, steht auf und verschwindet. Oder atmet tief durch und lässt entspannt den Blick schweifen über die Tafeln, die Gäste, die Touristen. Der Abend kann beginnen.

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Was Reisende beachten sollten

Keine Frage, den Ramadan in einem muslimischen Land zu verleben, ist ein einzigartiges Erlebnis. Die Nacht wird zum Tag – und tagsüber wiederum ist alles ein bisschen anders als sonst. Allerdings gibt es einiges, was Touristen wissen sollten. TRAVELBOOK hat die wichtigsten Fakten (rechts) und Tipps zusammengestellt:

1. Reisende sind laut Koran vom Ramadan ausgeschlossen – und Reiseführer auch. Also nicht wundern, wenn der einheimische muslimische Reiseleiter ganz normal isst und Wasser trinkt wie die westlichen Touristen auch.

2. Wer während des Ramadan in ein muslimisches Land reist, sollte es vermeiden, in der Öffentlichkeit zu essen, zu trinken und zu rauchen – zwar wird das in vielen Ländern toleriert, wie etwa in der Türkei oder Tunesien, aber manche Muslime nehmen es einem Nichtmuslim übel, wenn er vor ihren Augen isst oder trinkt. Um Konflikte zu vermeiden, sind in den traditioneller geprägten islamischen Ländern außerhalb der Hotels tagsüber alle Restaurants geschlossen.

Die Kommerzialisierung macht auch vor dem Ramadan nicht halt – Schaufenster in Dubai

Foto: getty

3. Vorsicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Hier ist öffentliches Essen, Trinken, Rauchen, sogar in Fahrzeugen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auch für Nichtmuslime bei Strafe verboten. Selbst Kaugummikauen ist dann strafbar.

4. Auch wird Touristen empfohlen, sich im Ramadan etwas konservativer zu kleiden – aus Rücksicht und Respekt den Gastgebern gegenüber. Frauen sollten möglichst dezente, langärmelige Kleidung tragen, Männer auf das Tragen kurzer Freizeitkleidung verzichten.

5. Damit die Gläubigen vor dem Ruf des Muezzin wach werden – und danach dürfen sie nichts mehr zu sich nehmen –, ziehen oft Musiker in aller Früh durch die Straßen. Wer innerstädtisch wohnt, sollte sich also nicht wundern, wenn er früh geweckt wird.

6. Während des Ramadan schließen Museen oder Ausgrabungsstätten womöglich früher als gewöhnlich. Am besten plant man den Besuch am Vormittag.

Ramadan-Suppe

Foto: getty

7. Auch Ämter und Geschäfte schließen früher. Nach Feierabend werden alle versuchen, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen – oder zum verabredeten Iftar-Dinner mit Freunden oder Geschäftsleuten. Was dann auf den Straßen los ist, ähnelt etwa dem, was hierzulande vor einem frühen WM-Spiel zu beobachten ist: Die Straßen sind voll, die Fahrer, nun ja, nicht unbedingt die aufmerksamsten.

8. Statistiken belegen eindeutig eine erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit während des Fastenmonats. Wenn es möglich ist: in großen Städten lieber zu Fuß gehen oder Straßen- oder U-Bahnen benutzen.

9. In vielen Hotels und Restaurants werden während des Ramadan Sondermenüs angeboten oder große Büfetts aufgebaut. Auch Touristen sind dann willkommene Gäste. Wer privat zum Iftar eingeladen wird, sollte sich das nicht entgehen lassen.

10. Nach dem Essen wird es trubelig auf den Straßen – und die Nacht wird zum Tag. Man trifft sich, kauft ein, und viele Geschäfte und Basare sind bis Mitternacht geöffnet. Die Läden sind dann oft brechend voll, angeblich machen die Händler im Ramadan die besten Umsätze im ganzen Jahr.

Basar in Singapur während des Ramadan

Foto: getty

11. Alkohol ist in muslimisch geprägten Ländern ohnehin oft schwer zu bekommen. In vielen Ländern bekommt man während des Ramadan allerdings gar keinen Alkohol ausgeschenkt.

12. Nicht wundern, wenn es in den arabischen Ländern, die für ihre Gastfreundschaft doch bekannt sind, während des Ramadan auch mal unfreundlich und ruppig zugeht. Vor allem in den Nachmittagsstunden sind viele Menschen etwas gereizt. Kein Wunder: Sie sind früh aufgestanden und haben seit Sonnenaufgang weder gegessen noch getrunken.

13. Vermutlich ist eine gewisse Gereiztheit oder Müdigkeit denn auch das Einzige, was Sie vom Ramadan mitbekommen – sofern Sie in einer Hotelanlage Urlaub machen. Ansonsten verhalten sich die Angestellten für gewöhnlich ganz normal.

Was ist Ramadan?

Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islam und gehört zum festen Bestandteil des muslimischen Lebens. Während des Ramadan offenbarte der Erzengel Gabriel nach islamischer Überlieferung dem Propheten Mohamed die 114 Suren des Korans.

Nach dem Frühstück vor Sonnenaufgang dürfen die Gläubigen erst wieder etwas zu sich nehmen – Essen, Getränke, Zigaretten –, wenn die Sonne untergeht. Daneben sollen die Gläubigen sich die ganzen dreißig Tage des Ramadan von Sünde freihalten und von vermeintlichen Abhängigkeiten lossagen. Fasten, so heißt es, fördert die Selbstbeherrschung sowie die Konzentration auf das Wesentliche, es schärft das Gewissen und vergrößert die Widerstandskraft.

Im Gegensatz zu dem Fasten im christlichen oder heilenden Sinn wird im Islam nicht am Ende der Fastenzeit, sondern jeden Abend das Fasten gebrochen. Sobald die Sonne untergegangen ist, darf gegessen werden. Iftar, nennt sich das Fastenmahl. Der Muezzin ruft, wenn es soweit ist. Manche lassen sich auch über eine entsprechende App informieren.

Ramadan heißt aus dem Arabischen übersetzt soviel wie ‚brennende Hitze‘ und ‚Trockenheit‘ – und beschreibt vermutlich genau, wie es sich anfühlt, wenn man bei Außentemperaturen von 30 bis 40 Grad kein Wasser trinken darf.

Wann ist Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Im Gegensatz zur üblichen Praxis der Verwendung des Sonnenkalenders, benutzen die Muslime einen reinen Mondkalender. So verschiebt sich der Monat Ramadan 10 oder 11 Tage pro Jahr nach vorne und durchschreitet allmählich alle Jahreszeiten.

Wer ist zum Fasten verpflichtet?

Die Pubertät kennzeichnet die Mündigkeit im Islam. Kinder, die noch nicht die Pubertät erreicht haben, sollen aber so viele Tage fasten, wie sie können – um sich langsam daran zu gewöhnen. Denn ab der Pubertät ist jeder Muslim, jede Muslime, sofern sie geistig zurechnungsfähig ist, verpflichtet, zu fasten.

Allerdings: Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und ähnliche Personengruppen sind von dieser Pflicht ausgenommen.
Weitere Ausnahmen: Es gibt unter manchen Umständen die Möglichkeit, das Fasten zu unterbrechen, und die versäumten Tage später nachzuholen – wie es zum Beispiel bei den algerischen Fußballspielern bei der WM der Fall war.

Impressionen von Ramadan-Festen weltweit finden Sie oben in der Bildergalerie!


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