Hacienda Nápoles

Das wurde aus Pablo Escobars legendärer Protz-Farm

Drogenbaron Pablo Escobar ließ sich bereits zu Lebzeiten die Hacienda Nápoles als Monument seines eigenen Größenwahns bauen. Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod ist sein riesiges Anwesen fast lebendiger als je zuvor. Dafür sorgen ein paar ausgebüchste Dickhäuter – und nicht zuletzt die aktuelle Netflix-Serie „Narcos“, die das Leben des Drogenbosses erzählt.

Von Robin Hartmann

Wir schreiben das Jahr 1978, als ein damals 30-jähriger Mann in Kolumbien seine schier unfassbare, Tod bringende „Karriere” beginnt, im Verlaufe derer Tausende unschuldiger Menschen ihr Leben verlieren und er selbst zu einem der reichsten und mächtigsten Männer der Welt werden sollte: Pablo Emilio Escobar Gaviria stand da zwar erst am Anfang seiner Laufbahn als einer der später gefürchtetsten Drogenbosse aller Zeiten steht, doch er ist bereits für zahlreiche krumme Geschäfte und Morde verantwortlich. Es war schon früh klar, dass El Patron del Mal (zu deutsch: Der Herr des Bösen) oder El Capo, wie er auch genannt wird, ein Mann ist, der sich mit aller Gewalt nimmt, was er will. Und zwar wann und wo immer es ihm passt.

Verfilmt wurde das Leben von Pablo Escobar unter anderem in der Serie „Narcos“ mit Wagner Moura in der Hauptrolle

Foto: dpa

Logisch, dass ein solcher Mann ein Zuhause brauchte, das seine Vormachtstellung auf eindrucksvolle und unmissverständliche Art und Weise repräsentiert und allen anderen zu verstehen gibt: Der Boss (El Capo) bin ich! Escobar entschied sich für ein Anwesen in Puerto Triunfo, umgeben von einem Grundstück von sage und schreibe knapp 3000 Hektar Fläche.

Doch wer ein echter „Narco” (frei übersetzt: Drogenhändler) wie er ist, der macht hier natürlich nicht Halt, im Gegenteil: Fast unmittelbar nach dem Erwerb der „Hacienda Nápoles” begannen die Bauarbeiten. Escobar setzte sein damals bereits schier unermessliches Vermögen ein, um auf dem Gelände einiges anzubauen: eine Flugzeuglandebahn, unzählige Luxuswohnungen für namhafte Gäste, mehr als zwanzig künstliche Seen, Heliports, Flugzeug-Hangars, Stallungen für Pferde, ein Dinopark und eine eigene Stierkampfarena, die heute Teil eines Themenparks sind.

Auch ein „Afrikanisches Museum“ gehörte bald zur Anlage

Foto: getty images

1700 Bedienstete und ein eigener Zoo

Bald gab es auf der gesamten Fläche verteilt alles in allem wohl zehn luxuriöse Wohnhäuser, in denen rund 1700 Bedienstete Escobar und seinen Geschäftsfreunden sämtliche Wünsche von den Augen ablasen. Der Wert der Hacienda wurde einst auf mehr als 60 Millionen Dollar taxiert.

Es geht auch die Legende um, dass auf dem Anwesen ein Chevrolet Modell 1934 ausgestellt gewesen sein soll, in dem angeblich das Gangsterpaar Bonnie und Clyde erschossen wurden. Dass Escobar die beiden verehrte, war gemeinhin bekannt. Ganz nebenbei nannte der Drogenbaron auch ein exotisches Arboretum mit seltenen Palmen und anderen Pflanzen sein Eigen.

Der ehemalige Fuhrpark von Pablo Escobar hat etwas Rost angesetzt

Foto: dpa picture alliance

Und es gibt nicht wenige, die bis heute fest davon überzeugt sind, die Rolling Stones seien einmal auf der Hacienda Nápoles aufgetreten. Dieses Gerücht wurde freilich niemals offiziell bestätigt – trug aber natürlich ordentlich zum Mythos bei.

All dieser Größenwahn aber wurde komplett in den Schatten gestellt von einer privaten Leidenschaft, in die Escobar Millionen von Dollar investierte: ein eigener Zoo, komplett mit Giraffen, Nashörnern, Elefanten, Kängurus, Kamelen und Nilpferden – um nur einige der zahlreichen Spezies zu nennen.

Diese Flamingos stolzierten einst durch den Privatzoo Escobars und wurden später in den Santafe Zoo in Medellin umgesiedelt

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Ein befreundeter Narco hatte El Capo auf die Idee gebracht, verriet Escobars Sohn, der sich heute Sebastián Marroquín nennt, nach dem Tod seines Vaters. Unter den Drogenbossen Kolumbiens waren solche Extravaganzen damals scheinbar Normalität. Das Absurde: Escobars Privatzoo wurde mit einem Kauf in den Vereinigten Staaten gegründet. „Mein Vater verhandelte mit den Besitzern eines Zoos in Dallas, Texas”, so Escobar junior, „er zahlte diesen Männern zwei Millionen Dollar in bar, und wenig später wurden die Tiere geschickt.”

Der kolumbianische Journalist Juan Felipe Lopez Lara erklärt TRAVELBOOK, warum es damals für einen Gangster wie Escobar so einfach war, unter den Augen der Behörden derart verschwenderisch und auffällig zu leben, ohne Untersuchungen durch die Polizei befürchten zu müssen: „Die Narcos regierten damals das ganze Land, sie waren es, die die Politik und vor allem die Wirtschaft von ganz Kolumbien lenkten. Es war eine Epoche der puren Anarchie, sie kontrollierten einfach alles, von den Geschicken des Staates hin bis zum Sport.” So soll Escobar 1989 sogar den wichtigsten südamerikanischen Fußball-Wettbewerb, die Copa Libertadores, gekauft haben, um seinen geliebten Club Atlético Nacional de Medellín gewinnen zu sehen.

Nicht nur schnelle Autos haben es Pablo Escobar, hier auf einer historischen, undatierten Aufnahme, angetan

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Escobar öffnete den Zoo für die Öffentlichkeit

Doch zurück zur Hacienda Nápoles, die schon zu Lebzeiten Escobars sein Vermächtnis an die Nachwelt werden sollte: Sobald die Bauarbeiten auf dem Grundstück abgeschlossen waren und sein privater Zoo mit einer ihm ausreichend erscheinenden, beeindruckenden Anzahl an Tieren bestückt war, tat Pablo Escobar etwas Überraschendes: Anstatt das Anwesen abzuschotten und sich dort zurückzuziehen, öffnete er das Gelände für die Öffentlichkeit und ließ jeden eintreten, der die Neugier und eine gewisse Portion Mut aufbrachte.

„Mein Sohn, dieser Zoo ist für die Allgemeinheit da”, erklärte der Drogenboss seine Entscheidung seinem Nachwuchs. „Solange ich lebe, wird hier niemals jemand Eintritt zahlen müssen. Es gefällt mir, dass die armen Leute kommen und über die Wunder der Natur staunen können.” Und die Menschen kamen in Scharen: War die ursprüngliche Besuchsdauer in Escobars Zoo anfangs von ihm selbst auf etwa zehn Minuten pro Person veranschlagt worden, so gab es bald aufgrund des enormen Andrangs allein Wartezeiten von bis zu zwei Stunden.

Offen für alle: Escobars Ranch mit Zoo und Dino-Park

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In seinem Buch „Pablo Escobar, mi padre” (zu Deutsch: „Pablo Escobar, mein Vater“) erinnert sich Sebastián Marroquín auch daran, wie die beiden einmal einen verletzten Hirsch von seinem Leid erlösten: „Er ließ mich seine Sig Sauer P-226 nehmen und half mir zu zielen. Dennoch brauchte ich drei Versuche, weil ich so erschrocken war und meine Hand zitterte.”

Aufnahme vom 6. September 1989: Im kolumbianischen Fernsehen wird eine Belohnung auf Escobar und Gonzalo Rodriguez ausgesetzt.

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Doch die Ära des Drogenkönigs sollte nicht mehr lange währen: Escobar fühlte sich als Liebling des kleinen Mannes und der Massen zu sicher, immer dreister ging er zu Werke – und brutaler. Tausende Menschen starben im Drogenkrieg. Kolumbien schien den Kampf gegen den übermächtigen Escobar verloren zu haben. Und die USA drängten darauf, den Mann, der ihr Land mit Kokain überschwemmte, endlich in ein amerikanisches Hochsicherheitsgefängnis zu stecken. Zwar hatte sich Escobar zwischenzeitlich auf einen Deal mit den Behörden eingelassen und sich hinter Gittern begeben, doch in ein Gefängnis, das innen einem Luxushotel glich und er selbst hatte bauen lassen. Nach seiner Flucht schien klar, dass nur der Tod des Staatsfeinds Nummer eins dem Land ein Atempause in diesem Drogenkrieg verschaffen und die USA zufrieden stellen würde.

Auf der Flucht erschossen: die Leiche Escobars am 2. Dezember 1993 auf einem Dach in Medellin

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Am 1. Dezember 1993 wurde er schließlich gestellt und durch einen Schuss ins Herz getötet, von einer Elite-Truppe aus kolumbianischen und US-amerikanischen Polizisten der Antidrogenbehörde DEA.  Seine Hacienda Nápoles wurde beschlagnahmt. „Der kolumbianische Staat und die Anti-Drogenbehörde haben damals das Gelände übernommen“, so Journalist Lopez Lara zu TRAVELBOOK.

Nach Escobars Tod verfiel die Hacienda

In den folgenden Jahrzehnten fiel die ehemals so elegante und pompöse Finca immer mehr der Zerstörung anheim: Plünderer nahmen mit, was es zu stehlen gab, die Natur eroberte sich ihren Lebensraum zurück und überwucherte die Hacienda zusehends. Die erstaunlichste Wandlung vollzog sich jedoch mit dem einst so glanzvollen Privat-Zoo. Schon zu Escobars Lebzeiten waren zahlreiche Nilpferde entkommen, die der Drogenboss auch geholt hatte, weil ihr Dung genutzt wurde, um den Geruch von Drogen zu überdecken.

Wurde einst von Pablo Escobar importiert und genießt jetzt seine Freiheit: Nilpferd in der Nähe der Hacienda Napoles

Foto: dpa picture alliance

„Heute haben sich all die frei gelassenen Tiere einen eigenen Lebensraum geschaffen”, erklärt Lopez Lara. Es sind die einzigen frei lebenden Nilpferde außerhalb Afrikas. Wie groß die Population ist, kann keiner so genau sagen. Manche sagen, es handele sich um 70, andere wiederum gehen von mehr Tieren aus. Tatsache ist, dass sich die Hippos wohlfühlen in Kolumbien und sich stetig vermehren. Sie werden sexuell sogar viel früher aktiv als ihre Artgenossen in Afrika.

Wie unter anderem die BBC berichtet, stellen die Nilpferde in der Gegend sogar eine Plage dar: Sie erschrecken Fischer, fallen auf Farmen ein, fressen die Ernte und töten gelegentlich sogar Kühe. Pablo Escobar, der Patron des Bösen, hätte an all dem vermutlich seinen Spaß gehabt, und so spukt sein Geist auch über 20 Jahre nach seinem Tod noch durch Kolumbien.

Die Hacienda Nápoles selbst ist heute wieder ein Zoo und ein touristischer Themenpark mit eigenen Hotels und Attraktionen. Das Portal Tripadvisor hat ihr für das Jahr 2014 ein „Certificate of Excellence” verliehen. Natürlich kommen die meisten weniger wegen der Tiere, sondern um einmal in die Welt des Mannes einzutauchen, der es am Höhepunkt seiner Verbrecher-Karriere einst sogar in die Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt geschafft hatte.

Auf dem Eingangstor der Hacienda Nápoles findet man ein Kleinflugzeug, mit dem einst die ersten Kokainladungen in die USA geschmuggelt wurden. Drinnen können sich Besucher im Wasserpark austoben oder die Dinos bestaunen, die Escobar für seinen Sohn einst aufstellen ließ. Und natürlich kann man in einem Museum mehr über Escobar selbst erfahren, dem Mann, der Kolumbien Tod und Verderben brachte.

Heute ist Escobars Ranch auch eine Art Museum und erklärt Stationen im Leben des Drogenbosses

Foto: getty images

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