Halb Mensch, halb Ziege

Dieses grausame Wesen hält Maryland seit Jahrzehnten in Atem

Alles begann, so ist es überliefert, mit einem schrecklichen Unfall bei einem Gen-Experiment: Ein Wesen, halb Mensch, halb Ziege, soll in den Wäldern von Maryland seit Jahrzehnten sein Unwesen treiben. TRAVELBOOK begibt sich auf die Spuren des Goatman.

Watch out for the Goat Man!!!! #goatman #goat #monster #myth #cryptozoology #cryptozoic #urbanlegend

Ein von Robert Pero (@bullseye76) gepostetes Foto am

Von Robin Hartmann

Es ist das Jahr 1957, als in den dunklen Wäldern im Prince George County im amerikanischen Bundesstaat Maryland eine unheimliche Legende „geboren“ wird. Augenzeugen berichten Ungeheuerliches: Sie wollen ein Monster gesehen haben, halb Mensch, halb Ziege, ein haariges Biest mit Hufen und Hörnern. Schnell wird das Ungeheuer von den Einheimischen „Goatman“ getauft, also „Ziegenmann“ – und die Schauergeschichten beginnen sich zu häufen.

1962 behaupten wiederum Augenzeugen, sie hätten ein schreckliches Massaker des „Goatman“ nur knapp überlebt: Die Bestie sei über eine Gruppe Camper hergefallen und habe zwölf Kinder und zwei Erwachsene mit einer Axt in Stücke gehackt. Derweil hätte das Wesen teuflische Schreie von sich gegeben und als grausamen Höhepunkt seine Opfer teilweise verspeist. Und obwohl es keine Beweise oder polizeilichen Einträge zu dieser angeblichen Begebenheit gibt, berichten bis heute Zeitungen wie der „Herald Extra“ darüber, als sei sie Fakt.

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Der kleine Ort Bowie hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Epizentrum der Goatman-Sichtungen entwickelt – hier fing quasi alles an

Foto: Flickr/Mike Boswell

Immer wieder verschwinden seit dieser Zeit in der Region auch Hunde, die dann plötzlich verstümmelt und enthauptet wieder auftauchen. Der erste belegte Fall ereignet sich 1971, als in der Stadt Bowie ein Welpe namens Ginger verschwindet. Wenig später wird er nahe der Fletchertown Road gefunden, tot und ohne Kopf – der Fall erregt so viel Aufsehen, dass sich sogar die renommierte „Washington Post“ mit dem grausigen Fund beschäftigt.

Zu dieser Zeit ist die Legende von Goatman bereits so viral, dass es in den Archiven der Universität von Maryland im Bereich Folklore sogar eigene Einträge dazu gibt. Der Goatman wird immer wieder gesichtet, taucht plötzlich angeblich auch in Alabama, Arkansas, California, Indiana, Kentucky, Michigan, Oregon, Texas, Washington und sogar im benachbarten Kanada auf. Die ihn gesehen haben wollen sind meistens Teenager, die sich zu Mutproben verabredet haben, und nachts in die Wälder gegangen sind.

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Die einsamen Wälder von Maryland sind der perfekte Schauplatz für urbane Legenden – auch der Film „Blair Witch Project“ ist hier angesiedelt

Foto: Flickr/Ted Eytan/CC BY-SA 2.0

Doch woher kommt der Goatman? Der Volksmund ist sich bald einig in dieser Frage, und so liest man auf Webseiten zu dem Thema immer wieder von einem Schuldigen: Einem verrückten Wissenschaftler am Landwirtschaftlichen Forschungszentrum von Beltsville. Dieser soll bei einem wahnsinnigen Experiment mit der DNA von Menschen und Ziegen experimentiert und dabei den Goatman erschaffen haben.

Der Kulturhistoriker und Autor Mark Opsasnick wuchs in der Nähe von Bowie in Greenbelt auf und erinnert sich, bereits als Kind und Teenager vom Goatman fasziniert gewesen zu sein – später hat er sogar ein Kapitel in einem seiner Bücher dem Monster gewidmet. Auf dem Portal „Washingtonian“ erinnert er sich sogar an regelrechte Goatman-Parties auf der Fletchertown Road: „Halloween 1979 war eine der verrücktesten Nächte in meinem Leben“, sagt er.

Besonders beliebt bei Grusel-Fans ist auch die Governor's Bridge in dem Ort Davidson, wo die meisten Legenden das Versteck des Goatman vermuten – hierhin soll er angeblich seine Opfer verschleppen. Die Brücke wird aufgrund einer anderen Legende im Volksmund auch als „Cry Baby Bridge“ bezeichnet – angeblich warf hier eine junge Mutter ihr Baby in den Fluss.

Die Govenor's Bridge, die im Volksmund auch Cry Baby Bridge heißt – darunter vermuten viele das Versteck des grausigen Goatman

Foto: Flickr/Matthew O'Thompsonski

Dr. Barry Pearson lehrt an der Universität von Maryland – er sieht für die Gräueltaten des Goatman eine ganz andere Ursache: Gelangweilte Teenager, die die Tiere töteten, und die Taten anschließend dem „Monster“ anlasteten.  Er sieht in dem Goatman-Phänomen auch eine mögliche Abwandlung der griechischen und römischen Kulte um die Gottheiten Pan bzw. Dionysus, die beide in der Kunst meist als eine Mischung aus Mensch und Ziege dargestellt werden. Und auch die Gestalt des Teufels werde oft als ein solches Mischwesen abgebildet, gibt er in einem Interview mit der Seite „Modern Farmer“ zu bedenken.

Dennoch, oder gerade deshalb, ist der Hype im Netz um den Goatman größer denn je, berichten immer mehr Blogportale und auch Zeitungen über die angebliche Bestie in den Wäldern von Maryland. Das Landwirtschaftliche Forschungszentrum von Beltsville sah sich sogar genötigt, angesichts des Trubels um den Goatman eine offizielle Stellungnahme abzugeben. „Wir finden das einfach dämlich“, so die Mitarbeiterin Kim Kaplan, ebenfalls zu „Modern Farmer“. „Das ist so absurd, dass man nicht mal darüber lachen kann.“ Es habe zwar in der Institution tatsächlich einmal Ziegen gegeben, dies sei aber „Generationen her“.

Das Landwirtschaftliche Forschungsinstitut in Beltsville. Hier soll der mysteriöse Goatman von einem irren Wissenschaftler erschaffen worden sein

Foto: Flickr/U.S. Department of Agriculture

Trotzdem, Maryland scheint für solche düsteren Legenden geradezu der ideale Schauplatz zu sein: der 1999 gedrehte Streifen „Blair Witch Project“ spielt ebenfalls in dem Bundesstaat, nämlich in Burkitsville.

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