Fenster-Mitte-Gang-Prinzip

Getestet! Ist das neue Boarding-System von Lufthansa wirklich schneller?

Lufthansa will Zeit sparen und das Boarding beschleunigen
Lufthansa will Zeit sparen und das Boarding beschleunigen
Foto: dpa Picture Alliance

Im November sollte das Boardingsystem „Wilma“ auf allen Europaflügen der Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines umgesetzt werden. Dieses sieht vor, dass die Fluggäste mit Fensterplätzen zuerst einsteigen, im Anschluss die mit Mittel- und zum Schluss die Passagiere mit Gangplätzen. Unsere Autorin fliegt die Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Main regelmäßig, sie hat die Erfahrung bislang aber nur ein einziges Mal gemacht. Warum das so ist und wie es war, lesen Sie auf TRAVELBOOK.

Wer öfter mal fliegt, kennt es: Passagiere stehen schon vor Boardingtime um das Gate herum und bilden Schlangen, weil offenbar jeder als Erstes in der Maschine sein möchte. Das unorganisierte Einsteigen bedeutet auch in der Flugzeugkabine oft Gedrängel und Stau, nicht zuletzt, weil ständig Passagiere mit Gangplätzen erneut aufstehen müssen, um die Mitreisenden mit Fenster- oder/und Mittelplätzen durchzulassen, und dadurch den Verkehr aufhalten.

Diese Szenen soll es bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines nicht mehr geben. Hier wurde das Einsteigeprinzip „Wilma“ erdacht, „mit dem Ziel, den Einsteigevorgang für unsere Gäste in Zukunft geordneter und damit komfortabler zu gestalten“. Das sagte Lufthansa-Sprecherin Anja Steger Anfang November 2019 zu TRAVELBOOK. In entsprechenden Tests am Flughafen Frankfurt habe das Fenster-Mitte-Gang-Prinzip sich bewährt, um u.a. einen pünktlicheren Abflug zu unterstützen.

Alles blieb normal – doch kein neues System?

Ich bin im November, als das neue Boardingsystem offiziell eingeführt worden sein sollte, ein bis zweimal pro Woche mit der Lufthansa geflogen, habe aber erst Mitte Dezember einen Flug mit „Wilma“-Prinzip erwischt. Das liegt nicht aber nicht etwa daran, dass künftig mal so und mal so geboardet werden soll, sagt Lufthansa-Sprecherin Anja Steger auf TRAVELBOOK-Rückfrage.

Bis etwa Februar 2020 sollen auf allen innereuropäischen (und im Anschluss auch auf Langstrecken) zuerst die Fensterplatz-, dann die Mittelplatz- und danach erst die Gangplatz-Passagiere einsteigen. Die Einführung werde aber sukzessive vorgenommen, wie uns die Lufthansa-Sprecherin erklärt, wobei das „Implementierungsverfahren“ von IT-Fragen (u.a. dem technischen Stand in den jeweiligen Gate-Bereichen) abhängt und auch mit der Schulung von Mitarbeitern koordiniert werden muss. 

„Wilma“-Prinzip – so war es

Das neue System funktioniert so, dass die Fluggäste nach Boarding-Gruppen aufgerufen werden. Ausgenommen davon sind Business-Class-Gäste und Vielflieger wie z.B. Hon-Circle-Member und Senatoren sowie Hilfsbedürftige und Familien mit Kindern, die nach wie vor zuerst einsteigen dürfen.

Passagiere mit Fensterplätzen gehören der Boardinggruppe 3 an. Während ihres Slots sind sie die einzigen, bei denen der Scanner am Gate reagiert. Würde es jemand der Boardinggruppe 4 probieren, wäre eine Fehlermeldung die Folge. Entsprechender Fluggast müsste sich das Prinzip im Zweifelsfall noch einmal am Schalter erklären lassen.

Jetzt gilt das neue Boarding-System bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines

Tücken in der Praxis

Bei meinem ersten Flug nach dem „Wilma-Prinzip“ schien ein Großteil der Fluggäste von den Boarding-Gruppen, die abgekürzt als GRP (z.B. 3) klein auf der Bordkarte vermerkt sind, noch nie gehört zu haben. Viele von ihnen mussten sich beim Verständnis und bei der Suche danach auf ihrem Reisedokument von den Mitarbeitern am Schalter unterstützen lassen; ähnlich viele versuchten es während des falschen Slots und sorgten so am Gate für kleinere oder größere Verzögerungen.

Scheinbar verkürzte Boardingzeit

Als diese Hürden genommen waren, ging es dann tatsächlich schneller als sonst. Gefühlt jedenfalls. Etwa 20 Minuten, nachdem ich meinen Fensterplatz eingenommen hatte, erklang durch den Kabinenlautsprecher „Boarding completed“ – und das auf einem (für gewöhnlich gut besuchten) Sonntagabend-Flug, bei dem das Einsteigeprozedere gut und gerne 35 Minuten und länger dauern kann.

Allerdings fiel auf, dass sämtliche Mittelplätze leer waren. Womöglich hätte es also auch nicht viel länger gedauert, wenn man nach dem altbekannten Prinzip eingestiegen wäre.

Fazit: Sinnvoll für Vielflieger

Dass es bis kommenden Frühjahr bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines Einzug gehalten haben soll, bedeutet schließlich nicht, dass es das auch im Kopf der Allgemeinheit oder von Personen hat, die normalerweise seltener oder mit anderen Fluglinien reisen. Um es ihnen leichter zu machen, wäre es in jedem Fall sinnvoll, die Boarding-Gruppe prominenter und auffälliger auf der Bordkarte zu platzieren.