Sie starb viel zu jung

Rätselhafter Tod von Orca „Kayla“ im Freizeitpark Seaworld

SeaWorld, Kayla
Auf diesem Foto von 2014 ist rechts im Bild Schwertwal „Kayla“ mit ihrer Trainerin Michelle Shoemaker zu sehen
Foto: dpa Picture Alliance

Traurige Nachrichten aus dem bei Tierschützern in Kritik stehenden Freizeitpark „Seaworld“ in Orlando (Florida): Einer der dort in Gefangenschaft lebenden Orcas ist diese Woche überraschend gestorben.

Wie Seaworld laut einem Bericht von „BBC News“ in einem Statement mitteilte, sei das Schwertwal-Weibchen „Kayla“ am Montag nach kurzer Krankheit im Alter von 30 Jahren gestorben. Zuvor habe sie einige Tage lang Anzeichen von „Unwohlsein“ gezeigt und sei rund um die Uhr von Tierärzten überwacht worden, die sie allerdings nicht hätten retten können. Die Todesursache ist den Berichten zufolge noch unklar und soll nun untersucht werden, was allerdings einige Wochen in Anspruch nehmen könnte.

Kayla hat laut „CNN“ ihr gesamtes Leben in Gefangenschaft verbracht. Demnach wurde der Orca im Jahr 1988 im Seaworld San Antonio (Texas) geboren und lebte danach vorübergehend im Seaworld Ohio, der 1991 geschlossen wurde. Nach weiteren 14 Jahren in Ohio kam Kayla im Jahr 2005 nach Orlando, ihrer letzten Station.

Kayla zusammen mit anderen Tieren bei einer Orca-Show im Jahr

Kayla führt zusammen mit anderen Tieren bei einer Orca-Show im Jahr 2011 Kunststücke im Becken vor
Foto: dpa Picture Alliance

In freier Wildbahn werden Wale bis zu 90 Jahre alt

Wie Verhaltensforscher und Meeresbiologe Karsten Brensing auf Nachfrage von TRAVELBOOK bestätigt, haben Wal-Weibchen in freier Wildbahn eine mittlere Lebenserwartung von etwa 46 Jahren. In manchen Fällen kann auch ein Alter zwischen 80 und 90 Jahren erreicht werden. Die Bullen haben hingegen eine mittlere Lebenserwartung von etwa 30 Jahren und können maximal 50 bis 60 Jahre alt werden.  In Gefangenschaft werden die meisten Weibchen allerdings nur circa 29 Jahre, Männchen sogar nur 17 Jahre alt.

Thomas Cook unterstützt keine Wal-Gefangenschaft mehr

Seit Jahren massive Kritik an Seaworld

Die Tierschutzorganisation Peta zeigte sich angesichts des frühen Todes von Kayla bestürzt. In einem Facebook-Post heißt es: „Sie ist nie in einem Ozean geschwommen. Kayla wurde quer durchs Land von Park zu Park gebracht und hat im Laufe der Jahre auf herzzerreißende Weise ihre Babys verloren.“

Die Themenparks von Seaworld stehen schon seit Langem wegen ihres Zuchtprogramms und ihrer Tiershows mit Orcas in der Kritik. Eine große Welle der Kritik hatte Seaworld bereits im Jahr 2013 einstecken müssen, nachdem der Streaming-Dienst Netflix die Dokumentation „Blackfish“ veröffentlicht hatte. In dem Film wurde das Schicksal des Orcas Tilikum aus dem Seaworld in Orlando kritisch beleuchtet. Der Schwertwal war 1983 im Alter von zwei Jahren in der Nähe von Island aus seinem natürlichen Lebensraum gerissen worden.

Während seiner Gefangenschaft hatte Tilikum insgesamt drei Menschen vermutlich bewusst getötet. Nicht zuletzt deshalb gab es weltweit massive Kritik an der Haltung von Orcas und Delfinen in Aquarien und in ihrer Dressur für Shows, denn die Tiere sind in freier Natur eigentlich friedliebend, Angriffe auf Menschen gab es bisher kaum. Im Januar 2017 starb Tilikum. Mit dem jüngsten Tod von Kayla sind allein seit 2017 insgesamt vier Orcas in den Themenparks von Seaworld gestorben.

Dieses Video zeigt, wie friedlich Orcas sind

Orca-Zuchtprogramm soll eingestellt werden

Seaworld selbst hatte nach der weltweiten Kritik eine Veränderung seines Orca-Angebots bereits im Jahr 2016 öffentlich gemacht. In einem Statement auf der Homepage „SeaWorld cares“ verkündete der Vergnügungspark, sein hauseigenes Orca-Zuchtprogramm einstellen zu wollen. Die Schwertwale, die jetzt in dem Park gehalten werden, seien die letzte Generation. Zudem sollen die Shows zugunsten einer Haltung, die es erlaube, das natürliche Verhalten der Tiere zu beobachten, abgelöst werden – das allerdings nur mittelfristig.