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Erstflug für Anfang 2022 geplant

Was steckt hinter der neuen virtuellen Airline „Vairtual“?

Vairtual
Schon im ersten Quartal 2022 will „Vairtual“ die ersten Flüge anbieten (Symbolfoto)Foto: Getty Images

Mit „Vairtual“ soll im kommenden Jahr eine neue Airline in Deutschland an den Start gehen. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine virtuelle Fluggesellschaft. Was das genau bedeutet, welche Art von Reisenden die neue Airline ansprechen will und auf welchen Strecken sie fliegen wird – darüber hat TRAVELBOOK mit „Vairtual“-Gründer Lukas Hofmeister gesprochen.

„Virtuelle Airline“, das klingt für den Laien eher wie eine Fluggesellschaft, die es eigentlich gar nicht gibt. Tatsächlich aber ist nur der Name verwirrend: Virtuelle Airlines führen durchaus reale Flüge durch. Der Hauptunterschied zu einer „normalen“ Fluggesellschaft ist, dass eine virtuelle Airline keine eigene Flotte besitzt, sondern Maschinen samt Crew von anderen Anbietern mietet. Die derzeit strauchelnde deutsche Fluggesellschaft Green Airlines ist etwa eine virtuelle Fluggesellschaft und kooperierte bis zur vorläufigen Einstellung des Flugbetriebs am 2. August mit verschiedenen Airlines. Jetzt wagt sich ein weiteres Start-up in den Markt der virtuellen Airlines: „Vairtual“, gegründet im Juli dieses Jahres von dem Frankfurter Unternehmer Lukas Hofmeister.

Nachfrage bestimmt das Angebot

„Jeder Flug soll bei uns das Ergebnis einer ganz konkreten Nachfrage der Kunden sein, die Flüge werden also über das Crowdfunding-Prinzip finanziert“, erklärt Hofmeister auf TRAVELBOOK-Nachfrage das spezielle Konzept hinter seiner Airline. Das bedeutet: Sobald eine gewisse Anzahl an Interessenten über die Webseite der Airline einen Flug für eine bestimmte Strecke und ein bestimmtes Datum angefragt hat, organisiert „Virtual“ über einen ihrer Kooperationspartner ein Flugzeug für den besagten Tag. „Der Gast erhält dann innerhalb weniger Tage ein konkretes Angebot mit einem Preis. Jeder Kunde an Bord eines Vairtual-Fluges zahlt dabei den gleichen Preis und das Basis-Produkt ist auch immer gleich“, sagt Hofmeister. So sei etwa immer ein Gepäckstück im Preis inkludiert sowie auch eine Basis-Verpflegung an Bord.

Das ambitionierte Ziel von Vairtual ist laut Hofmeister eine Auslastung von mindestens 90 Prozent auf jedem Flug. Um dies zu erreichen, könnten Kunden auch im Nachhinein noch verfügbare Restplätze auf bereits bestätigten Verbindungen kaufen. „Um Hin- und Rückflüge zu füllen, erarbeiten wir definierte ‚Pattern‘, also verlässliche Flugtage, die unsere Zielgruppe an bestimmten Destinationen verbringt. Wir glauben daran, dass wir damit eine Community kreieren können, der Kunde fühlt sich als Teil des Produktes und der Marke und wird somit selbst zum Multiplikator.“

Welche Zielgruppe will „Vairtual“ bedienen?

„Vairtual ist kein Produkt für Kunden, die so günstig wie möglich fliegen und einen Flug als Fastfood-Produkt ansehen“, sagt Hofmeister. Billigflug-Tickets wird es demnach bei Virtual nicht geben. Aber auch den klassischen Geschäftsreisenden sieht der Unternehmer eher nicht als potenziellen Kunden. „Wir ordnen uns eher in der Mitte ein“, sagt Hofmeister. „Ich denke hier an die Backpacker, an die LGBTQ’s, an Reisegruppen und Rentner. An junge Paare und Studenten, denen mittlerweile auch Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt und die sich stark an digitale Marken binden.“

Stichwort Nachhaltigkeit: Wie sieht es bei Vairtual in diesem Punkt aus? Hofmeister verspricht, dass der CO2-Ausstoß beim Buchen der Tickets zu 100 Prozent kompensiert werden soll. Hierfür hat er eine Kooperation mit der Stiftung Wilderness International gestartet. „Dabei schützen wir gemeinsam Wälder in Peru und der Gast bekommt ein dafür Zertifikat mit den Ortsangaben über das geschützte Gebiet.“ Das spiegele sich auch im Namen der Airline, die ein Mix aus den Worten „Virtuelle Airline“ sowie „Value“ und „Fair“ sei. 

Welche Abflughäfen und Routen sind bei Vairtual geplant? 

Bei den Abflughäfen bleibt Hofmeister realistisch und räumt ein, dass man es als virtuelle Airline gerade an den größten Flughäfen in Deutschland wie Frankfurt, München, Hamburg oder Berlin schwer haben dürfte, attraktive Slots zu bekommen. Man wolle sich dennoch auf die Ballungsräume konzentrieren. „Die dezentrale Crowd-Economy erreicht man ja auch an Flughäfen wie Köln-Bonn, Nürnberg oder Leipzig. Aber im Prinzip sind wir da maximal flexibel. Gibt es eine Nachfrage für Paderborn-Valencia, schauen wir uns das an.“

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Bei den Routen will die Airline am Anfang laut Hofmeister „eine Auswahl an 15 Kurz-, Mittel-, aber auch Langstreckenziele vorgeben, um einfach eine gewisse Deckungsrate in den Anfragen zu bekommen“. Bereits in den kommenden Tagen wolle man erste konkrete Ziele bekanntgeben. Es sollen jedoch nicht nur Metropolen im Angebot sein, sondern auch unbekanntere Regionen. „Ich denke hier z. B. an Akureyri im Norden Islands oder auch Ericeira (Portugal) mit guter Anbindung zum Flughafen Lissabon.“

Geht Vairtual wirklich schon im ersten Quartal 2022 an den Start?

Gegenüber TRAVELBOOK gibt sich Gründer Lukas Hofmeister optimistisch, was die Finanzierung und den anvisierten Start der neuen virtuellen Airline angeht. Es gebe auch schon erste interessierte Investoren. Mit Airlines gebe es bislang zwar noch keine konkreten Gespräche über Kooperationen. „Aber ich habe ja nebenberuflich gegründet und arbeite aktuell bei der Star Alliance*, daher sollte es logisch sein, mit wem ich zuerst sprechen will.“ Natürlich habe man auch ein Auge auf die Lage der Corona-Pandemie und brauche einen gewissen Vorlauf für die weitere Entwicklung der Webseite und der App. „Aber wenn alles stimmt, sehe ich uns spätestens im März 2022 in der Luft.“ 

*Die Star Alliance ist eine Luftfahrtallianz aus derzeit 26 Fluggesellschaften, darunter unter anderen Lufthansa, Swiss und Singapore Airlines.