Steht eine Supereruption bevor?

Experten warnen vor noch größerem Ausbruch des Ätna

Der Ätna zählt zu den aktivsten Vulkanen
Der Ätna ist der aktivste Vulkan Europas. An Heiligabend ist er erneut ausgebrochen – Experten fürchten, dass ein weiterer, noch stärkerer Ausbruch bevorstehen könnte.
Foto: Getty Images

An Heiligabend ist der Ätna auf Sizilien ausgebrochen, mehrere Menschen wurden verletzt, zahlreiche Gebäude sind beschädigt oder eingestürzt. Seitdem wird die Erde von Dutzenden Beben erschüttert, und durch den Ausbruch hat sich ein Spalt aufgetan, aus dem Lava austritt. Nun fürchten Experten, dass ein weiterer Ausbruch bevorsteht – und dieser könnte noch weitaus heftiger ausfallen als der erste.

Der Ausbruch an Weihnachten mit der Bildung eines Spalts in der Erde sei ein eindeutiges Signal dafür, dass der Vulkan eine Menge Energie angesammelt hat, wie Eugenio Privitera vom Institut für Geophysik und Vulkanologie in Catania der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ erklärt. „Allerdings findet diese Energie keinen Abfluss und versucht, sich ihren Weg durch den Felsen zu bahnen.“

Dem Vulkanologen zufolge deutet vieles darauf hin, dass der Ätna noch immer sehr instabil ist, etwa durch stark erhöhte Schwefeldioxidemissionen im Bereich der Gipfelkrater. Der Experte schließt nicht aus, dass ein neuer Ausbruch bevorsteht – diesmal in tieferen Höhen als beim letzten Mal.

 Ausbrüche in geringeren Höhen waren auch in der Geschichte des Ätna die verheerendsten, etwa der im Jahr 1669, bei dem große Teile Catanias zerstört worden waren.

Ausbruch Ätna

Durch den Ausbruch hatte sich eine große Aschewolke gebildet, wodurch der Flughafen von Catania zeitweise lahmgelegt war
Foto: Getty Images

Gibt es Beeinträchtigungen für Sizilien-Urlauber?

Während der Flughafen Catania nach dem Ausbruch an Heiligabend teilweise geschlossen worden war, starten und landen inzwischen alle Flugzeuge wieder planmäßig, wie unter anderem das italienische Nachrichtenportal tgcom24.it berichtet. Urlauber, die nach Sizilien fliegen wollen, sollten sich dennoch immer über die aktuelle Lage informieren.

Touren zum Krater des Ätna finden bis auf Weiteres nicht statt. Zudem können in der Gegend um den Vulkan weiterhin Erdbeben stattfinden, die jedoch inzwischen nicht mehr so heftig ausfallen wie in den vergangenen Tagen. Auch hier sollten sich Urlauber gezielt informieren.

Kommt es durch den Ausbruch des Ätna zu einer Tsunamiwelle?

Bereits im Oktober haben Kieler Forscher um Dr. Morelia Urlaub vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung davor gewarnt, dass es bei einem größeren Ausbruch des Ätna zu einer Flutwelle kommen könnte. Dass die Ostflanke des Ätnas ins Meer abrutscht, ist schon lange bekannt. Zwei bis drei Zentimeter im Jahr sind es derzeit. Urlaub erklärt auf Nachfrage von TRAVELBOOK: „Der Vulkan hört ja an der Küstenlinie nicht auf. Wir konnten jetzt zum ersten Mal zeigen, dass sich diese Flanke auch Unterwasser bewegt. Daher können wir sagen, dass eine viel größere Fläche von dieser Bewegung betroffen ist. Und diese Bewegung ist Unterwasser genauso schnell wie an Land, also auch zwei bis drei Zentimeter im Jahr.“

Ihre Ergebnisse haben die Forscher auch im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht. Es gebe zwar derzeit keinen akuten Grund zur Sorge, dass es zu einem Flankenzusammenbruch kommt, sagt Ozean-Expertin Urlaub. Zudem könne es bei alten Vulkanen durchaus vorkommen, dass Teile abbrechen. Wenn jedoch eine größere Gesteinsmenge ins Meer stürzt, könnte es zu einer Flutwelle kommen, wie die Forscherin anmerkt:

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Wie lange dauert das Abrutschen, bis es zur Flutwelle kommt?

Wie lange es dauert, bis ein solch großer Teil der Vulkanflanke abrutscht und zu einer gewaltigen Welle führt, ist der Forscherin zufolge unklar. Man könne aber davon ausgehen, dass das nicht von heute auf morgen passieren wird. Dem würde wahrscheinlich eine Beschleunigung der Flankenbewegung vorausgehen.

13 der aktivsten Vulkane der Welt

Kann man gegen das Abrutschen des Ätnas vorgehen?

Da momentan keine unmittelbare Gefahr einer Flutwelle bestehe, sei der Handlungsbedarf nicht groß. Es gebe aber auch keine Methode, um das Abrutschen des Ätnas und dessen Folgen zu stoppen. Der 3300 Meter hohe Berg könne nur weiterhin beobachtet werden. Unter Wasser werde momentan nicht gemessen, an Land jedoch weiterhin, so Dr. Urlaub.

„Der Ätna ist einer der am besten beobachteten Vulkane der Welt. Bislang wurden satellitengestützte Beobachtungen durchgeführt, die sich auf das Land beziehen. Die Technologie, die wir verwendet haben, wurde das erste Mal an Vulkanen benutzt. Wir konnten zeigen, dass sie super funktioniert für solche Messungen und hoffen jetzt, dass sie auch zukünftig eingesetzt wird.“

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