Airlines verraten

Wer checkt eigentlich das Handgepäck auf sein Gewicht?

Beim Handgepäck haben die meisten Airlines genaue Vorschriften: Nicht zu groß darf es sein, und auch ein maximales Gewicht darf nicht überschritten werden. Aber wird überhaupt kontrolliert, ob Fluggäste sich an die geltenden Regeln halten? TRAVELBOOK fragte bei verschiedenen Fluggesellschaften nach.

19,8 Kilogramm zeigt die Kofferwaage auf dem Band neben dem Check-in-Schalter an. Glück gehabt, das ist gerade noch im Rahmen dessen, was die Airline beim Aufgabegepäck erlaubt. Denn wer zu viele Kilos dabei hat, muss unter Umständen kräftig draufzahlen. Während man um das Wiegen des Koffers gleich beim Einchecken nicht herum kommt, sind die Kontrollen beim Handgepäck nicht so eindeutig. Dabei gibt es auch hierfür bei jeder Fluggesellschaft genaue Vorschriften zu Größe und Gewicht.

55 x 40 x 20 Zentimeter, diese Maße darf das Handgepäck bei den meisten Airlines maximal haben, bei einigen sind es einige Zentimeter mehr oder weniger. Beim Gewicht variieren die erlaubten Kilos schon mehr. Während man etwa bei British Airways ein sage und schreibe 23 Kilogramm schweres Handgepäckstück mit in die Kabine nehmen darf, erlauben Tuifly und Condor in der Economy Class maximal sechs Kilo. Und während man bei einigen Airlines nur ein Gepäckstück dabei haben darf, lassen andere ein Extrateil zu, etwa in Form einer Hand- oder Laptoptasche. 

Wann und wie erfolgt die Kontrolle?

Wer kontrolliert eigentlich zu welchem Zeitpunkt im Abfertigungsprozess, ob ein Passagier ein zu großes oder zu schweres Handgepäckstück bei sich hat? Susanne Rihm, Pressesprecherin bei Condor, teilt dazu auf Nachfrage von TRAVELBOOK mit: „Der prüfende Blick unserer Mitarbeiter erfolgt bereits bei der Gepäckaufgabe am Check-in-Schalter. Sollte der Reisende nur mit Handgepäck unterwegs sein, erfolgt eine erste Sichtkontrolle im Security Bereich.“ Während des Boardings am Gate könne ebenfalls noch eingegriffen werden. Wenn Grund zu der Annahme bestehe, dass die beschränkte Handgepäckmenge überschritten werde, dürfe das Handgepäck auch gewogen werden. „Sollte sich herausstellen, dass einer unserer Gäste zu schweres oder zu großes Handgepäck mit sich führt, wird dieser gebeten, das betroffene Gepäckstück aufzugeben.“ In diesem Fall würden Übergepäckgebühren erhoben.

Auch am Sicherheitsgate kann es sein, dass den Mitarbeitern zu schweres oder zu großes Gepäck auffällt

Foto: Getty Images

Ryanair empfiehlt, sich gleich am Schalter für die Gepäckabgabe zu erkundigen, ob das Handgepäck für die Kabine zulässig ist. „Kunden, die sich unsicher sind, können den Maßständer am Flughafen nutzen, um die Maße ihres Handgepäcks zu überprüfen“, erklärt Robin Kiely, Head of Communications bei Ryanair. Wird erst nach der Sicherheitskontrolle am Flugsteig festgestellt, dass das Gepäckstück zu groß ist, kann es vom Bodenpersonal immer noch zurückgewiesen und gegen eine Gebühr von 50 Euro im Frachtraum verstaut werden.

Bei der Lufthansa gibt es keine Kofferkörbe zum Nachmessen, stattdessen erfolgt eine Sichtkontrolle. „Im Sinne des Komforts und der Sicherheit an Bord haben unsere Mitarbeiter am Gate stets ein Auge darauf, dass das Handgepäck im Rahmen bleibt“, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Mit dem Economy-Light-Tarif bietet die Lufthansa seit Kurzem besonders günstige Flüge für Passagiere an, die nur mit Handgepäck reisen. Wer feststellt, dass er doch mehr Platz benötigt, kann auch nach der Buchung noch ein Freigepäck von zu Hause aus erwerben. „Seit der Einführung der neuen Tarife sehen wir jedoch etwas genauer hin und informieren darüber hinaus unsere Kunden über die unveränderten Bestimmungen zur Mitnahme des Handgepäcks“, sagt Lufthansa-Sprecher Lamberty. Die meisten Passagiere hielten sich aber an die Vorschriften.

Bei Flügen mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet braucht man sich zumindest keine Sorgen zu machen, wenn das Handgepäckstück gefühlte Tonnen wiegt. „Es besteht keine Gewichtsbeschränkung für Handgepäck“, teilte eine Sprecherin auf TRAVELBOOK-Nachfrage mit. Passagiere müssten allerdings in der Lage sein, das Gepäckstück ohne Hilfe in einem Gepäckfach zu verstauen und aus diesem wieder herauszunehmen. Ausnahmen gebe es bei stark ausgelasteten Flügen: „Hier sind wir nicht immer in der Lage, das Handgepäck aller Passagiere in der Kabine zu verstauen. Unter Umständen ist es dann nötig, das Handgepäck aufzugeben. Dies ist kostenlos.“

Auf die Größe kommt es an

Wenn das Gepäckstück bei Easyjet allerdings die zulässige Größe von maximal 56 x 45 x 25 Zentimetern überschreite, würden „Passagiere am Gepäckabgabeschalter aufgefordert, es zur Beförderung im Frachtraum aufzugeben“. Dafür erhebt Easyjet eine Gebühr in Höhe von 40 Euro. Noch teurer wird es, wenn Passagiere direkt zum Boarding Gate gehen und sich erst dort herausstellt, dass ihr Handgepäckstück die zulässigen Maße überschreitet. Die Airline verstaut das Gepäckstück dann im Frachtraum des Flugzeugs und kassiert dafür 55 Euro. „Die Größe des Handgepäckstücks wird am Gepäckannahmeschalter und am Boarding Gate mithilfe eines Gepäckrahmens geprüft“, erklärt die Sprecherin weiter.

Nur ein Handgepäckstück, das ganz bestimmte Maße nicht überschreiten darf: Bei Easyjet kann man in einem Gepäckrahmen prüfen, ob alles passt.

Foto: dpa Picture Alliance

Auf der sicheren Seite ist also, wer eine Tasche oder einen Koffer als Handgepäck mitnimmt, welche die bei der Airline zugelassenen Maße nicht überschreitet und beim Tragen augenscheinlich nichts allzu Schweres beinhaltet. Kontrollen müssen in diesem Fall kaum gefürchtet werden. Man sollte sich außerdem zusätzlich erkundigen, ob mehrere Handgepäckstücke (zum Beispiel eine zusätzliche Laptop- oder Handtasche) erlaubt sind. Eine Übersicht über die geltenden Vorschriften beim Handgepäck verschiedener Fluggesellschaften finden Sie hier.

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