Bier und Bundesliga

New York und die „German Gemütlichkeit“

Blasmusik, Weißwürste, literweise Bier und sogar deutsche Bundesliga: New York erlebt seit einiger Zeit einen Biergarten-Boom. Die Lokale räumen mit dem verstaubten Image ihrer Vorgänger auf.

Im Zum Schneider dudelt Blasmusik, und von der Decke hängen künstliche Kletterrosen. Die Tische sind aus rustikalem Holz und die Wände aus Klinker, geschmückt mit Lebkuchenherzen, bayerischen Fahnen und einem gerahmten König Ludwig II.-Porträt. Ein ganz normales bayerisches Wirtshaus - nur mitten in Manhattan. In diesem sogenannten „Indoor-Beer-Garden“ mitten im Trendviertel East Village versorgt Sylvester Schneider seine Gäste mit Weizenbier, Weißwürsten und Brezn. An den Wochenenden gibt es an der Avenue C sogar Haxn.

Lange habe er nach einem geeigneten Ort für seine Pläne gesucht, erzählt Schneider, der einst in die USA auswanderte, um Musik zu studieren. „Eigentlich wollte ich einen richtigen Biergarten, der nur im Sommer auf hat, aber es ist sehr schwer, in New York freie Grünflächen zu finden. Vor allem, wenn man dort auch noch ausschenken möchte.“ So wurde das „Zum Schneider“ eben ein Wirtshaus mit Innen-Biergarten.

DEUTSCHE RESTAURANTS HABEN IN NY CITY EINE LANGE TRADITION

Als Schneider seinen Laden im Jahr 2000 aufmachte, war er einer der Ersten. Deutsche Restaurants, die meisten von Einwanderern gegründet, haben in der Millionenmetropole zwar eine lange Tradition, aber sie wirken meist traditionell und verstaubt. „Unter Liedertafelkränzen, Schützenscheiben, Turnerfahnen gab es an altdeutschen Kaiser-Wilhelm-Tischen Sauerbraten und Thüringer Klöße zu essen“, beobachtete der Schriftsteller Wolfgang Koeppen schon in seinem 1959 erschienen Reisebericht „New York“. Die 86. Straße auf der Ostseite Manhattans, traditionell das Zentrum der deutschen Einwanderer, beschrieb er als „deutschen Alptraum“.

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Ein halbes Jahrhundert später ist das Dekor zwar vielerorts ähnlich, aber die neuen deutschen Restaurants sind offener, freundlicher und an ein jüngeres Publikum gerichtet. Sie heißen Hallo Berlin , Radegast Hall, Loreley, Fette Sau oder Killmeyer's - und sie haben riesigen Erfolg. In der Millionenmetropole, wo Restaurants mit Gartenausschank bislang Mangelware waren, ist ein Biergarten-Boom ausgebrochen. „Überall Biergärten“, schrieb sogar mal die „New York Times“.

BIER, GEMÜTLICHKEIT UND DEUTSCHER FUSSBALL

Die Gäste schätzen Bier, Würste, „German Gemütlichkeit“ - und immer stärker sogar auch die deutsche Bundesliga. „Mir hat man schon so oft die Frage gestellt, warum die Amerikaner mit Fußball nichts anfangen könnten. Für mich ist das Blödsinn. Fußball ist auf jeden Fall beliebter als man denkt. Schließlich spielen in diesem Land mehr als 20 Millionen Menschen Fußball“, sagt ein von allen nur „Chopper Harri“ – nach einem früheren Verteidiger seiner Lieblingsmannschaft Chelsea London – genannter Stammgast in der Kneipe Football Factory. Früher sei das vielleicht so gewesen, sagt Jack Keane, Mitarbeiter des Lokals an der Fifth Avenue. „In den vergangen 20 Jahren hat sich das Blatt aber komplett gewendet. Fußball ist wirklich beliebt geworden.“ Bei Bundesliga-Spielen sei die Kneipe immer rappelvoll. Im Spritzenhaus in Grrenpoint gibt es mehr als 30 Biersorten zur Auswahl; immer samstags wird ein Spitzenspiel der Bundesliga übertragen.

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Natürlich genießen nicht nur New Yorker, sondern auch in der Millionenmetropole lebende Deutschsprachige und Touristen die Biergärten und Wirtshäuser. „Mir gefällt es hier“, sagt Hedwig Sommer, die vor kurzem aus Österreich nach New York gezogen ist und im eher traditionellen Restaurant Heidelberg ein Bier trinkt. Das Lokal sei für sie ein Zufluchtsort bei Heimweh. „Die Atmosphäre ist wirklich toll.“

Auch deutsche Feiertage und Feste wie Karneval, Sankt Martin oder Advent werden in vielen der Wirtshäuser und Biergärten zelebriert - und natürlich das Highlight des Jahres: Oktoberfest. Dann ist auch bei Wirt Sylvester Schneider im Zum Schneider im East Village garantiert volles Haus - so sehr, dass er die Party sogar schon einschränken muss. „Wir feiern nur an den drei Wochenenden.“

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