Hashima

Die Geisterinsel vor Japans Küste

Hashima war einmal die am dichtesten besiedelte Region auf der ganzen Welt. Heute ist die Insel vor der japanischen Küste völlig verlassen, nur noch ein paar Katzen streunen dort – und einige mutige Touristen.

Dass man per Google Street View mittlerweile mit nur wenigen Mausklicks an fast jeden beliebigen Winkel der Welt kommt, dürfte bekannt sein. Aber nur die wenigsten wissen, dass man damit auch in dem Versteck eines waschechten Bond-Bösewichts rumstöbern kann. Wer bei Street View den Suchbegriff „Hashima“ eingibt, kann durch die Ruinen einer Stadt spazieren, die in dem Bond-Film „Skyfall“ als Vorbild für die Festung des irren Raoul Silva (Javier Bardem) gedient hat. Zwar wurden die Innen-Szenen im Studio gedreht, doch einige Außen-Aufnahmen zeigen die „Kriegsschiff-Insel“, wie sie aufgrund ihrer Silhouette auch genannt wird.

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Doch noch spannender als ein virtueller Rundgang über Hashima ist die Geschichte des Eilandes. Denn einst war dieser verlassene Flecken Erde einer der am dichtesten besiedelten Orte auf der ganzen Welt, lebten hier auf gerade einmal 160 mal 480 Metern Tausende Menschen, die eines vereinte: Kohle, das schwarze Gold der japanischen Industrialisierung.

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Von der ehemaligen Musterstadt des japanischen Kohle-Abbaus sind heute nur noch Ruinen übrig

Foto: dpa picture alliance

Heute erinnern nur noch verfallene und verrostete Ruinen daran, dass es hier einmal eine ganze Zivilisation im Mini-Format gab – mit Kino, Supermärkte, Spielhallen. All das sollte den Menschen auf Hashima, meist Arbeitern, das schwere Leben auf der Insel so angenehm wie möglich machen. Denn wer hier lebte, der lebte gefährlich.

Die Kohle wurde aus einem Hunderte Meter langen Förderschacht an die Oberfläche gebracht, wobei die Stollen, in denen sich die Arbeiter bewegten, unter dem Meeresspiegel lagen. Zudem waren nicht alle Einwohner Hashimas freiwillig hier – Japan hatte im Zuge seiner Imperialisierung auch Zwangsarbeiter aus China oder Korea rekrutiert. Wie „Spiegel Online“ berichtete, kamen hier allein bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1300 Arbeiter zu Tode.

Die komplette Insel bestand fast nur aus Beton

Foto: Getty Images

Weil es so wenig Fläche gab, baute man eben in die Höhe, unter anderem entstand auf Hashima das erste mehrstöckige Wohngebäude aus Beton in ganz Japan. Und obwohl die Kumpel auf wenigen Quadratmetern mit Gemeinschaftstoiletten hausen mussten, war ihr Lebensstandard teilweise sogar höher als der auf dem japanischen Festland – ein Grund, warum sich so viele Arbeiter für den Job auf Hashima anwerben ließen.

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1974 kam dann das plötzliche Ende für die „Geisterinsel“, wie sie im Volksmund heute auch genannt wird: Die japanische Regierung entschloss sich, auf Erdöl als den Kraftstoff der Zukunft zu setzen, womit das Ende der Braunkohle-Ära besiegelt war – und damit auch das von Hashima. Die Insel wurde zum Sperrgebiet erklärt, nachdem sie innerhalb von wenigen Monaten von ihren einstigen Bewohnern geradezu fluchtartig verlassen worden war.

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Fluchtartig verlassen: eine Wohnung auf Hashima

Foto: dpa picture alliance

Das blieb sie dann auch jahrzehntelang, bis „Skyfall“ sie gewissermaßen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erweckte. Und auch Doutoku Sakamoto, der auf Hashima geboren wurde, trägt heute noch dazu bei, dass die „Schlachtschiff-Insel“ nicht in Vergessenheit gerät. Für einen Obulus fährt er Touristen mit einem Boot auf die Insel, Betreten auf eigene Gefahr, denn viele der Ruinen sind einsturzgefährdet.

Die Ruinen von Hashima sind heute eine morbide Touristenattraktion

Foto: dpa picture alliance

Der Zeitschrift „Mare“ sagte Sakamoto in einem Interview über sein damaliges Leben: „Anfang der 60er-Jahre hatten wir hier schon einen Kühlschrank, eine Waschmaschine und einen Fernseher. Es war ein gutes Leben auf der Insel. Sie ist ein Teil von mir.“

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