Ausstand bei Germanwings-Piloten angekündigt

Streik! Flug-Stornierung kann Kosten minimieren

Die Tarifkonflikte bei der Deutschen Bahn und der Lufthansa drohen zu eskalieren. Nun haben die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings für Freitag einen Streik an allen deutschen Flughäfen angekündigt. Reisende sollten prüfen, ob eine eigenständige Stornierung des Flugs womöglich Kosten spart.

Von Beate Krause

Die Drohung lag seit Tagen in der Luft, jetzt wird es ernst: Am Freitag, 29. August, wollen die Piloten von Germanwings streiken. Von 6 bis 12 Uhr geht dann nichts mehr! Betroffen sind, außer den Drehkreuzen in Frankfurt und München alle anderen deutschen Flughäfen.

Der Streik kommt noch, bevor sich die Verhandlungspartner zu Tarifgesprächen zusammensetzen. „Ein Treffen ist für den heutigen Tag geplant“, bestätigte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) TRAVELBOOK. Ein genauer Zeitpunkt wurde dafür allerdings nicht genannt. Kommt es dabei zu einer Einigung mit der Lufthansa, wird es selbstverständlich keinen Streik geben, teilte VC weiter mit.

Germanwings ist eine 100-prozentige Tochter der Lufthansa. Mit dem Streik soll die Beibehaltung der betriebsinternen Frührente durchgesetzt werden. 

Die Vereinigung Cockpit hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass mit Arbeitskampfmaßnahmen gerechnet werden muss. Gleichzeitig hatte die VC erklärt, dass sie jederzeit einigungsbereit ist, um einen Ausstand noch abzuwenden.

Doch das ist nicht alles, worauf sich Reisende einstellen müssen: Auch bei der Bahn könnte es zu Streiks kommen.

Droht nun ein Chaos beim Flug- und Bahnverkehr? TRAVELBOOK sagt, worum es eigentlich geht.

Die Situation bei der Lufthansa: Seit Auslaufen des Tarifvertrages Ende 2013 schwelt der Konflikt zwischen der größten deutschen Airline und der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Knackpunkt ist die sogenannte Frühverrentung: Sie erlaubte es bisher, dass Piloten schon ab dem 55. Lebensjahr in Rente gehen können. Die Leistung, ausschließlich vom Arbeitgeber finanziert, soll abgeschafft werden: zu teuer!

Bereits im April kam es deshalb zum Pilotenstreik: Drei Tage legten sie die Arbeit nieder. Rund 3800 Flüge wurden gestrichen, über 400.000 Passagiere blieben am Boden.

Anders als im April, als 72 Stunden vorher informiert wurde, wird es diesmal viel kurzfristiger sein – so wie jetzt geschehen. VC hatte angekündigt, am Vortage über Arbeitsniederlegungen zu informieren.

Wahl: „Wir wollen die Passagiere ja nicht ärgern, aber wir kommen mit unseren Forderungen nur über einen Streik im Cockpit weiter. Wir hoffen aber, dass sich Lufthansa bewegt, auch um Schaden abzuwenden."

Die Situation bei der Deutschen Bahn: Hier stehen dem Konzern gleich zwei Gewerkschaften gegenüber: die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Die GDL fordert für Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen und Rangierführer (rund 35.000 Mitarbeiter) fünf Prozent mehr Lohn. Außerdem: eine zweistündige Arbeitszeitverkürzung auf 37 Stunden/Woche, nur noch 50 Überstunden im Jahr und einen 50-prozentigen Zeitzuschlag bei Schichtverlängerung, ebenso eine veränderte Schichteinteilung für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die EVG verlangt sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro im Monat. Sie will für alle Beschäftigungsgruppen verhandeln.

Da der alte Tarifvertrag erst jetzt zum August ausläuft, hat die EVG ihre Forderungen erst jetzt offiziell vorgelegt. Erste Tarifverhandlungen mit der Bahn sind daher erst für Mitte September vorgesehen. „Ein Arbeitskampf ist deshalb für uns – noch – kein Thema“, sagte Pressesprecher Uwe Reitz zu TRAVELBOOK. Man werde die weitere Entwicklung abwarten.

Für Mittwoch kündigte die GDL derweil einen „Aktionstag“ in Fulda an, um ihre Mitglieder zu mobilisieren und den Druck auf die Bahn zu erhöhen. „Das ist kein Streiktag, sondern findet in der Freizeit statt“, sagte GDL-Pressesprecher Stefan Mousiol zu TRAVELBOOK.

Wann genau Streiks drohen könnten, sagte er nicht. „Es gibt bisher kein Ultimatum, und keinen Zeitplan dafür.“

Parallel-Streiks zusammen mit der Piloten-Gewerkschaft wolle man auf jeden Fall vermeiden: „Wir gehen davon aus, dass es nicht dazu kommen wird“, so Musiol weiter.

Stornierung kann Folgekosten minimieren

Wer für die kommenden Tagen einen Flug mit der Lufthansa oder Germanwings gebucht hat, sollte seine Reisepläne auf den Prüfstand stellen. Denn ein Streik kann zum Ausfall vieler Verbindungen führen. „In dieser Situation haben die Verbraucher zwar noch kein generelles Recht auf kostenlose Umbuchung und Stornierung“, erläutert Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg, „allerdings sollten sie überlegen, ob sie den Flug selbst stornieren wollen, um mögliche Folgekosten zu minimieren.“

Die gebe es zum Beispiel dann, wenn die Verbraucher auf eigene Faust Anschlussflüge, eine Hotelunterkunft oder ein Mietauto am Urlaubsort gebucht haben. Denn das Geld dafür bekommen sie bei einem Flugausfall aufgrund eines Streiks nicht zurück. „Hier kann eine rechtzeitige Stornierung des Fluges, bei der sie zumindest Steuern, Gebühren und sonstige ersparte Kosten erstattet bekommen, eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative sein“, sagt Fischer-Volk – vor allem dann, wenn die Stornokosten weit geringer sind als die möglichen Folgekosten eines Flugausfalls.

Anders sieht die Situation für Verbraucher aus, die im Rahmen einer Pauschalreise einen Lufthansa-Flug gebucht haben. „Für sie ist der Reiseveranstalter und nicht die Airline der erste Ansprechpartner“, sagt Fischer-Volk. Und diesen Kontakt sollten sie angesichts der Streikankündigung nutzen, „denn es ist gut möglich, dass der Veranstalter bereits eine andere Airline mit der Beförderung beauftragt hat.“ Daraus könnten sich dann wiederum veränderte Flugzeiten oder sogar Änderungen im Ablauf der Reise ergeben. Auch Pauschalreisende sollten sich deshalb auf dem Laufenden halten.

Kommt es zu Streiks bei der Bahn und Verspätungen, erhalten Kunden zumindest einen Teil ihres Fahrpreises zurück: „Bei Verspätungen kann die Bahn keine höhere Gewalt gelten machen“, erläutert Paul Degott, Reiserechtler aus Hannover. Im September 2013 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Bahnkunden auch bei höherer Gewalt eine Entschädigung bekommen (Rechtssache C-509/11). „Darum haben die Reisenden im Falle einer erheblichen Verspätung grundsätzlich Anspruch auf die Erstattung eines Teilbetrags des Reisepreises.“ So bekommen sie ab 60 Minuten Verspätung 25 Prozent des Reisepreises zurück, ab 120 Minuten 50 Prozent.

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