Wie auf diesem Foto sieht er längst nicht mehr aus...

Ecuadors höchster Wasserfall fast verschwunden!

San Rafael Falls, Ecuador
Tosende Wassermassen rauschen in die Tiefe: So sah der höchste Wasserfall Ecuadors früher aus
Foto: Getty Images

Der San Rafael-Wasserfall in Ecuador scheint wie vom Erdboden verschluckt – und genau das trifft auch tatsächlich zu. Wissenschaftler sind über die Ursache dieses Phänomens noch geteilter Meinung, doch der Mensch könnte damit zu tun haben.

Genauer gesagt: der Bau eines hydro-elektrischen Kraftwerks. Dessen Damm könnte nun dafür sorgen, dass der Coca-Fluss kaum noch Wasser führt, wie der Experte Emilio Cobo glaubt, der bei der „International Union for the Conservation of Nature” arbeitet. Er sagte der Seite „Mongabay”, die sich mit Naturphänomenen beschäftigt: „Ein Wasserfall, der Tausende Jahre da war, verschwindet nicht einfach zufällig, ein paar Jahre, nachdem ein hydro-elektrisches Kraftwerk eröffnet wurde. Es gibt genügend Beweise, dass ein Kraftwerk solcherlei Auswirkungen auf einen Fluss haben kann.“

Der Fluss fließt anders

Die mögliche Begründung für Cobos These ist, zugegeben, ziemlich wissenschaftlich, und kann wohl am besten mit „hungriges Wasser” übersetzt werden: Dieses Phänomen beschreibt, dass die Sedimente, also Sand und kleine Steine, die jeder Fluss natürlicherweise bei seinem Fließprozess mit sich führt, von einem Damm herausgefiltert werden. Das nunmehr geklärte Wasser suche sich aber neues Sediment, wobei Flussbett und auch -ufer stärker als gewöhnlich erodiert werden. Dies wiederum könne zu dem Ereignis geführt haben, dass sich nun am Coca-Fluss und dem San Rafael-Wasserfall ereignet hat.

Denn der Fluss ist natürlich nicht verschwunden – er fließt aber laut dem Geologen Alfredo Carrasco mittlerweile „anders”, wie der Wissenschaftler „Mongabay” sagte. Demnach stürzt der Coca durchaus weiter ins Tal, nur mittlerweile an drei verschiedenen Punkten. Im Flussbett habe sich ein riesiges Loch aufgetan, welches den Wasserfluss „umgeleitet” habe. Für Carrasco jedoch ein natürliches Phänomen, welches er auf die starke vulkanische Aktivität in der Gegend zurückführt.

Bedrohung für Menschen und Tiere

Doch um das Coca Codo Sinclair-Kraftwerk, gebaut von chinesischen Investoren, und eines der größten des Landes, gibt es bereits seit Jahren Ärger: So verloren 2014 bei einem Unfall 14 Arbeiter ihr Leben, auch bestanden bereits 2015 Bedenken, das 2016 eröffnete Kraftwerk könnte den Wasserfall bedrohen, wie „Trans Americas” damals berichtete. Laut dem Bericht habe sich bereits zu dieser Zeit der Verlauf des Flusses geändert.

Auch Jorge Celi von der Ikiam Amazonas Universität glaubt, die Vorkommnisse könnten mit dem Damm zu tun haben, wie er „Mongabay” sagte: „Etwas Ungewöhnliches ist passiert, wie es nur etwa alle 1000 Jahre vorkommen sollte. Ich denke, der Prozess wurde durch menschliches Eingreifen beschleunigt.” Besonders bedenklich: Die Erosion des Flussbetts und seiner Umgebung könnte Erdrutsche hervorrufen. Auch Tiere und der Mensch könnten von den Veränderungen bedroht werden, wenn etwa der Fluss aufgrund seiner veränderten Fließrichtung anschwelle und die Umgebung überflute. Das ecuadorianische Umweltministerium hat derweil angekündigt, den Fall untersuchen zu wollen.

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